Inflation ja – aber wieviel?
Die Angst vor einer steigenden Inflationsrate ist ein ständiger Begleiter des Iran-Krieges. Die Furcht ist berechtigt. Um fast 40 Prozent ist der Ölpreis seit Beginn der Angriffe Ende Februar nach oben geklettert. Dazu kommen höhere Gaspreise. Anstiege drohen auch bei Düngemitteln und vielen anderen Produkten.
Die Inflationsrate für März gab am Montag einen ersten Hinweis. Sie stieg in Deutschland von 1,9 auf 2,7 Prozent, da sich Energie wegen des Iran-Kriegs massiv verteuert hat. Bisher hatte dies offensichtlich noch keinen Effekt auf andere Preise. Vielmehr lag die Kernteuerungsrate ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise unverändert bei 2,5 Prozent.

Auch wenn es bisher noch keine Anzeichen für Zweitrundeneffekte gibt, kann sich dies in den kommenden Monaten ändern, insbesondere wenn sich der Iran-Krieg fortsetzt und deshalb die Energiepreise hoch bleiben oder sogar weiter steigen. Mehr und mehr Unternehmen planen laut einer Umfrage des Ifo-Instituts bereits Preiserhöhungen: Der Indikator kletterte im März auf 25,3 Punkte, nach 20,3 Punkten im Februar. Das ist der höchste Wert seit März 2023. „Der Preisdruck in Deutschland nimmt wieder spürbar zu“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Nachdem die Energiekomponente die Inflation zuletzt gedämpft hatte, zeichnet sich nun eine Umkehr ab. „Die Unternehmen geben steigende Kosten zunehmend weiter“, so Wohlrabe. „Über höhere Produktions- und Transportkosten werden die Energiepreise auch auf Waren und Dienstleistungen durchschlagen.“
Allerdings ist das Umfeld für Preiserhöhungen nicht besonders günstig. Denn die Folgen des Iran-Kriegs zeigen sich nicht nur bei der Inflation, sondern auch beim Wirtschaftswachstum. Und hier sind die Aussichten nicht sonderlich gut. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen mit einem deutlich schwächeren Wirtschaftswachstum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im laufenden Jahr nur noch um 0,6 Prozent zulegen, wie das „Handelsblatt“ von Insidern erfuhr. Offiziell vorgestellt wird die Prognose am Mittwoch. Für 2027 erwarten die Institute nur noch ein BIP-Wachstum von etwa einem Prozent. Bei der vergangenen Gemeinschaftsprognose vor rund einem halben Jahr hatten die Institute noch ein Wachstum von 1,3 Prozent in diesem Jahr und 1,4 Prozent im nächsten Jahr prognostiziert
In einem solchen Umfeld mit schwacher Nachfrage Preiserhöhungen durchzusetzen, dürfte schwierig werden. Je nachdem, wie die EZB sich verhält, dürfte das Wachstum zusätzlich unter Druck geraten. Die Notenbanker betonen auffällig stark ihre Bereitschaft zu Zinserhöhungen, um nicht die Kontrolle über die Inflation zu verlieren. Ein solcher Schritt könnte die Situation allerdings eher verschärfen, weil die Firmen dann sowohl Gegenwind von den Energiepreisen als auch von der Geldpolitik bekommen. Der Inflationsanstieg könnte also kürzer sein als von vielen befürchtet.

Auch die Anleihenmärkte denken hier inzwischen um. In den letzten Wochen stiegen die Renditen in Erwartungen einer strafferen Geldpolitik. Inzwischen fallen sie wieder (siehe Grafik). Die Konjunktursorgen überlagern die Inflationssorgen.
Ich wäre daher vorsichtig, Vergleiche mit dem Ukraine-Krieg zu ziehen. Zwar löste hier der Energiepreis-Schock eine Inflationswelle aus. Allerdings kam hier auch noch die angestaute Nachfrage aus der Corona-Pandemie hinzu. Erst dieser Effekt führte zu den dramatischen Auswirkungen.