Umkreist, inspiziert und beäugt: Erst langsam realisieren wir die Gefahr aus dem All

Umkreist, inspiziert und beäugt: Erst langsam realisieren wir die Gefahr aus dem All

An den Märkten geht der AI Scare Trade weiter. Gestern erwischte es die Siemens-Aktie, die über sieben Prozent verlor. Auch hier ist wieder die Sorge groß, dass das Geschäft unter KI leiden könnte. Denn: KI ermöglicht es Unternehmen, ihre Software mit „offenen“ Systemen zu kombinieren. Sie müssen also nicht mehr alle Lösungen von einem Anbieter kaufen.

Siemens ist damit das neueste prominente Ziel einer Verkaufswelle, die aufgrund befürchteter KI-Disruption immer größere Kreise zieht und vor nichts Halt zu machen scheint. Insgesamt hat die Aktie seit vergangener Woche 15 Prozent verloren. Dabei galt Siemens mit seinen Angeboten im Bereich Industrial AI als einer der Gewinner der jüngsten Umwälzungen.

Aber über diesen doppelten Doom-Loop, der die Märkte beherrscht, habe ich ja schon viel geschrieben. Deshalb nun zu einem anderen Thema, über das viel zu wenig gesprochen wird.

Im Webinar stellte Alan Galecki aus dem "Money + Mind"-Expertenteam ein Unternehmen vor, dass abseits aller KI-Gefahren steht. Es bahnt sich eine Sondersituation an. Eine Aufspaltung könnte großes Potenzial bietet. Das Downside-Risiko scheint auf der anderen Seite begrenzt. Hier erfährst Du mehr.

Im „Handelsblatt“ stieß ich auf ein Interview mit Michael Schöllhorn, Chef von Airbus Defence and Space. Er sprach über die Bedrohung aus dem Weltraum. Ganz ehrlich: Etwas mulmig kann einem da schon werden.

Seine wichtigsten Aussagen:

  • „Wir sind bedroht. Wir Europäer haben in den vergangenen Jahren sehr naiv in den Weltraum geschaut. Und dabei haben wir übersehen, dass sich Dinge anbahnen, auf die wir jetzt reagieren müssen. Im Weltraum befindet sich heute alles, was für eine funktionierende, moderne Wirtschaft erforderlich ist. Diese kritische Infrastruktur für Telekommunikation, Datenaustausch und Erdbeobachtung ist das Ziel von Cyberattacken und Störungen.“
  • „Jeder Satellit der Bundeswehr hat mittlerweile einen russischen Begleiter, der ihn umkreist, inspiziert und beäugt. Der Inspekteur der Luftwaffe spricht hierbei von ‚Dogfights in Space‘, also Manövern, die man bislang nur von Kampfflugzeugen auf der Erde kennt.“
  • „Die Russen und Chinesen haben tatsächlich die Möglichkeit, Satelliten abzuschießen. Das haben sie ja schon mit Raketen demonstriert. Aber Satelliten lassen sich auch anders ausschalten, da muss man nicht notwendigerweise schießen. Man kann Satelliten blenden, die Linsen verschmutzen oder die Kommunikation elektronisch stören. Oder Sie ziehen einen Satelliten aus seiner Bahn. Für all diese Dinge gibt es mittlerweile auch schon Beispiele.“

Jetzt muss man natürlich im Hinterkopf behalten, dass Schöllhorn ein kommerzielles Interesse daran hat, die Lage besonders dramatisch zu schildern. Schließlich profitiert sein Unternehmen von Aufträgen der Bundeswehr. Aber nichtsdestotrotz klingt das alles besorgniserregend.

Allerdings: Herausforderungen eröffnen auch Chancen. Das Verteidigungsministerium hat die Bedrohung inzwischen auch erkannt. Vergangenes Jahr kündigte Ressortchef Boris Pistorius an, dass 35 Milliarden Euro bis 2030 in die Weltraumverteidigung fließen sollen. Das sind also sieben Milliarden Euro pro Jahr. Kaum ein anderes Land in Europa will so viel investieren. Das Geld dürfte eine ganz neue Weltraum-Industrie in Deutschland entstehen lassen. Es geht ja nicht nur um den Bau von Raketen. Gebraucht werden zum Beispiel auch Satelliten und Bodenstationen. Um die Hersteller werden sich Zulieferfirmen ansiedeln. Neben etablierten Firmen wie Airbus, Rheinmetall oder OHB wird es auch viele Start-ups geben, die einen Teil des Geldes abhaben wollen.

Ob daraus ein neues "Wirtschaftswunder im Orbit" wird, hängt nun davon ab, wie effizient die Mittel in echte Innovation fließen – statt nur in bürokratische Großprojekte. Eines ist sicher: Das Thema Weltraum wird uns in den nächsten Jahren nicht mehr loslassen

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