Fünf Denkfehler lassen Streitereien eskalieren

Fünf Denkfehler lassen Streitereien eskalieren

Intelligenz hilft dabei, Zusammenhänge besser zu verstehen. Dennoch gewinnt im Streit nicht automatisch derjenige, der die besseren Argumente hat. Das wäre die logische Schlussfolgerung, doch Streit verzerrt das Urteilsvermögen. Kluge Menschen sind zwar geschickter darin, die eigene Sicht zu verteidigen oder die besseren Argumente aufzuführen, dennoch sind auch sie vor folgenden Denkfehlern nicht gefeit:

  1. Streit lässt sich auf der Sachebene klären
  2. „Wenn ich nachgebe, verliere ich”
  3. „Mein Gegenüber weiß doch, was ich meine!“
  4. Zuerst die Schuldfrage klären wollen
  5. Jeder Streit sollte geklärt werden

1. Streit lässt sich auf der Sachebene klären

Ein Denkfehler intelligenter Menschen ist, dass sie glauben, Streit lasse sich auf der Sachebene mit rationaler Denkweise klären. Dabei führen sie wissenschaftliche Analysen auf, liefern fundierte Argumente und belegen ihre Meinung mit Daten und Fakten. Dennoch haben sie keine Ahnung, warum ihr Gegenüber sie nicht versteht. Sie prüfen nicht, ob sie und ihr Gegenüber auf derselben Ebene kommunizieren. 

Vereinfacht ausgedrückt: Wenn eine Partei auf der sachlichen, rationalen Ebene kommuniziert, während das Gegenüber auf der emotionalen, vielleicht sogar konfrontativen Ebene kommuniziert, werden sie einander kaum verstehen. Menschen, die jedoch auf derselben Ebene und mit ähnlichen Interessen kommunizieren, werden einander verstehen und ansonsten nachfragen.

Fragen sind eine gute Methode, um herauszufinden, worum es wirklich geht.

2. „Wenn ich nachgebe, verliere ich”

Wer so denkt, setzt Nachgeben mit Verlieren gleich – ein Irrtum. Denn Nachgeben eröffnet Möglichkeiten, die sich derjenige, der stoisch bleibt, verbaut. Nachgeben ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Verlieren tut man hingegen nur, wenn man beharrlich die eigene Position vertritt und sich weigert, die Perspektive der anderen zu verstehen.

Wer wirklich intelligent ist, muss jedoch niemandem etwas beweisen. Denn es kann ihm oder ihr egal sein, was andere über ihn oder sie denken.

Der Denkfehler liegt also darin, zu glauben, dass man etwas beweisen, verteidigen oder erklären muss. Warum sollte man das tun?

3. „Mein Gegenüber weiß doch, was ich meine!“

Dieser Irrtum hat schon zu vielen Missverständnissen und Konflikten geführt. Es sollte nämlich nicht davon ausgegangen werden, dass die eigene Botschaft für andere genauso klar ist wie für einen selbst.

Missverständnisse entstehen meist unabsichtlich, auch durch Informationen, die nicht geteilt werden. In diesem Zusammenhang wird oft der Satz „Es war doch gut gemeint!“ verwendet. Das sorgt oftmals für weitere Konflikte, denn es zeigt mangelndes Verständnis.

Eigentlich sind Missverständnisse schnell geklärt. In der Realität wird dem Gegenüber jedoch leider oftmals die Schuld gegeben, anstatt die eigene Verantwortung zu übernehmen und sich zu entschuldigen.

4. Zuerst die Schuldfrage klären wollen

Wer bei einem Problem zuerst nach der Schuld oder dem Schuldigen sucht, statt die Verantwortung für den eigenen Anteil an der Situation zu übernehmen, aktiviert weiteres Konfliktpotenzial. Damit wird aus der Frage „Was sollte jetzt getan werden?“ die Frage „Wer hat etwas falsch gemacht?“

Daran ist zu erkennen, dass die Frage oder die Suche nach der Schuld ein Ablenkungsmanöver ist, das erfahrungsgemäß in weitere Konflikte überleitet. Dadurch wird das Ursprungsproblem nach hinten gedrängt. Denn der aktuelle Streit ist bedeutungsvoller als der „alte“.

Selbstverständlich sollten alle Menschen Verantwortung für Fehler oder Konflikte tragen. Der Denkfehler besteht jedoch darin, sich in die Opferrolle zu begeben und zu glauben, dass man selbst keinen Einfluss mehr hat. Es geht nicht darum, die anderen aus ihrer Schuld zu entlassen, sondern darum, Lösungen zu finden, anstatt sich von der Schuldfrage lähmen zu lassen.

Schuldzuweisungen führen in der Regel zu:

  • Rechtfertigungen
  • Abwehr
  • Gegenangriffen

Es wäre also ein großer Denkfehler zu glauben, dass die Klärung der Schuldfrage einen Konflikt lösen kann. Tatsächlich macht sie ihn nur größer!

5. Jeder Streit sollte geklärt werden

Seit Jahren frage ich mich, woher die Vorstellung kommt, dass jeder Konflikt unbedingt geklärt werden muss. Es gibt so viele Konflikte, bei denen es überhaupt keinen Sinn ergibt, eine tragfähige Lösung zu finden – und trotzdem wird weitergestritten. Oftmals ist keine Einigung nötig, wenn gegenseitiges Verständnis den Streit ablöst.

Es gibt Themen, über die wir keine Einigung erzielen werden. Wenn der Streit jedoch weitergeht, dann versucht mindestens eine Konfliktpartei, die andere zu überzeugen. Sie versucht also, ihre Meinung über die andere zu stülpen.

Es darf unterschiedliche Meinungen geben, und das ist auch gut so. Dafür braucht es jedoch gegenseitiges Verständnis.

Streit scheitert selten an der Intelligenz der Streitparteien

Wenn unterschiedliche Standpunkte aufeinandertreffen, geraten Menschen unter Druck. Genau dort setzen die beschriebenen Denkfehler an. Es wird reagiert statt verstanden, bewertet statt zugehört und beschuldigt, anstatt durch die richtigen Fragen Verständnis zu erwirken. Wer Denkfehler vermeiden möchte, stellt Fragen und zeigt Interesse für die Sichtweise der Gegenseite.

Fazit: Wer Irrtümer bei anderen sucht, übersieht leicht die eigenen. Dabei ist die Fähigkeit, die eigene Sichtweise infrage zu stellen, wertvoller als jedes noch so intelligente Argument.

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