Wird der SpaceX-Börsengang zum Fanal?
Mit dem Hin und Her im Iran-Krieg ist die Börse eigentlich schon bewegt genug – wobei interessanterweise die jüngste Eskalation für den Ölpreis folgenlos blieb. Trotz Bombardement und Gegenangriff steht er so tief wie seit knapp drei Monaten nicht mehr.
Die nächsten sieben Tage an der Börse werden aber noch einmal besonders spannend: Das geht schon heute (Mittwoch) mit den neuen Inflationszahlen aus den USA los. Die Angst vor steigenden Zinsen hatte die Märkte ja am Freitag deutlich nach unten gezogen. Im Marktkonsens wird erwartet, dass die jährliche Verbraucherpreisinflation von 3,8 Prozent im Vormonat auf 4,2 Prozent im Mai angestiegen ist. Sollte sich dies bestätigen, wäre das die höchste Inflationsrate seit April 2023. Fällt der Anstieg deutlich höher aus als erwartet, könnte das die Sorge vor höheren Zinsen weiter befeuern. Spannend ist daher auch die Fed-Sitzung nächste Woche, die erste unter dem neuen Chairman Kevin Warsh. Ein Zinsschritt wird zwar nicht erwartet. Die Märkte werden aber Warshs Worten genau zuhören, um zu erfahren, wie die Fed die Lage einschätzt.
Das Großereignis ist aber mit Sicherheit der Börsengang von SpaceX am Freitag. Nur der Vollständigkeit halber: Am Tag davor trifft sich noch der EZB-Rat. Eine Zinserhöhung gilt als sicher. Richtig spannend ist der Termin daher nicht. Ganz anders natürlich der Börsengang von SpaceX. Der Hype ist groß, die Dimensionen gigantisch: Knapp 75 Milliarden Dollar will Elon Musk einsammeln. Das würde einer Bewertung von 1,75 Billionen Dollar entsprechen.
SpaceX ist dabei nur der erste von weiteren gigantischen Börsengängen, die anstehen. Auch OpenAI und Anthropic wollen in diesem Jahr Anteile platzieren. Die These macht daher die Runde, dass die Märkte dadurch unter Druck kommen könnten und dass womöglich sogar die jüngsten Turbulenzen damit zu tun haben könnten. Das Argument: Um bei den Mega-Börsengängen dabei zu sein, verkaufen Investoren Aktien, um genügend Geld zu haben. Es findet ein Crowding-out statt.
Die These klingt gut, ich teile sie aber aus drei Gründen nicht. Die Vertreter unterschätzen aus meiner Sicht die Größe des Kapitalmarktes. Um einmal den Börsengang von SpaceX in Relation zu setzen: 75 Milliarden Dollar klingen zwar viel. Das entspricht aber gerade einmal knapp 0,1 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500.

Was man auch nicht vergessen darf, sind die gigantischen Aktienrückkauf-Programme, die gerade laufen. Sie schaffen eine zusätzliche Nachfrage unabhängig von den Anlegern.

Und schließlich darf man nicht vergessen, dass immer noch sehr viel Geld an der Seitenlinie steht. Die US-Haushalte verfügen weiterhin über relativ hohe Cash-Bestände.

Für mich liegt das Risiko der Börsengänge daher weniger in einem möglichen Crowding-out-Effekt. An den Märkten wird ständig umgeschichtet. Ich sehe eher die Gefahr, dass die Stimmung kippen könnte, wenn die hohen Erwartungen nicht erfüllt werden. Die IPOs sind der Test für die Risikobereitschaft und Zuversicht der Anleger. Ein Fehlschlag käme einem Alarmsignal gleich und würde jedem deutlich vor Augen führen, dass der KI-Boom zu weit getrieben wurde.