Was ist eigentlich bei Gold los?

Was ist eigentlich bei Gold los?
Gold hat alle seine Gewinne seit Jahresbeginn abgegeben (Goldpreis in Dollar je Feinunze)

Die Aktienmärkte klettern in immer neue Höhen. Rücksetzer, so wie am Freitag, werden schnell abgeschüttelt. Es gilt „Buy the dip“. An Gold geht jedoch – wie im Übrigen auch an Bitcoin – die gute Stimmung an den Märkten vorbei. Das Plus in diesem Jahr ist minimal und seit seinem Rekordhoch Ende Januar bei gut 5.500 Dollar hat Gold knapp 20 Prozent verloren.

Bei Aktien würde man bei so einem Verlust sagen: Wir sind im Bärenmarkt. Die euphorischen Stimmen in der Gold-Rallye der letzten Jahre, die von Debasement-Trade, einem Ende des Dollars und von Gold als Schutz vor der hohen Staatsverschuldung sprachen, klingen plötzlich weit weg.

Was sind die Gründe für die Schwäche bei Gold? Erst einmal ist es wichtig, die Verluste etwas in Relation zu setzen: Auf Sicht von zwölf Monaten ist Gold immer noch fast 30 Prozent im Plus. „Nach so einer Rekordjagd ist eine Korrektur nichts Ungewöhnliches. Bergsteiger müssen sich auf dem Weg zum Gipfel auch erst einmal akklimatisieren, bevor sie neue Höhen erreichen“, analysierte Gold-Experte und Fondsmanager Ronald-Peter Stöferle vor wenigen Tagen in einem Interview mit dem „Handelsblatt“.

Auffällig ist aber auch, dass Gold wieder deutlich stärker auf die Zinsen reagiert. Von 2022 bis 2024 stieg Gold parallel zu den Zinserhöhungen der Fed. Eigentlich fällt Gold in so einem Umfeld, weil die Opportunitätskosten steigen. Jetzt lässt sich hingegen wieder gut beobachten, wie Gold nachgibt, wenn die Aussicht auf höhere Zinsen steigt. Gerade die Privatanleger halten sich mit Käufen zurück, wie sich an den Zu- und Abflüssen in die Gold-ETFs erkennen lässt. Investoren sehen gerade attraktivere Anlageziele, vor allem im Tech-Bereich. Im vergangenen Jahr hingegen sah das noch anders aus. Da zog Gold mit seiner starken Performance frisches Geld an, was wiederum den Kurs weiter nach oben trieb.

Die aktuelle Schwächephase sollte aber nicht den Blick aufs große Ganze verdecken. Für mich normalisiert sich gerade nur etwas. Ich hatte Gold nie aus Performancegründen im Depot. Das war nur ein willkommener Mitnahmeeffekt. Die Rolle, die Gold für mich hingegen spielen soll, ist die des Stabilisators und die der Absicherung gegen die wachsenden Risiken, die sich aus der weltweit steigenden Staatsverschuldung und den geopolitischen Unsicherheiten ergeben:

  • Gold ist neutral – es kennt weder Flagge noch Ideologie und ist damit frei von geopolitischer Instrumentalisierung.
  • Gold hat kein Gegenparteirisiko – anders als jede Forderung oder jeder digitale Kontoeintrag existiert es eigenständig, ohne auf das Versprechen eines Dritten angewiesen zu sein. Gold verlangt weder Vertrauen noch Wohlwollen einer Gegenpartei. Gold verlangt nur einen sicheren Lagerort.
  • Gold ist liquide – mit einem täglichen Handelsvolumen von rund 330 Milliarden Dollar zählt es zu den liquidesten Assets der Welt.
  • Gold lässt sich nicht beliebig vermehren – der Goldbestand wächst seit Jahrzehnten stabil um rund 1,8 Prozent pro Jahr. Diese geologisch bedingte Angebotsdisziplin ist der fundamentale Unterschied zu jeder Fiat-Währung.

Von daher freue ich mich darüber, dass Gold gerade so unbeliebt ist. Mein Ziel ist es, zehn bis 20 Prozent meines Vermögens in Gold zu halten. Durch die gute Entwicklung auf dem Aktienmarkt ist dieses Verhältnis aus der Balance geraten. Der Preisrutsch gibt mir jetzt die Gelegenheit, meine Zielgewichtung mit geringeren Investitionen wiederherzustellen.

In den letzten hundert Jahren lag die Golddeckung der Geldbasis bei knapp 40 Prozent. Eine Rückkehr zu diesem Durchschnittswert würde einen Goldpreis von gut 10.000 Dollar bedeuten (schwarze Linie)

Momentan kostet mich das Performance, das weiß ich. Aber das nehme ich in Kauf. Die nächsten Jahre werden mich entschädigen. Denn die Gründe, die für Gold sprechen, werden nicht unwichtiger, sondern wichtiger. Treffend finde ich diesen Satz aus dem aktuellen „In Gold we trust“-Report: „Das Fiat-Regime, 1971/73 aus der Not geboren, stolpert seinem sechsten Lebensjahrzehnt entgegen – und zeigt jene Ermüdungserscheinungen, die jeder ungedeckten Geldordnung früher oder später zum Verhängnis werden: fiskalische Hybris, schleichender Kaufkraftverlust und ein Vertrauensverzehr, der mittlerweile auch im Mainstream nicht mehr zu übersehen ist.“

Die Autoren des Reports geben übrigens 8.900 Dollar als Kursziel für Gold bis 2030 aus. Trotz des Rücksetzers in diesem Jahr ist Gold weiterhin auf dem Pfad, um diese Prognose zu erfüllen.

Ein Preis von 8900 Dollar im Jahr 2030 würde einem jährlichen Anstieg von 14,5 Prozent entsprechen
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