Warum Gold gerade als Krisenschutz versagt

Warum Gold gerade als Krisenschutz versagt

Der Irankrieg lässt sich mittlerweile für die Mehrzahl der Anleger auf eine einfache Gleichung herunterbrechen: Entweder die Straße von Hormuz wird wieder passierbar, oder es gibt keinen Neueinstieg in Aktien. Je länger diese für die Weltwirtschaft so wichtige Meerenge blockiert bleibt, desto höher wird der Ölpreis steigen – und desto düsterer werden die Aussichten für die Gewinnentwicklung.

Die Berenberg-Bank hat angesichts der Eskalation ihre Konjunktur- und Inflationsprognosen erneut aktualisiert. In einer ersten Anpassung waren die Analysten noch davon ausgegangen, dass die Straße von Hormuz bis Ende März geschlossen bleibt und der Ölpreis bis September wieder auf ein altes Niveau fällt. Das neue Basisszenario ist nun, dass der Ölpreis bis April bei durchschnittlich 100 Dollar steht und dann bis November zurück auf 70 Dollar fällt. Entsprechend haben die Berenberg-Analysten ihre Konjunkturprognose gesenkt und ihre Inflationsprognose erhöht.

Entscheidend dürften nun die nächsten 24 Stunden sein. Am Dienstagmorgen läuft das Ultimatum von US-Präsident Trump an den Iran aus: Teheran soll die Straße von Hormuz wieder öffnen, oder es drohen heftige Angriffe. Im Gegenzug droht Teheran mit Attacken auf die Energieinfrastruktur und Entsalzungsanlagen der Nachbarländer. Bis zum Ablauf dieser Frist bleibt Zeit für Diplomatie – Anleger verbinden das mit einer sehr geringen, aber nicht völlig auszuschließenden Chance auf einen Deal in letzter Sekunde.

Parallel laufen offenbar die Vorbereitungen für eine Eroberung der Öl-Insel Kharg. Trump scheint zu hoffen, dass ihm das ein Faustpfand für mögliche Verhandlungen gibt.

In dieser kritischen Lage mit Nachkäufen anzufangen, halte ich für zu früh. Die Zeit wird kommen. Aber zumindest das Ende des Ultimatums sollte jeder abwarten. Denn machen Trump und der Iran ihre Drohungen wahr, wird es noch einmal kräftig nach unten gehen. Auf der anderen Seite: Zieht Trump zurück, könnte es ein erstes, kleines Hoffnungszeichen sein. Wir dürfen nicht vergessen: Trump steht innenpolitisch mächtig unter Druck und kann sich eine weitere Eskalation eigentlich nicht leisten.

Warum Gold gerade versagt

Und damit zu Gold: Was ist eigentlich bei dem angeblichen Krisenmetall los?

Gold ist seit Beginn des Iran-Kriegs im freien Fall. Während ich diesen Text schreibe, rast es auf die Marke von 4.000 Dollar zu; Anfang März stand Gold noch bei 5.300 Dollar. Bitcoin performte in den vergangenen Wochen dagegen deutlich besser.

Erst einmal ist es nichts Ungewöhnliches, dass Gold in Bärenmärkten verliert. Rückblickend waren die Verluste aber immer geringer als am Aktienmarkt. Ein wichtiger Grund ist meistens, dass Anleger auf der Suche nach Liquidität sind. Sie verkaufen dann die Positionen in ihrem Portfolio, in denen sie die höchsten Gewinne bzw. geringsten Verluste haben. Die Wahl fällt dann meistens auf Gold, da es normalerweise weniger stark schwankt als Aktien.

Diese Entwicklung sehen wir auch dieses Mal – nur eben deutlich ausgeprägter. Denn der Anstieg beim Goldpreis war im vergangenen Jahr sehr hoch gewesen. Dazu kommt die Sorge vor höheren Zinsen. Treibt der gestiegene Ölpreis die Inflation, werden die Notenbanken reagieren müssen. Zins und Gold sind negativ korreliert. Das heißt: Steigende Zinsen sind schlecht für Gold. In den letzten Jahren überlagerten andere Faktoren diesen Zusammenhang. Er könnte aber nun wieder stärker in den Vordergrund treten.

Ich habe allerdings Gold auf meiner Watchlist. Sobald sich der Preis etwas stabilisiert, werde ich nachkaufen. Denn der Iran-Krieg verschärft aus meiner Sicht die Treiber für Gold: Steigende Staatsverschuldung und geopolitische Spannungen werden langfristig für steigende Kurse sprechen. Der heftige Preisrutsch heute könnte dafür sprechen, dass wir uns einer Bodenbildung nähern.

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