Willst Du die Welt ändern, beginne mit Deinem Bett

Willst Du die Welt ändern, beginne mit Deinem Bett

Vielleicht geht es Dir ein bisschen wie mir: „Wenn Du die Welt verändern willst, fang an, Dein Bett zu machen.“ Als ich diesen Satz das erste Mal hörte, war ich irritiert. Das Zitat stammt aus der Rede von Admiral William McRaven bei der Abschlussfeier der University of Texas im Jahr 2014. Der Satz klingt so merkwürdig: Was soll so eine Kleinigkeit wie ein gemachtes Bett mit so etwas Großem wie einer besseren Welt zu tun haben?

Doch tatsächlich geht es genau darum.

Denn wie McRaven in seiner Rede erklärt: Wenn Du schon an so einer kleinen Aufgabe scheiterst, wie willst Du dann die großen Sachen schaffen? Das Bettenmachen steht für McRaven noch für mehr: Ein gemachtes Bett ist die erste Aufgabe des Tages, die Du erfolgreich meisterst, wie er in seiner Ansprache ausführte. Und wenn Du nach einem enttäuschenden Tag abends nach Hause kommst, kannst Du Dich zumindest über ein ordentliches Bett freuen. Aber im Kern geht es darum: Wer nicht die kleinen Dinge meistert, wird auch an den großen scheitern.

McRavens Bett steht jedoch nicht nur im Schlafzimmer. Es steht auch bei der Arbeit. Schaut man sich die großen Erfolgsgeschichten an, lässt sich dieses Motiv immer wieder finden. Es gibt keine unwichtigen Aufgaben. Auch Kleinigkeiten gehören mit Anstand und Einsatz erledigt. Von Golden-Globe- und Oscar-Gewinner Philip Seymour Hoffman gab es vor vielen Jahren zum Beispiel folgenden Rat:

„Selbst wenn du für etwas vorsprichst, von dem du weißt, dass es dir nicht gefällt oder dass du die Rolle niemals bekommen wirst: Jedes Vorsprechen ist eine Chance, dein Handwerk zu üben. In diesem Moment solltest du so gut spielen, wie du nur kannst. Die Zuschauer können dich dann unmöglich vergessen. Wenn man dir die Chance gibt zu spielen, dann nimm diese Worte und erwecke sie zum Leben. Wenn du das tust, wird sich daraus letztendlich etwas ergeben.“

Leicht lässt sich ein anderer Ausgang für Hoffmans Karriere vorstellen: Unmotiviert spult er ein Vorsprechen runter. Kurze Zeit später trifft er einen der Zuhörer bei einem anderen Casting wieder. Dieser erinnert sich an Hoffmans blamable Leistung zuvor und wählt ihn nicht aus – obwohl er in diesem Vorsprechen glänzte. Ein gutes Vorsprechen für eine kleine Rolle kann hingegen der entscheidende Faktor sein, um dann die große zu kriegen.

Wenn Du nicht die kleinen Aufgaben mit Ernsthaftigkeit erledigst, werden Dich die Leute auch bei den großen nicht für würdig halten.

Fakt ist, dass man fast immer unter Beobachtung steht. Daher ist es ratsam, jede Tätigkeit mit Zielstrebigkeit, Zuverlässigkeit und Eigenanspruch auszuführen. Und selbst ohne Publikum bleibt jede Aufgabe eine Chance, die eigenen Fähigkeiten zu perfektionieren, sich zu steigern und beständige Routinen zu entwickeln.

Vom Außenseiter zur Legende

Genauso beeindruckend ist die Geschichte von Tom Brady, einem der besten Quarterbacks in der Geschichte der NFL. Eigentlich standen alle Chancen gegen ihn. Im NFL-Draft 2000 wurde Brady erst in der 6. Runde an insgesamt 199. Stelle ausgewählt. Viele Scouts hielten ihn für zu langsam und körperlich nicht robust genug. Die New England Patriots nahmen ihn eher als Absicherung unter Vertrag. Damals war Drew Bledsoe der unumstrittene Star der Patriots. Niemand zweifelte daran, dass Bledsoe das Gesicht des Teams für das nächste Jahrzehnt sein würde. Brady saß in seinem ersten Jahr fast nur auf der Bank.

Kurz nach Beginn der Saison 2001 passierte das Unvorhersehbare: In einem Spiel verletzte sich Bledsoe. Brady wurde eingewechselt. Später erzählte er über diesen Moment, dass er sich davor geschworen habe: „Werde ich einmal eingewechselt, nimmt mich der Trainer nie mehr vom Platz. Ich werde diesen Job nie wieder zurückgeben.“ Und so kam es dann auch.

Vorbereitung trifft auf Gelegenheit

Hatte Brady Glück? Ja und nein. Natürlich profitierte er von Bledsoes Verletzung. Aber Glück ist nichts, was einfach vom Himmel fällt. Glück ist, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft. Die Gelegenheit kann man nicht beeinflussen, die Vorbereitung hat man in der Hand. Obwohl Brady kaum Erfolgsaussichten hatte, bereitete er sich Training für Training auf diesen Moment, auf seine Chance vor. Er hätte – im übertragenen Sinne – sagen können: „Was soll ich mein Bett machen? Es ist eh egal.“ Aber er hängte sich rein – und wurde zur Legende. Bradys Ehrgeiz ließ übrigens niemals nach: „Man kann nicht am Mittwoch durchschnittlich trainieren, am Donnerstag okay sein und dann erwarten, am Sonntag gut zu spielen“, sagte er einmal.

Falls Du gerade unzufrieden sein solltest – auf der Arbeit oder vielleicht auch zu Hause: Denk einmal darüber nach, ob Du im symbolischen Sinne Dein Bett ordentlich gemacht hast. Zeig Deinen Kindern, Deinem Chef oder Deinem Partner oder Deiner Partnerin, dass Du würdig für die großen Dinge bist.

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