Ein Befreiungsschlag nähert sich - mit Chancen für die Aktie
KI-Sorgen beherrschen die Märkte. Auf der einen Seite fürchten Investoren, dass die Milliarden-Investitionen in Rechenzentren sich nicht refinanzieren werden. Auf der Seite treibt sie die Sorge um, dass Geschäftsmodelle ganzer Branchen nicht mehr funktionieren.
Im "Money + Mind"-Webinar stellte Alan Galecki aus dem Expertenteam eine Aktie vor, die von keinem der beiden Szenarien betroffen ist. Andere Treiber könnten hier von einen Kursanstieg sorgen. Denn es zeichnet sich eine Aufspaltung ab.
Bei dem Unternehmen handelt es sich um Associated British Foods (ABF) Hier sind die spezifischen Details :
1. Die zwei gegensätzlichen Geschäftsbereiche
Das Hauptproblem des Konzerns ist, dass die beiden Sparten keinerlei Synergien aufweisen.
- Primark (Einzelhandel): Dies ist der profitablere Teil. Primark erzielt etwa die Hälfte des Konzernumsatzes, steuert aber deutlich mehr als die Hälfte des operativen Gewinns bei. Es wird als das wichtigste Segment mit den besseren Wachstumsraten und Zukunftsaussichten beschrieben.
- Lebensmittel & Agrar (Food): Dieser Bereich umfasst Marken wie Twinings Tee, aber auch Rohstoffe wie Zucker, Backzutaten und Gewürze. Besonders das Zuckergeschäft gilt als schwierig, da es stark von Rohstoffpreisen abhängt und im Falle von europäischem Zucker auf dem Weltmarkt kaum wettbewerbsfähig ist.
2. Der Katalysator: Die Aufspaltung
Die Aktie leidet unter einem sogenannten „Konglomeratsabschlag“, da Investoren komplexe Unternehmen mit unpassenden Bereichen oft niedriger bewerten als die Summe ihrer Einzelteile.
- Zeitplan: Das Management prüft derzeit die Trennung von Primark und dem Lebensmittelgeschäft. Konkrete Informationen dazu werden im April, zeitgleich mit den Halbjahreszahlen, erwartet.
- Rolle der Familie: Die Familie Weston führt das Unternehmen in dritter oder vierter Generation. Da sie Großaktionär beider Teile bleiben würde, sieht Alan eine hohe Wahrscheinlichkeit für die Aufspaltung, da sich für die Familie faktisch wenig ändert, aber „klare Verhältnisse“ geschaffen würden.
3. Finanzielle Situation und Bewertung
- Bilanzstärke: ABF verfügt über Nettoliquidität, hat also mehr Barmittel als Finanzschulden. Dies ist für ein Unternehmen im Einzelhandels- und Lebensmittelbereich ungewöhnlich und macht es robust gegenüber Zinssteigerungen.
- Bewertung: Das Unternehmen wird mit dem etwa 15- bis 16-fachen des freien Cashflows bewertet. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt teilweise sogar unter dem Niveau der Krisenjahre 2020 und 2022, obwohl die operativen Margen mittlerweile höher sind als vor der Pandemie.
- Dividende: Während man auf den „Katalysator“ wartet, erhalten Anleger eine Dividendenrendite von etwa 3 %.
4. Risiken
Es gibt Faktoren, die gegen einen Erfolg der Strategie sprechen könnten:
- Management-Entscheidung: Falls das Management die Aufspaltung doch absagt oder weiter verschiebt, könnte die Aktie negativ reagieren.
- Inflation & Konsum: Steigende Kosten könnten die Margen drücken. Zudem sieht der Galecki langfristig ein Risiko in den niedrigen Geburtenraten im Westen, was den Kundenkreis für Konsumgüter insgesamt verkleinert.
Zusammenfassend handelt es sich um eine Wette darauf, dass die Trennung der ungleichen Segmente zu einer Neubewertung führt, während das Abwärtsrisiko durch die starke Bilanz und die moderate Bewertung als gering eingeschätzt wird.