Wo sind die sicheren Häfen?

Wo sind die sicheren Häfen?
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Im Iran-Krieg häufen sich die Anzeichen, dass nach einer Verhandlungslösung gesucht wird. So soll es einen 15-Punkte-Plan geben. Auf der anderen Seite fordert das Pentagon 200 Milliarden Dollar vom Kongress – eine Summe, die einen monatelangen Iran-Krieg finanzieren könnte. Zugleich wirft die Verlegung von US-Bodentruppen in die Region Fragen auf. Stehen möglicherweise doch Pläne für eine Bodenoffensive im Raum? Die USA zeigen sich offen für eine diplomatische Lösung, bereiten sich gleichzeitig aber wohl auch darauf vor, dass das Ultimatum am Freitag ohne Entgegenkommen des Iran ablaufen wird.

Bewegung gibt es auch in der Straße von Hormus: So soll der Iran „nicht-feindlichen“ Schiffen die Durchfahrt erlauben – womöglich gegen eine Transitgebühr. Auf den Ölpreis hat diese Meldung allerdings kaum Einfluss. Er bleibt hoch. Damit werden länger anhaltende Folgen des Krieges für Wirtschaft und Inflation wahrscheinlicher. Selbst bei einem baldigen Ende des Kriegs wird der Ölpreis kaum wieder auf 60 Dollar fallen. Der Krieg dauert schon zu lange – und mit jedem Tag ohne Öffnung der Straße von Hormus verschlechtert sich die Lage weiter. Es ist daher verständlich, dass die Börsen skeptisch bleiben.

Womit wir bei einem übergeordneten Thema wären: Wo sind eigentlich momentan die „sicheren Häfen“ für Anleger? Also die Anlageklassen, von denen Investoren erwarten, dass sie in Zeiten von hoher Marktvolatilität, wirtschaftlicher Unsicherheit oder geopolitischen Krisen ihren Wert behalten oder sogar steigern?

Die größte Enttäuschung ist in dieser Hinsicht wahrscheinlich Gold. Es wurde seinem Ruf als Krisenabsicherung überhaupt nicht gerecht. Tatsächlich steht der Goldpreis wieder da, wo er vor drei Monaten war (über die Gründe hatte ich hier geschrieben).

Interessanterweise erinnert die Entwicklung des Goldpreis stark an den Nasdaq-Index während der Dotcom-Blase.

Maximilian Gamperling aus dem „Money + Mind”-Expertenteam sieht wenig Hoffnung, dass es bald wieder aufwärts geht. Er befürchtet bei Gold und Silber eher, dass sich die Vergangenheit wiederholt: Nach einem steilen Anstieg mit anschließendem Rücksetzer ging es jahrelang seitwärts. Mehr dazu erfährst Du hier im Ausschnitt aus dem Webinar mit Max.

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Auch Anleihen boten nicht den Schutz, den sich viele Anleger erhofft haben. Sie fielen zusammen mit dem Aktienmarkt. Dabei sollen sich Aktien und Anleihen eigentlich gegenläufig verhalten. Das ist auch die Idee hinter dem 60/40-Portfolio:

Das 60/40-Portfolio funktioniert wieder nicht

Im Börsenboom steigen Aktienkurse, während Anleihen eher stabil bleiben oder leicht nachgeben. Die 60 Prozent im Depot sorgen für Gewinne. Im Börsencrash flüchten Investoren aus riskanten Aktien in „sichere Häfen“ wie Staatsanleihen. Während die Aktienkurse fallen, steigen die Kurse der Anleihen oft an und dämpfen so den Gesamtverlust des Depots ab. Wegen der Furcht vor Zinserhöhungen funktionierte dieser Mechanismus – wie schon nach dem Ukraine-Krieg – nicht.

Damit zu Immobilien: Die Performance dieser Assetklasse im Iran-Krieg lässt sich nur indirekt abschätzen. Immobilien werden ja nicht täglich bewertet und sind dazu sehr heterogen. Als Proxy kann jedoch der Aktienkurs von Vonovia dienen. Deutschlands größter Vermieter hat mehr als 530.000 Wohnungen im Bestand. In den letzten vier Wochen fiel der Aktienkurs um 25 Prozent. Auch für diesen Absturz war die Furcht vor steigenden Zinsen ein wichtiger Faktor.

Bitcoin als sicherer Hafen?

Die einzige Assetklasse, die sich gut hielt, war Bitcoin. Der Kurs der Kryptowährung steht sogar höher als zu Beginn des Iran-Krieges. Ich wäre jetzt aber vorsichtig, Bitcoin zum neuen sicheren Hafen auszurufen. Angesichts der Volatilität der letzten Jahre würde ich mich nicht darauf verlassen, dass Bitcoin in der nächsten Krise wieder gut performt.

Und ich glaube, das ist der entscheidende Punkt: Die Zeit der „sicheren Häfen“ ist vorbei, vielleicht gab es sie noch niemals wirklich. Die Auswirkungen von Krisen sind so vielfältig, dass schwer vorherzusehen ist, welche Assetklassen beeinträchtigt werden. Schon in der nächsten Krise können Anleihen wieder glänzen, weil die Börsen mit sinkenden Zinsen rechnen.

Von allem etwas

Das Einzige, was wirklich funktioniert, ist eine breite Diversifikation. Das Motto ist: Ich weiß nicht, wer der Gewinner ist. Also habe ich von allem etwas (wobei der Schwerpunkt klar auf Aktien liegen sollte. Denn zum Glück sind Krisen nicht der Normalzustand an den Märkten). Wichtig ist außerdem, die richtige Risikoquote zu wählen. Schwankungen werden sich nicht ganz vermeiden lassen. Durch die Aktienquote kann ich aber beeinflussen, wie sehr die Schwankungen mein Gesamtvermögen beeinflussen.

Maximilian sieht sein Langfrist-Depot mit Qualitätsaktien als seinen „sicheren Hafen“. Im Webinar stellte er vier dieser Unternehmen vor. Hier erfährst Du mehr.

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