Mit Kevin wird es turbulenter

Mit Kevin wird es turbulenter

Das war sie also, die erste Sitzung nach dem Ende der Ära von Jerome Powell. Größere Überraschungen sind ausgeblieben. Die Fed beließ den Leitzins in dem Korridor von 3,5 bis 3,75 Prozent. Trotzdem war die Zusammenkunft des FOMC unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh alles andere als langweilig. Denn sie bot einen Vorgeschmack auf den neuen Stil, den Warsh bei der Notenbank einführen will.

Erste wichtige Erkenntnis: Warsh bemüht sich, nicht wie der verlängerte Arm von US-Präsident Donald Trump zu wirken. Trump hatte ja klargemacht, was er sich vom neuen Fed-Chef erwartet, nämlich Zinssenkungen. Doch davon war nicht die Rede. Im Gegenteil: Die Märkte fassten das Kommuniqué so auf, dass eine Zinserhöhung immer wahrscheinlicher wird. Indizien dafür lieferten die Streichung des „Easing Bias“, also die Andeutung weiterer Zinssenkungen, und das Betonen der Preisstabilität. Entsprechend fielen nach der Sitzung vor allem Gold und der Eurokurs gegenüber dem Dollar heftig. Auch der Nasdaq100-Index verlor.

Dazu beigetragen haben dürften auch die „Dot Plots“, also der Zinsausblick der Mitglieder des FOMC. Von den 18 Projektionen weisen inzwischen immerhin neun mindestens eine Zinserhöhung in diesem Jahr aus.

Aus meiner Sicht bot jedoch das Statement auch genügend Anhaltspunkte dafür, dass die Zinsen auf dem aktuellen Niveau bleiben. So heißt es dort: „Die Inflation bleibt im Vergleich zum 2-Prozent-Ziel des Ausschusses weiterhin hoch, was zum Teil auf Angebotsschocks zurückzuführen ist, die in bestimmten Sektoren, darunter auch im Energiesektor, zu Preisanstiegen geführt haben.“

Die Inflationsrisiken werden damit etwas relativiert. Und man darf nicht vergessen: Wenn sich die Lage am Persischen Golf weiter entspannt, wonach es gerade aussieht, dürften wir den Inflationshöhepunkt gesehen haben. So ist der Ölpreis zum Beispiel allein in den letzten sieben Tagen um fast 17 Prozent gefallen und notiert inzwischen wieder unter der Marke von 80 Dollar. Die Unterstützung für Zinsanhebungen dürfte damit bröckeln. Während ich diese Zeilen schreibe, erholen sich Gold und der Eurokurs bereits wieder.

Weniger Gerede, mehr Taten

Zweite wichtige Erkenntnis: Mit Warsh wird sich bei der Fed einiges ändern. Er hatte bereits in Interviews und bei seiner Anhörung deutlich gemacht, dass er anders als sein Vorgänger nichts von einer ausführlichen Kommunikation hält. Diesen Punkt erläuterte Warsh noch einmal auf der Pressekonferenz. Er brachte dabei ein durchaus wichtiges Argument: Warsh will unverzerrte Informationen der Finanzmärkte haben. Er will verhindern, dass die Märkte ihre Preise in Erwartung einer bestimmten Geldpolitik setzen. Denn dann riskiere man, dass man ein „selbstreferenzielles“ System aufbaue.

Die erste Konsequenz daraus war bereits im Statement zu sehen: Das Kommuniqué wurde in der Länge um etwa zwei Drittel gekürzt. Warsh enthielt sich auch bei den „Dot Plots“. Die Commerzbank erwartet sogar, dass die „Dot Plots“ zum Jahresende eingestellt werden. Auch die Zahl der Pressekonferenzen werde vermutlich reduziert. Eine neue Arbeitsgruppe soll sich in den nächsten Monaten dezidiert mit dem Thema Kommunikation beschäftigen.

Die Anleger müssen sich wahrscheinlich darauf einstellen, dass die Fed-Sitzungen künftig wieder mehr Überraschungspotenzial bieten. Das heißt, dass die Kursreaktionen durchaus heftig sein können – je nachdem, was der Markt erwartet hat.

Zinserhöhungen erwarte ich aber erst einmal nicht. Das kann durchaus noch einmal gut für die Kurse sein, wenn die Anhebungen wieder ausgepreist werden.

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