Jetzt nicht den Überblick verlieren

Vor der Börse liegt eine ereignisreiche Woche. Wir haben den Zinsentscheid der Fed und Quartalszahlen von Microsoft, Meta, Apple und Amazon. Hier werden sich Anleger auf ein paar turbulente Tage einstellen müssen. Aber zumindest im Iran-Konflikt hat sich die Lage wieder etwas entspannt.

Aber der Reihe nach. Fangen wir mit dem Iran an. Nach 13 Tagen kontinuierlicher Luftschläge haben die USA ihre Angriffe auf iranische Ziele vorerst eingestellt. Ohne offizielle Erklärung. Diese Deeskalation entspringt einem klaren Zwang. Das 3M-Konstrukt limitiert die Handlungsfähigkeit der amerikanischen Regierung drastisch: Märkte, Munition und Midterms. Der Ölpreis lag wieder über der Marke von 100 Dollar und steigende Benzinpreise erzeugen im Vorfeld der Wahlen massiven politischen Druck. Parallel senden die Kapitalmärkte unmissverständliche Warnsignale. Die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen haben die Schwelle von fünf Prozent durchbrochen. Sie kratzen an den Höchstständen vom Mai, die bereits damals einen amerikanischen Rückzieher erzwangen.

Der entscheidende Engpass liegt jedoch bei der militärischen Hardware. Den USA gehen nicht nur die sinnvollen strategischen Ziele aus. Die Munitionslager leeren sich rapide. Die Asymmetrie der Kriegsführung zeigt sich hier besonders deutlich. Die günstigen Drohnen werden schlicht schneller produziert als die hochkomplexe Verteidigungstechnologie. Diese Materialerschöpfung verengt den strategischen Spielraum extrem. Ein Fortführen der Kampagne ohne lohnende Ziele gleicht reiner Geldverbrennung. Das iranische Militär bestätigte am Sonntag ebenfalls die Aussetzung militärischer Antworten. Der Ölpreis rauschte folgerichtig in die Tiefe. Er liegt nun wieder bei unter 90 Dollar.

Das dürfte der Fed etwas Atempause verschaffen. Zuletzt waren die Chancen für eine Zinserhöhung deutlich gestiegen. Die Entspannung beim Ölpreis nimmt zumindest kurzfristig wieder etwas Druck aus der Inflation heraus. Aber nichts ist sicher. Eine Zinserhöhung würde die Märkte definitiv belasten.

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Womit wir zu den Quartalszahlen kommen. Die Bilanz von Alphabet aus der vergangenen Woche gab etwas die Richtung vor, was die Investoren sehen wollen. Zur Erinnerung: Der Konzern hatte phänomenale Zahlen für Umsatz und Gewinn gemeldet, die Aktie hatte dennoch massiv verloren. Den Anlegern passten die steigenden Ausgaben für KI-Rechenzentren nicht. Gerade Microsoft, Meta und Amazon könnte Ähnliches drohen. Schon seit Längerem stehen die großen Tech-Konzerne nicht mehr in der Gunst der Anleger. Die aktuelle Bewertung liegt deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.

Spannend wird hier Apple. Der Konzern investiert bisher nicht massiv in Datenzentren. Zuletzt kam diese Strategie gut an. Allein im Juli legten die Aktien um 15% zu. Seit Jahresanfang sind es sogar 23%. An der Börse liegt die Bewertung der Aktie im Gegensatz zu den Papieren der anderen Big-Tech-Konzerne deutlich über dem langjährigen Durchschnitt (siehe Grafik).

Das soll nicht heißen, dass Apple frei von Problemen ist. Die rasant steigende Nachfrage nach Speicherchips, die für KI-Berechnungen verwendet werden, hat Apple dazu veranlasst, die Preise für Produkte wie MacBooks und iPads anzuheben. Wie das bei den Kunden ankommt und was es für die Gewinnmargen bedeutet, bleibt eine offene Frage. Erste Antworten werden die Quartalszahlen liefern.

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