Warsh spricht, die Investoren fliehen
Das dürfte eine der teuersten Pressekonferenzen aller Zeiten gewesen sein. Nach dem Zinsentscheid der Fed war noch alles gut. Zwar war die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung relativ hoch, aber die Mehrheit der Marktteilnehmer war davon ausgegangen, dass die Fed die Zinsen unverändert lässt. So kam es dann auch.
Problematisch wurde die Pressekonferenz. Zwar bekannte sich Fed-Chef Kevin Warsh zum Inflationsziel von zwei Prozent, er gab aber keine Antwort darauf, wie er es erreichen will. Warsh suggerierte vielmehr, dass es durchaus auch ohne Zinserhöhungen gehen könnte und die Märkte einen Teil der Arbeit durch schärfere Finanzierungsbedingungen erledigen könnten. Er sagte auch nichts zu den drei Abweichlern, die für eine Zinserhöhung gestimmt hatten.
Die Reaktion der Investoren war eindeutig: Sowohl bei Anleihen als auch bei Aktien kam es zu einer Verkaufswelle. Der S&P schloss am Ende des Tages 1,5 Prozent im Minus, nachdem er zwischenzeitlich leicht im Plus war. „Einfach nur zu sagen ‚Ich verrate es euch nicht‘ reicht nicht“, kommentierte John Authers von Bloomberg. „Warsh hätte bei der Pressekonferenz die Gegenstimmen erklären können, die Entscheidung, sich über sie hinwegzusetzen, rechtfertigen und seinen Ruf als geldpolitischer Falke bekräftigen können. Er tat nichts dergleichen.“

Das Problem: Die Märkte bekommen Zweifel, ob Warsh wirklich der Falke ist, der er vorgibt zu sein. Die Rendite für 30-jährige US-Staatenanleihen ist so hoch wie seit 2007 nicht mehr. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass er trotz aller Bekenntnisse zur Inflationsbekämpfung eher widerwillig zur Tat schreitet. „Die Fed bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Handlungsbereitschaft und Nachlässigkeit“, schreibt die DWS in einem Kommentar.

Die Vorgeschichte rund um die Nominierung Warshs ist nicht vergessen. US-Präsident Donald Trump hat immer wieder klargemacht, was er vom neuen Fed-Chef sehen will: niedrigere Zinsen. Erst vor wenigen Tagen lobte Trump noch Warsh, nannte ihn „fantastisch“.
Noch ist das endgültige Urteil über Warsh nicht gesprochen. Auffällig ist, dass neben den Anleihen auch Aktien und Gold an Wert verloren. Vor allem Gold überrascht. Eigentlich müsste der Preis steigen, wenn eine hohe Inflation auf zu niedrige Zinsen trifft. Die Verluste deuten darauf hin, dass Warsh noch nicht alle Glaubwürdigkeit verspielt hat und ihm der Markt bei der nächsten Sitzung zutraut, die Zinsen zu erhöhen, wenn sich die Situation nicht bessert. Warsh riskiert aber mit seinem Zögern, zum Getriebenen zu werden. Schon einmal war die Fed zu spät dran.