Wir sind (fast) Millionäre
Wenn du 120.000 Euro im Jahr verdienst, hast du dann mehr mit der Person gemeinsam, die 30.000 Euro verdient, oder mit der Person, die 1.200.000 Euro verdient?
Eigentlich nicht sehr schwierig: 1.200.000 sind zehnmal mehr als 120.000, und 120.000 sind nur viermal mehr als 30.000. Das ist also die Antwort, richtig? – Nein. Falsch.
Geld hat einen abnehmenden Grenznutzen
Natürlich macht es einen riesigen Unterschied, ob du eine Familie hast oder nur für dich sorgen musst, ob du in einer teuren Stadt lebst oder einer eher „strukturschwachen“ Gegend. Aber wie dem auch sei, generell gilt: Auch wenn die Eurobeträge bei dir und dem Millionär näher beieinanderliegen – dein Lebensstil tut es nicht. Du hast mit einer Person, die 1.200.000 Euro verdient, viel mehr gemeinsam als mit einer Person, die 30.000 Euro verdient.
Wenn dein Gehalt eine gewisse Grenze unterschreitet, kannst du dir bestimmte Dinge einfach nicht leisten. Du kannst nicht so oft ins Kino, ins Konzert oder die Oper gehen, wie du magst. Wenn du es dir mal leistest, essen zu gehen, kannst du nicht einfach auf der Speisekarte bestellen, was du willst. Du kannst nicht jedes Jahr – und schon gar nicht mehr als einmal pro Jahr – in den Urlaub fahren. Und wenn deine Kinder (eventuell sogar im Ausland) studieren wollen, wird es schnell ganz, ganz eng.
Ab einem gewissen Niveau bedeutet mehr Geld nicht automatisch mehr Lebensqualität
Sobald du ein gewisses Einkommensniveau erreicht hast – wo immer das auch genau liegen mag –, kannst du all diese Dinge tun. Deshalb ist die Kluft zwischen den Besitzenden und denen, die nichts haben, viel größer als die Kluft zwischen den Besitzenden und denjenigen, die noch deutlich mehr haben.
Mit einem siebenstelligen Gehalt kannst du zwar erster Klasse fliegen und im Hotel in einem schöneren Zimmer übernachten. Aber du fliegst mit demselben Flugzeug, gehst an denselben Ort und wohnst vielleicht sogar im selben Hotel. Auch wenn du vielleicht nicht (immer) in der siebten Reihe Mitte sitzt, kannst du in dieselbe Opernvorstellung gehen und im Zweifel sitzt du im gleichen Restaurant – auch wenn dein Wein vermutlich nicht über 50 Euro kostet.
Geld, Zeit, Gesundheit – was ist die relevanteste Währung für dich?
Mehr Geld zu verdienen, wenn du ohnehin schon genug verdienst, bringt kaum zusätzliches Glück. Zumindest kein wirkliches. Es mag hier und da Momente geben, die du dir nur leisten kannst, wenn du extrem vermögend bist, aber sie sind selten und relativ flüchtig.
Wenn du Geld auf diese Weise betrachtest – als Mittel zur Gestaltung statt als Ziel der Akkumulation –, wird dir klar: Andere Währungen wie Zeit und Gesundheit sind ab einem gewissen Grad viel wertvoller als Geld. Wenn du dir das klarmachst, erkennst du, dass du wahrscheinlich schon jetzt viel reicher bist, als du denkst.