Wieder geht die Crash-Angst um
Und wieder stellt sich die Frage: Auftakt zum großen Crash oder nur eine kurze Korrektur? Es war schon heftig, was gestern an den US-Börsen passiert ist. Nasdaq minus 3,3 Prozent, S&P 500 minus 1,4 Prozent. Es war bereits der zweite Kurssturz innerhalb von drei Wochen. Anfang des Monats hatte der überraschend starke Arbeitsmarktbericht aus den USA die Angst vor Zinserhöhungen geschürt und die Kurse abrauschen lassen (siehe Titelgrafik).
Dieses Mal war der Auslöser offenbar ein eher harmlos wirkender Bericht aus Südkorea. Das Internetportal Chosun hatte berichtet, dass SK Hynix seine Chip-Produktion anpasst. Das Unternehmen wolle mehr Allzweck-DRAM herstellen, weil es sich aufgrund von Lieferengpässen hier mehr Einnahmen verspricht. Die Ausweitung der Produktion von HBM-Chips – Hochleistungsspeicher, die für KI-Anwendungen gebraucht werden – werde dagegen verschoben.
Bei Anlegern weckte der Bericht die Angst, dass der KI-Boom sich abflacht. Die Folge: SK Hynix und andere Chip-Hersteller stürzten ab und zogen die südkoreanische Börse mit nach unten. Der Kospi verlor zehn Prozent. Die Schockwellen erfassten am Nachmittag dann auch die Nasdaq.
Die massive Reaktion zeigt, wie angespannt die Lage ist. Chip-Werte und andere Aktien sind „priced to perfection“. Es besteht kein Raum für Zweifel. Wer will, kann überall Anzeichen dafür sehen, dass die Stimmung sich dreht. SpaceX notiert zum Beispiel fast wieder auf Ausgabepreis. Zwischenzeitlich war die Aktie fast 30 Prozent im Plus. Bitcoin hat in einem Monat über 17 Prozent verloren. Gold liegt nur noch knapp über der Marke von 4000 Dollar, weil der Markt weiterhin Zinserhöhungen fürchtet. Sie wären nicht nur schlecht für Gold, sondern auch für Wachstumsaktien.
Alle Augen auf Micron
Umso wichtiger ist heute Abend (Mittwoch) die Präsentation der Quartalszahlen des US-Chipherstellers Micron. Sie – und natürlich der Ausblick – sollten besser überzeugen. Wie andere Unternehmen in dem Sektor profitiert auch Micron von einer immensen Sonderkonjunktur durch die hohe Nachfrage. Der Aktienkurs ist allein in den vergangenen zwölf Monaten um fast 770 Prozent gestiegen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen.
Die Analysten prognostizieren fürs dritte Quartal ein Umsatzplus von 47 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 35,2 Milliarden Dollar. Beim Gewinn werden 24 Milliarden Dollar erwartet, eine Steigerung von 74 Prozent. Vor einem Jahr lag der Umsatz noch bei 9,3 Milliarden Dollar und der Gewinn bei 1,9 Milliarden Dollar.

Fast noch wichtiger als die Zahlen wird der Ausblick sein. Ich prognostiziere: Es reicht eine missverständliche Formulierung, die den Eindruck einer sinkenden Nachfrage erweckt, um den Kurs abstürzen zu lassen. Über die Folgen einer Anpassung der Jahresprognose nach unten brauchen wir gar nicht erst zu reden.
Der breite Markt ist stabil
Bei all der Unsicherheit darf man aber nicht vergessen: Die Abverkäufe lasten bisher vor allem auf den Tech-Werten. Sie blicken allerdings auch auf hohe Kursgewinne zurück. Der breite Markt ist davon kaum betroffen. Der S&P 500 Equal Weight fiel gestern nur um 0,4 Prozent. Das ist bisher der große Unterschied zur Dotcom-Blase, als praktisch alle Aktien immer neue Höchststände erreichten und entsprechend abstürzten. Die Aktie der Allianz notierte zum Beispiel im Frühjahr 2000 bei 380 Euro – erst im Sommer 2025 war sie wieder auf einem ähnlichen Niveau.
Und bisher gibt es genügend Investoren, die Rücksetzer zum Nachkauf nutzen. Der Kospi steigt heute wieder um über drei Prozent, Samsung (einer der großen Verlierer gestern) um zehn Prozent. SK Hynix erholte sich zwischenzeitlich um fast sechs Prozent und beendete den Handel in Südkorea mit einem Plus von knapp einem Prozent.
Für Panik ist es daher aus meiner Sicht noch zu früh. Rücksetzer gehören zur Börse dazu – vor allem bei Aktien, die steil gestiegen sind. Es kann aber sinnvoll sein, Gewinne mit Stopkursen abzusichern.