Mit drei Fragen zu besseren Entscheidungen
Ich habe eine Theorie zu Chefs: Sie verdienen nicht mehr Geld, weil sie besonders klug sind oder etwas besser können. Sie haben das Einzelbüro, weil sie bereit sind, Entscheidungen zu treffen. (Die guten Chefs stehen dann auch für falsche Entscheidungen gerade.)
Basis meiner Theorie: Die meisten von uns treffen nicht gerne Entscheidungen. Das geht schon im Restaurant los bei der Bestellung. Ich sehe mehr und mehr Gäste, die inzwischen sogar ChatGPT befragen. Sie fotografieren die Karte ab und warten dann auf die Empfehlung der KI.
Auch ich tue mich oft schwer, mich zu entscheiden. Ich finde es mühselig und anstrengend. Deshalb habe ich mir verschiedene Strategien zurechtgelegt, die mir helfen, mich zu entscheiden, bessere Entscheidungen zu treffen und wichtige von unwichtigen Entscheidungen zu unterscheiden.
Im Kern geht es um drei Fragen:
Wie folgenreich ist die Entscheidung?
Amazon-Gründer Jeff Bezos teilt Entscheidungen in zwei Kategorien ein: One-Way-Door-Entscheidungen und Two-Way-Door-Entscheidungen. In einem Podcast beschrieb Bezos den Gedanken so:
„Die meisten Entscheidungen sind Two-Way-Door-Entscheidungen. Wenn du die falsche Entscheidung triffst, ist das halb so wild: Du gehst durch eine Tür, verbringst ein wenig Zeit dahinter, und wenn es sich als Fehler entpuppt, gehst du einfach zurück und wählst eine andere. Manche Entscheidungen sind jedoch so wichtig, folgenreich und schwer umkehrbar, dass sie echten One-Way-Doors gleichen. Wenn du durch diese Tür gehst, gibt es kein Zurück. Diese Entscheidungen müssen sehr sorgfältig getroffen werden und sehr gut durchdacht sein.“
Mir hilft diese Strategie, denn sie macht klar: Du musst dir nicht über alles den Kopf zerbrechen und alles komplett bis zum Ende durchdenken. Liegst du mit deiner Entscheidung falsch, dann hat das keine schlimmen Konsequenzen. Fokussiere deine Energie auf die One-Way-Door-Entscheidungen.
Was willst du wirklich?
Mir fällt es oft schwer, eine Entscheidung zu treffen, weil es immer so viele Für und Wider gibt. Nehmen wir als simples Beispiel die Frage: Wo will ich heute Abend essen gehen? Das eine Restaurant hat eine schöne Terrasse, beim anderen ist das Essen besser, das dritte ist günstiger und so weiter. Konfrontiert mit dieser Auswahl fange ich an zu grübeln und überlege hin und her und habe am Ende doch das Gefühl, die falsche Wahl getroffen zu haben.
Was mir dann hilft, sind zwei Fragen: Was willst du wirklich? Und: Was ist dir wirklich wichtig?
Tief im Inneren weiß ich es. Und ich bin überzeugt, dass es bei dir ähnlich ist, wenn du mal in dich hinhörst. Wir alle haben eigentlich von Natur aus gute Instinkte und ein gutes Bauchgefühl. Wir ignorieren es leider oft.
Sobald ich die Antwort auf diese zwei Fragen gefunden habe, ergibt sich der Rest praktisch von selbst. Dann weiß ich, welches Restaurant ich fürs Abendessen wähle und akzeptiere bereitwillig die Konsequenzen. Ja, vielleicht ist das Essen in der Location mit der schönen Terrasse etwas teurer. Aber das nehme ich in Kauf. Denn das Wichtigste war für mich, dass ich in der Abendsonne draußen sitzen konnte. Kein Hadern, kein Bedauern. Zu seiner Entscheidung stehen.
Wovor habe ich Angst?
Im Alltag lähmt uns oft eine diffuse, ungenaue Angst vor den Konsequenzen einer Entscheidung. Wir wissen genau, dass eine Entscheidung wichtig für unsere Zukunft ist, aber wir schieben sie trotzdem monatelang vor uns her. Sei es ein Jobwechsel, eine Trennung oder der Start eines eigenen Projekts.
Mir hilft in solchen Situationen immer, mir diese diffuse Angst klar zu machen und in Worte zu fassen. Konkret geht es um zwei Fragen:
- Was ist das Schlimmste, das passieren kann, wenn ich diese Entscheidung treffe?
- Welche Schritte könnte ich unternehmen, um diesen Worst-Case zu reparieren, falls er eintritt?
Es hilft insbesondere, einen Plan B zu haben. Wenn ich sehe, dass das Worst-Case-Szenario gar nicht so schlimm oder leicht umkehrbar ist, gibt es eigentlich keinen Grund, die Entscheidung weiter hinauszuschieben. Das gilt vor allem dann, wenn ich noch eine dritte Frage hinzunehme:
- Was sind die Kosten des Nichtstuns? Wo stehe ich in 6, 12 oder 24 Monaten finanziell, emotional und körperlich, wenn ich diese Entscheidung nicht treffe?
Denn wir schauen meistens nur darauf, was passiert, wenn wir eine Entscheidung treffen. Diese Entscheidung aber immer weiter hinauszuzögern, hat auch Konsequenzen. Und die können unter Umständen gravierender oder belastender sein als das Worst-Case-Szenario, das wir uns innerlich ausmalen.
Wenn du auch Entscheidungsstrategien hast – teile sie gerne in den Kommentaren!