Alphabet, Tesla und eine neue Bedrohung

Alphabet, Tesla und eine neue Bedrohung

Es war viel los in den vergangenen 24 Stunden. Wir sahen die Veröffentlichung der Quartalszahlen von Alphabet und Tesla. Und wir sehen neue Sorgen am Ölmarkt nach der Attacke der Huthi-Rebellen auf zwei Tanker.

Alphabet investiert immer mehr

Aber der Reihe nach. Fangen wir mit den Quartalszahlen an. Da lieferte Alphabet wieder ab. Der Konzernumsatz stieg um 24 Prozent auf fast 120 Milliarden Dollar. Das Betriebsergebnis (EBIT) lag bei rund 40,8 Milliarden Dollar, ein Plus von 30,7 Prozent. Kurios: Der Gewinn betrug 112 Milliarden Dollar, übertraf also das Betriebsergebnis deutlich. Hier profitierte Alphabet massiv von der Wertsteigerung seines Investmentportfolios. Beteiligungen an Anthropic und SpaceX spülten im vergangenen Quartal Buchgewinne von fast 100 Milliarden US-Dollar in die Bilanz.

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Mehr Aufmerksamkeit erhielten allerdings die KI-Ausgaben. Zweifel scheint Alphabet hier nicht zu kennen. Der Mutterkonzern von Google schraubt die prognostizierten Investitionsausgaben für das laufende Jahr auf rekordverdächtige 200 Milliarden Dollar hoch. Bisher galten maximal 190 Milliarden als Obergrenze, Analysten hatten im Schnitt rund 186 Milliarden erwartet. Die Börse reagierte mit einem Kursabschlag von bis zu fünf Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie schlechter entwickelt als der S&P 500.

Chip-Produzenten profitierten allerdings von der Nachricht: Der koreanische Kospi kletterte um 3,5 Prozent, maßgeblich angetrieben von den Schwergewichten SK Hynix und Samsung.

Man muss allerdings Alphabet zugutehalten, dass der Konzern starke Argumente für einen weiteren Ausbau der Rechenzentren hat. Erste Erfolge bei der Monetarisierung dieser immensen KI-Ausgaben zeichnen sich ab. Der Cloud-Umsatz explodierte im abgelaufenen Quartal um 82 Prozent auf 24,77 Milliarden US-Dollar. Das Cloud-Auftragspolster, ein Indikator für künftige, vertraglich gesicherte Einnahmen, schwoll auf 514 Milliarden US-Dollar an.

Absichtlich schlechte Zahlen bei Tesla?

Tesla hingegen enttäuschte. Der bereinigte Gewinn pro Aktie verfehlte mit 33 Cent die Markterwartungen von 51 Cent deutlich. Zudem wies das Unternehmen einen negativen freien Cashflow von über einer Milliarde Dollar aus. Die Ausgaben für ehrgeizige Initiativen stiegen auf 5,8 Milliarden US-Dollar. Tesla verbrennt erstmals seit zwei Jahren wieder Barmittel. Die Marktdynamik rund um KI-Investitionen offenbart hier ihre Absurdität. Trotz des drastischen Anstiegs von Investitionen werfen Investoren dem Unternehmen vor, nicht aggressiv genug in künstliche Intelligenz zu investieren, um mit der Konkurrenz Schritt zu halten.

Seit Jahresbeginn ist die Aktie fast 17 Prozent im Minus. Die schlechten Quartalszahlen ließen die Aktie nachbörslich weiter fallen. Da die Bilanzierung immer einen gewissen Spielraum bietet, drängt sich mir ein böser Verdacht auf: Was ist, wenn Elon Musk absichtlich Tesla schlecht dastehen lässt? Schon länger gibt es das Gerücht, dass SpaceX und Tesla fusionieren könnten. Je tiefer der Kurs von Tesla fällt, desto günstiger wird es für SpaceX.

Ölpreis auf dem Weg zu 100 Dollar

Und damit zum Ölpreis. Während ich das hier schreibe, nähert er sich rasant wieder der Marke von 100 Dollar. In den letzten vier Wochen ist er um fast ein Drittel gestiegen, 15 Prozent allein seit Donnerstag. Der Markt scheint die Lage im Iran-Konflikt wieder ernster zu nehmen. Kaum ein Schiff passiert noch die Straße von Hormus und nun kommt auch noch eine neue Bedrohung hinzu: Die Huthi-Rebellen im Jemen wollen eine weitere wichtige Route blockieren. Es geht um die Meerenge am Bab-al-Mandab. Sie ist die Einfahrt ins Rote Meer und damit letztlich das Tor zum Suez-Kanal.

Saudi-Arabien hatte zuletzt einen immer größeren Teil seiner Öl-Exporte über den Hafen von Yanbu am Roten Meer abgewickelt, um die Straße von Hormus zu umgehen. In Yanbu endet die East-West-Pipeline.

Wie die Attacken auf die beiden Tanker zeigen, sind die Huthi-Rebellen mit ihrer Drohung ernst zu nehmen. Ein paar Raketen und Drohnen reichen. Und man darf nicht vergessen: Entscheidend ist am Ende nicht, ob wirklich kein Schiff mehr durchkommt. Entscheidend ist, ob Schiffe die Durchfahrt wagen und Versicherungen das Risiko absichern. Eine Unterbrechung der Schifffahrt am Bab-al-Mandab würde bis zu vier Millionen Barrel pro Tag betreffen. Der Markt ist hierfür extrem anfällig, da die strategischen Ölreserven durch monatelange Freigaben stark ausgedünnt sind.

Da schwindet die Verhandlungsmacht: Die Ölreserven in den USA (und in anderen Ländern) sind so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr

Mehr noch: Können die Schiffe den Suez-Kanal nicht mehr nutzen, müssen sie einen extrem langen Umweg ums Kap der Guten Hoffnung fahren. Auch der Warenverkehr ist damit bedroht.

Damit sind die Inflationssorgen mit voller Wucht zurück. Anleihen steigen. Noch dominiert die KI-Story die Märkte. Aber die Stimmung kann schnell umschlagen.

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