Trumps neuer Plan für die Straße von Hormus
Du kennst vielleicht den Film „Guardians of the Galaxy“. So groß denkt US-Präsident Donald Trump für die Vereinigten Staaten (noch) nicht – zumindest nicht offiziell. Aber für „Guardian of the Hormuz Strait“ reicht es. Diesen neuen Titel verkündete Trump via Social Media. Zugleich erklärte er aber auch, dass die USA die Blockade der Straße von Hormus wieder aufnehmen. Kein iranisches Schiff und kein Schiff eines Verbündeten Teherans soll passieren. Für alle anderen sei die Meerenge aber offen, dafür würden die USA als die neuen Beschützer sorgen (siehe Titelgrafik).
Damit ist die Straße von Hormus geschlossen und geöffnet zugleich. Denn der Iran macht es natürlich genau andersherum. Eigene Schiffe dürfen passieren, die anderen nicht. In den Kommentaren ist bereits von „Schrödingers Straße von Hormus“ die Rede, eine Anspielung auf das Gedankenexperiment des österreichischen Physikers Erwin Schrödinger um eine Katze und ein Fläschchen Gift in einem Karton.
Die Unsicherheit um die Lage im Nahen Osten hat bereits deutliche Folgen für die Märkte. Der Ölpreis ist inzwischen wieder höher als vor der Präsentation des Rahmenabkommens.

Mit dem Anstieg wächst wieder die Inflationsangst. Die Zeichen für eine Zinsanhebung der Fed verdichten sich. Wichtige Hinweise werden heute die Inflationsdaten für Juni liefern und die Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh. Er ist zu zwei Anhörungen ins Kapitol geladen.
Zur Unsicherheit trägt auch Trumps neueste Idee bei, die er im gleichen Post verkündete: Wer den Schutz der USA in der Straße von Hormus in Anspruch nimmt, soll eine Gebühr von 20 Prozent zahlen. Es ist im Moment noch schwer zu sagen, ob es tatsächlich so kommt. Trump kündigt viel an. Aber alleine schon diesen Gedanken zu veröffentlichen, fühlt sich auf so vielen Ebenen falsch an. Zum einen: Die USA schaffen ein Problem und die anderen sollen für die Lösung des Problems zahlen. Dann: Sollte die Gebühr tatsächlich kommen, würde sie weitergegeben. Das heißt: Der Ölpreis steigt. Damit verteuert sich auch das Tanken für die US-Verbraucher weiter. Zwar importieren die USA kein Öl. Wir haben aber einen Weltmarktpreis.
Die wahre Gefahr ist aber, dass nun eine neue Zahl in der Welt ist. Der Iran war bisher relativ bescheiden mit seinen Gebühren für die Durchfahrt. Zu lesen war von einem Dollar je Barrel. Die typischen Tanker auf dieser Route haben ein Volumen von etwa zwei Millionen Barrel. Der Iran würde also knapp zwei Millionen Dollar verdienen. Das wäre bei einem Ölpreis von 80 Dollar je Barrel ein Aufschlag von 1,25 Prozent. Mit anderen Worten: Das fällt praktisch nicht ins Gewicht.
Werden USA zum Vorbild für den Iran?
Die Gebühr von 20 Prozent ist da schon etwas anderes. Die Ladung des Tankers hätte bei einem Ölpreis von 80 Dollar je Barrel einen Wert von gut 160 Millionen Dollar. Die USA würden also über ihre Gebühr knapp 32 Millionen Dollar kassieren. Das ist das 16-fache der Summe, die der Iran fordert. Der naheliegende Schritt wäre damit für mich, dass Teheran künftig auch mehr verlangt. Das Regime kann als Begründung auf die USA verweisen. Denn was der Iran macht, ist auch nichts anderes, als einen Schutzzoll zu erheben.
Eine Lösung für den Konflikt zu finden, wird damit noch einmal schwieriger. Der Streitpunkt bei den nächsten Gesprächen wird nicht mehr sein „Kontrolle über die Meerenge und geringe Gebühr“. Sondern: „Kontrolle über die Meerenge und hohe Gebühr“, wenn der Iran sich die USA wirklich zum Vorbild nehmen sollte.
Am Ende wird die Wirtschaft froh sein, wenn die Schiffe durch die Straße von Hormus gegen eine geringe Gebühr fahren dürfen. Eine solche Konstellation galt vor Trumps Post noch als inakzeptabel.