Sechs Grafiken, die mich gerade umtreiben
In den USA startet nächste Woche die Berichtssaison. Zwar präsentiert Pepsi schon am 9. Juli seine Ergebnisse fürs zweite Quartal. Der eigentliche Startschuss, auf den die Wall Street wartet, fällt dann aber in der kommenden Woche am Dienstag, den 14. Juli 2026 – an diesem Tag öffnen die großen US-Banken wie JPMorgan Chase, Citigroup und Wells Fargo ihre Bücher.
Analysten sind deutlich optimistischer als sonst. Für den S&P 500 wird ein Gewinnwachstum von über 23 % im Jahresvergleich erwartet. Sollte das eintreffen, wäre es das zweite Quartal in Folge mit einem Plus von über 20 %. Getrieben wird das vor allem durch die Sektoren Informationstechnologie und Energie, für die es zuletzt massive Aufwärtskorrekturen gab. Die Zahlen aus der Tech-Branche werden daher erneut besonders interessant sein.
Alphabet und Co. präsentieren aber erst in der zweiten Monatshälfte. Investoren werden wieder nach Zeichen suchen, ob der KI-Boom weitergeht oder ob er sich abschwächt. Da die Bewertungen am Markt aktuell sehr ambitioniert sind, ist die Fallhöhe beträchtlich. Die Investoren wollen nicht nur gute Zahlen für das abgelaufene Quartal sehen, sondern vor allem starke Prognosen für das zweite Halbjahr 2026. Jeder Hinweis auf eine schwächelnde Nachfrage oder sinkende Profitmargen könnte bei einzelnen Titeln sehr schnell zu Gewinnmitnahmen führen.
Zur Einstimmung auf die Berichtssaison hier ein paar ganz interessante Grafiken, die ich in den vergangenen Tagen gesammelt habe.

Fast 60 Prozent der Aktien im S&P 500 haben eine Kauf-Empfehlung. Das ist der höchste Stand aller Zeiten.

Die Magnificent Seven haben ihre Zeit gehabt. Halbleiter-Unternehmen sind an der Börse nun gefragt.

Natürlich ist das aktuelle Jahrzehnt noch nicht vorbei. Aber die bisherige Entwicklung ist beeindruckend. Zwei Dekaden mit zweistelligen Zuwächsen – das gab es bisher erst einmal. Beim letzten Mal folgte ein „verlorenes Jahrzehnt“ – zumindest für Aktionäre. Interessant: Auch die Jahre 1940 bis 1949 waren gut für Aktien (zumindest für amerikanische), obwohl die Hälfte dieses Jahrzehnts Krieg herrschte.

Alle reden über die Stärke der US-Wirtschaft. Aber unter der Oberfläche sieht es gar nicht so gut aus. Ohne Tech schrumpfen die Investitionen ,und auch die Importe in die USA gehen deutlich zurück. Die Einführung von Zöllen und der Versuch, sich von der Globalisierung abzuwenden, haben offensichtlich etwas damit zu tun, und die Zahlen werden durch den Versuch der Importeure verzerrt, den neuen Abgaben in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres zuvorzukommen. Dennoch sieht es weiterhin so aus, als ginge das in Rechenzentren fließende Geld zunehmend auf Kosten von allem anderen.

Dank des Halbleiter-Booms kann der südkoreanische Kospi eine beeindruckende Entwicklung vorweisen: Seit Jahresanfang legte er um knapp 86 Prozent zu. Doch der Boom wird vor allem von heimischen Privatanlegern getrieben. Normalerweise ist das ein Warnsignal dafür, dass eine Rallye heiß läuft. Ob die Privatanleger cleverer waren als die institutionellen Anleger, werden die nächsten Monate zeigen.

Den über 70-Jährigen gehört in den USA inzwischen ein Drittel des gesamten Wohlstands. Während die älteren reicher werden, fallen die jüngeren zurück. Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist das kein gutes Zeichen.