Wird aus dem Krieg ein Crash?

Wird aus dem Krieg ein Crash?

US-Präsident Donald Trump hat seine Drohung wahr gemacht und greift seit Samstag den Iran an. Die nächsten Tage dürften an der Börse hektisch werden, während Anleger versuchen, die Auswirkungen abzuschätzen. Aber wird es zu einem Börsen-Crash kommen? Ich glaube nicht. Ich sehe stattdessen Nachkaufgelegenheiten für alle, die nicht hektisch werden und die Ruhe bewahren.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass regionale Konflikte nur in seltenen Fällen tatsächlich globale Auswirkungen haben. Der Transmissionsmechanismus erfolgt höchstens über den Ölpreis. Ein hoher Ölpreis hat Folgen für das Wirtschaftswachstum, die Inflation und damit auch für die Zinspolitik der Notenbanken. So war das zum Beispiel im Ukraine-Krieg und auch im Golfkrieg von 1990.

Die Gefahr besteht natürlich auch jetzt. Viel wurde über die Bedeutung der Straße von Hormus geschrieben. Die USA haben allerdings genügend Kräfte vor Ort, um eine dauerhafte Blockade zu verhindern. Jedes iranische Kriegsschiff muss fürchten, versenkt zu werden.

Auch der Markt scheint das Risiko einer Blockade als überschaubar einzuschätzen: Zwar schoss der Ölpreis am Wochenende in die Höhe, aber schon am Montag fiel er wieder unter die Marke von 80 Dollar je Barrel. Volle Öllager und eine potenzielle Fördermengenerhöhung der OPEC+ helfen, die Angst vor einer Ölverknappung zu lindern. Die Ölmärkte sind so gut versorgt, dass sie einen zeitlich begrenzten Konflikt und sogar eine vorübergehende Schließung der Straße von Hormus verkraften können, ohne dass es zu Preisanstiegen in Richtung 100 Dollar oder darüber kommen muss. Laut Schätzungen haben die Tanker auf den Meeren genügend Öl an Bord, um den weltweiten Ölverbrauch 12 bis 15 Tage decken zu können.

Außerdem wichtig: Trump muss die innenpolitische Lage im Blick behalten. Im November stehen die Zwischenwahlen an. Kriege in fremden Ländern sind in seiner MAGA-Bewegung nicht populär. Zudem kann sich Trump einen dauerhaft hohen Ölpreis nicht leisten. Schon jetzt klagen die Bürger über die hohen Kosten und machen Trump dafür verantwortlich.

Quelle: BNP

Das sind Argumente dafür, dass Trump den Einsatz schnell beenden will. Erste Signale in diese Richtung gibt es bereits. Er denke, dass die Operation etwa vier Wochen dauern werde, sagte Trump am Wochenende. Er machte der neuen Führung auch ein erstes Gesprächsangebot. Möglicherweise wird hier das „Venezuela-Playbook“ verfolgt, in dem es nicht um einen wirklichen Regimewechsel, sondern nur um eine maßgebliche Verhaltensänderung gegenüber den USA geht.

Einen ersten Hinweis gab der Bitcoin-Kurs: Bitcoin als Risiko-Asset ist für mich in solchen Situationen ein guter Gradmesser für die Stimmung am Markt. Am Samstag rauschte der Kurs erst einmal nach unten, als die ersten Raketen einschlugen. Aber schon im Laufe des Tages stabilisierte sich der Kurs und reduzierte peu à peu seine Verluste. Inzwischen kostet der Bitcoin ungefähr so viel wie vor dem Militärschlag.

Diese Entwicklung setzt sich an den Börsen fort. Wir sehen einen geordneten Handel: Es geht nach unten, aber von Panik kann keine Rede sein. Die Märkte scheinen in ihrem Basisszenario von einem zeitlich begrenzten Konflikt auszugehen. Für Anleger ist entscheidend: Bleibt der Ölpreis dauerhaft hoch oder ist der Anstieg nur kurzfristig? Solange die Ölinfrastruktur in der Region nicht nachhaltig zerstört wird, bietet ein größerer Rücksetzer am Aktienmarkt langfristig orientierten Investoren eine Einstiegschance.

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