Fünf Denkanstöße, die Dich zu einem besseren Anleger machen
Wie geht es weiter an der Börse? Was sind die besten Aktien? Hebt die Fed die Zinsen an? Über all diese Themen kann man sprechen und diskutieren und das mache ich auch sehr gerne, wie Du auf meinen YouTube-Kanal „René will Rendite“ sehen kannst. Aber ehrlicherweise kommt es auf diese Themen gar nicht so sehr an. Sie helfen, die Märkte besser zu verstehen, das stimmt. Und natürlich macht es auch Spaß, sich hierüber mit Gleichgesinnten auszutauschen. Aber ehrlicherweise sind diese Fragen für einen langfristigen Investor nicht wirklich relevant. Die richtige Einstellung ist viel wichtiger als das Zucken der Kurse. Mir hat sehr geholfen, mir über ein paar Dinge klar zu werden. Und diese Dinge möchte ich mit Dir hier teilen:
Überrendite ist nicht der Maßstab
Ich finde es falsch, den Erfolg einer Anlagestrategie darin zu messen, ob man eine Überrendite erzielt und den „Markt schlägt“. Den Markt zu schlagen ist schwierig und anstrengend. Wenn es mehr oder weniger jeder schaffen würde, wäre die Überrendite von gestern die neue Durchschnittsrendite von morgen. Nur mit viel Einsatz und erhöhtem Risiko ist es möglich, besser zu sein als die anderen. Das kann gutgehen, muss es aber nicht. Und warum sollte man dieses Risiko eingehen, wenn eine langweilige Anlagestrategie mit Marktrendite reicht, um seine finanziellen Ziele zu erreichen? Ich kann es mir leisten, nicht der beste Anleger zu. Was ich mir aber nicht leisten kann ist, ein schlechter Anleger zu sein.
Sage nicht Crash, sage Sonderangebot
Es ist eigentlich etwas verrückt: Wenn in Geschäften die Preise fallen, gehen die Leute auf Schnäppchenjagd. Wenn die Preise an der Börse fallen, kriegen sie Panik. Dabei kann man als Langfristanleger in solchen Phasen eigentlich ganz entspannt bleiben – oder sich sogar freuen. Denn plötzlich gibt es alles viel billiger. Die Aktien sind im Sonderangebot, wenn man so will. Ein gutes Unternehmen wird schließlich nicht schlechter, nur weil sein Preis fällt. „Die Zeit ist der Freund des guten Unternehmens und der Feind des schlechten“, wie Warren Buffett so schön sagte. „Wenn es einem Unternehmen gut geht, folgen die Aktien irgendwann.“
Da ich überwiegend in ETFs investiere, halte ich mir in solchen Phasen vor Augen, dass die Weltwirtschaft nicht pleitegehen kann. Eine Krise ist ein Schock, der das System zu einem Anpassungsprozess zwingt. Es verändert sich, um sich an die neue Situation anzupassen. Manche Firmen oder gar Branchen werden diese Phase nicht überleben. Bei einem Welt-ETF kann ich mir aber sicher sein, dass ich immer nur an den Firmen, die diese Krise überstehen, beteiligt sein werde. Ich muss mich also nicht vor Pleiten fürchten – und kann daher einen Crash als Chance sehen, günstig mehr Anteile zu kaufen.
Du verlierst nicht, wenn der andere mehr gewinnt
Jeder hat bestimmt einen Kollegen oder Freund, der (ungefragt) von seinen cleveren Investitionen erzählt. Früher war ich beeindruckt und neidisch und habe mich geärgert, dass ich nicht den Mut oder den Riecher hatte. Inzwischen bin ich da entspannter. Ich habe erkannt: Investieren ist kein Kampf oder Wettbewerb. Es geht nicht darum, andere zu schlagen. Mein finanzieller Erfolg hängt nicht davon ab, wie groß die Rendite anderer Anleger ist. Ich bin schließlich nicht ärmer, nur weil irgendwer mit seiner Strategie noch besser abschneidet als der S&P 500. Am Ende ist nicht wichtig, wer als erstes die Ziellinie erreicht. Entscheidend ist, sie überhaupt zu erreichen.
Triff Deine Geld-Entscheidungen nicht allein
Es gibt meiner Erfahrung nach nur wenige Paare, die sich gemeinsam um die Finanzen kümmern. Das sollte so nicht sein, die Geldanlage für die Altersvorsorge betrifft schließlich beide. Da sollte nicht einer die Last der Verantwortung für die richtigen Entscheidungen tragen müssen. Es ist auch sehr kurzsichtig, einfach darauf zu vertrauen, dass er oder sie es richtig macht. Läuft etwas schief, steht ihr beide doof da. Sich gegenseitig Vorwürfe zu machen ist zwar dann bequem, hilft aber nicht. Der Streit verschlimmert alles es nur noch. Entscheidet also gemeinsam und steht dazu.
Und es ist auch sonst sehr viel einfacher, wenn man regelmäßig offen über die Geldanlage und die Ausgaben spricht. Denn so lässt sich eine gemeinsame Geld-Vision entwickeln. Sie drückt aus, was Dir und Deinem Partner oder Deiner Partnerin wichtig ist. Wie willst Du leben? Welche Träume willst Du Dir erfüllen? Oder, um es kurz und bündig zu formulieren: Wie sieht Dein reiches Leben aus? Wenn ihr die Frage gemeinsam beantwortet, dann ergibt sich vieles danach von selbst. Denn dann wisst ihr, für was ihr gerne Geld ausgeben, wofür ihr sparen wollt und worauf ihr dafür verzichtet. Gestaltung ersetzt Beliebigkeit.
Finde Deinen Geld-Hebel
Sparen ist wichtig. Wichtig ist aber auch, sein Leben zu genießen. Natürlich braucht man nicht zwangsläufig Geld dafür. „Ich bin am glücklichsten, wenn ich mein Geld zähle“ taucht nie als Antwort in den Befragungen rund um das Thema Glück auf. Genannt werden dagegen andere Momente
Ein wichtiges Ergebnis ist die Bedeutung von Freiheit. Glückliche Menschen beschreiben ihren Freiheitsspielraum als weitaus größer als Personen, die sich als weniger glücklich einstufen. Eine große Bedeutung kommt auch den sozialen Kontakten zu. Es gibt eine Korrelation zwischen der Größe des Bekanntenkreises und Glückerlebnissen: Menschen, die von häufigen Glückserlebnissen berichten, haben mehrheitlich einen großen Bekanntenkreis wohingegen Personen, die sich als wenig glücklich einschätzen, ihren Bekanntenkreis als wesentlich kleiner beschreiben. Ein dritter wichtiger Faktor: das Flow-Erlebnis, also der Moment, wo man in einer Tätigkeit völlig versunken ist und alles andere um sich herum vergisst. Bei Personen mit Flow-Erlebnissen treten Glückserlebnisse deutlich häufiger auf als bei anderen Menschen.
Viel Geld ist für all das nicht nötig. Es schadet aber mit Sicherheit auch nicht. Geld ist ein Verstärker. Ich behaupte: Wer sagt, dass Geld nicht glücklich macht, gibt es wahrscheinlich einfach nur falsch aus.
Ich kann nur empfehlen, nicht immer nur ans Sparen zu denken, sondern Geld auch mal lustvoll auszugeben. Falls Du Dir unsicher bist: Probiere die verschiedensten Dinge aus. Besseres Essen, Events, Wochenendtrips – fühle, was Dich glücklich macht und Dir und eine gute emotionale Rendite abwirft. Vielleicht ist es auch der Kauf von Freiheit: Reduziere Deine Arbeitszeit und verzichte dafür auf etwas Gehalt.
Zwar schmälert jeder ausgegebene Euro den Zinseszinseffekt. Aber Du darfst auch nicht vergessen: Jeder verstrichene Tag rückt Dich näher an Deinen Tod.