Während alle nur aufs Öl schauen…
Steigende Benzin- und Gaspreise dominieren die Diskussion um die Folgen des Iran-Kriegs. Die Folgen der Blockade der Straße von Hormus sind direkt an der Tankstelle zu spüren. Weniger wird hingegen über eine Folge gesprochen, die sich in einigen Monaten zeigen könnte: steigende Lebensmittelpreise.
Nur am Rande wird thematisiert, wie wichtig die Straße von Hormus für die Landwirtschaft ist. Düngemittel aus der Region des Persischen Golfs machen mindestens 30 Prozent der weltweiten Versorgung aus. In den vergangenen drei Jahren haben sich die Golfstaaten zu den größten regionalen Exporteuren von Harnstoff und Ammoniak entwickelt – beides stickstoffhaltige Düngemittel – sowie zu den zweitgrößten Exporteuren von Diammoniumphosphat.

Flüssigerdgas ist außerdem ein entscheidender Rohstoff für die Düngemittelproduktion in Ländern mit begrenzten heimischen Gasvorkommen wie Indien, Pakistan, Bangladesch und der Türkei.
Der Konflikt hat die Düngemittelpreise bereits in astronomische Höhen getrieben (siehe Grafik). Die Preise für Harnstoff stiegt in den ersten Wochen des Konflikts zum Beispiel um 20 bis 40 Prozent. Dies wird sich auf die Lebensmittelpreise auswirken.

Brasilien zum Beispiel ist eine landwirtschaftliche Supermacht, muss aber 90 Prozent seines Harnstoffs importieren (ca. 7,5 bis 8,5 Millionen Tonnen jährlich) und ist massiv auf Lieferungen aus dem Golf angewiesen. Indien als de größte Reisproduzent der Welt bezieht knapp ein Viertel seiner gesamten Düngemittelimporte aus dem Persischen Golf. Da beim Reisanbau in mehreren Wachstumsphasen nachgedüngt werden muss, schlagen fehlende Lieferungen hier sofort auf die Ernte durch.
Angesichts der engen Verbindung zwischen Düngemittelkosten und der Inflation bei Lebensmitteln ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Auswirkungen sichtbar werden, möglicherweise erst lange nach dem Konflikt. Die Verwerfungen nach der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022, einem weiteren wichtigen landwirtschaftlichen Zentrum, und die anschließende Blockade des Schwarzen Meeres liefern ausreichend Beweise dafür, was passieren könnte.

Sollte sich die Geschichte tatsächlich wiederholen, dürfte es schwer werden, den steigenden Lebensmittelpreisen auszuweichen. Als Anleger hat man zumindest die Möglichkeit, den Schmerz etwas zu dämpfen - indem man mitverdient.
Der WisdomTree Agriculture-ETC (ISIN GB00B15KYH63) bildet den Bloomberg Agriculture Index nach. Dieser Index bietet Zugang zur Wertentwicklung von Terminkontrakten auf Mais, Kaffee, Baumwolle, Weizen, Zucker, Sojabohnen, Sojaöl und Sojamehl. Im Zuge des Ukraine-Kriegs Anfang 2022 stieg er stark an. Bisher fällt die Reaktion auf den Iran-Krieg noch verhalten aus.

Eine andere Möglichkeit ist der iShares Agribusiness-ETF (ISIN IE00B6R52143). Er bildet den S&P Commodity Producers Agribusiness Index nach. Der Index umfasst Aktien der größten börsennotierten Unternehmen, die im Landwirtschaftssektor weltweit tätig sind. Dazu gehören zum Beispiel Landmaschinenhersteller wie Deere, aber auch Düngemittelproduzenten wie CF Industries und Nutrien. Der Kurs ist bereits deutlich gestiegen.

Die beiden ETFs (oder ähnliche) wären allerdings nur spekulative Positionen. Abseits der Peaks zu besonderen Situationen ist die Entwicklung nicht sonderlich berauschend.