Drei Gewissheiten, die mir durch Trumps Iran-Chaos helfen
Und plötzlich ist wieder alles anders. Anfang der Woche sah es so aus, als würde sich die Lage an den Märkten entspannen. Auch der Iran sendete Friedenszeichen. Die Kurse stiegen deutlich. Es keimte Hoffnung. Doch eine Trump-Rede später ist alles wieder vorbei. Die Drohungen des US-Präsidenten in einer Fernsehansprache in Richtung Teheran haben die gute Stimmung jäh beendet. Wörtlich sagte Trump: „Wir werden sie in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen.“ Der Ölpreis schießt wieder in die Höhe, die Aktienkurse nehmen die andere Richtung. Inflationsschock und Rezession – plötzlich ist alles wieder offen.
Was geht in Trump vor? Warum dieses Hin und Her? Als „Dealmaker“ muss er doch wissen, dass Vertrauen unerlässlich ist, um zu einer guten Einigung zu kommen. Aber Trump hat so oft seine Meinung geändert und sich nicht an Vereinbarungen gehalten (Beispiel: Zollpolitik), dass jeder extrem vorsichtig mit Zugeständnissen geworden ist. Inzwischen ist der Iran glaubwürdiger als die USA. Teste dich einmal selbst: Wenn Trump sagt: „Wir reden“ und der Iran dementiert – wem glaubst du?
Was für ein Unterschied zum Golfkrieg von 2003. Vielleicht erinnerst du dich an Muhammad as-Sahhaf, den Informationsminister des Iraks zu dieser Zeit. Er erlangte internationale Berühmtheit durch seine täglichen Pressekonferenzen, in denen er völlig abwegige und unwahre Propaganda verbreitete. Auch als amerikanische Truppen bereits in Bagdad standen, behauptete er noch, die US-Soldaten würden „in ihren Panzercontainern Selbstmord begehen“ und es seien keine Amerikaner in der Stadt. Aufgrund seiner unglaubwürdigen Aussagen, die oft im krassen Widerspruch zur Realität standen, wurde er von westlichen Medien „Comical Ali“ (eine Anspielung auf „Chemical Ali“, Saddam Husseins Cousin Ali Hasan al-Madschid) oder „Baghdad Bob“ genannt. Die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb damals in einem Artikel: „Wie der irakische Minister Mohammed Said el-Sahhaf täglich versucht, den Sieg seines Regimes herbeizureden.“ Wer außer mir sieht noch Parallelen zu Trump?
Kein Wunder, dass die Märkte so stark schwanken. Niemand kann sich einen Reim auf Donald Trump und seine Strategie machen. In dieser Phase ist es wichtig, sich in Erinnerung zu rufen: Ich kann die Marktbewegungen nicht kontrollieren. Was ich aber kontrollieren kann, ist mein Verhalten. Deshalb hier drei wichtige Börsenlektionen, um nicht die Nerven zu verlieren:
1. Krisen sind Anpassungsprozesse
Auch wenn es gerade viele düstere Prognosen über die Folgen des Iran-Krieges für die Wirtschaft gibt – der Krieg am Persischen Golf ist nicht die erste Krise, die die Weltwirtschaft überstanden hat. Die Weltwirtschaft ist ein organisches System und eine Krise ein Schock, der das System zu einem Anpassungsprozess zwingt. Wir wissen nicht, wie es nach Ende dieses Prozesses aussieht. Wir wissen aber, dass die Firmen einen Weg finden werden, um die Wünsche ihrer Kunden zu befriedigen und die Gewinne zu steigern. Der Anpassungsprozess kann dauern, die Weltwirtschaft kann aber nicht pleitegehen. Langfristig betrachtet war jede Krise noch ein Schlagloch auf dem Weg zu neuen Rekordkursen.

2. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld
An der Börse sind höhere Renditen möglich als auf dem Sparbuch. Der Preis dafür ist allerdings das Risiko, das ich als Anleger eingehe. Ich muss mit Unsicherheit und Kursschwankungen auskommen. Über die Aktienquote in meinem Depot kann ich allerdings das Risiko steuern, das ich bereit bin einzugehen. Und mit einer breiten Streuung senke ich das Einzeltitelrisiko. Es bleibt das Marktrisiko. Und das muss ich als Anleger tragen, wenn ich die höheren Renditen der Börse will.
3. Volatilität ist gut für langfristige Anleger
Kursschwankungen werden oft als Risiko gesehen. Eine Aktie oder eine Assetklasse gilt als umso riskanter, je volatiler sie ist. Dieser Gedanke ist aber ein Irrtum. Das wahre Risiko sind nicht Kursschwankungen, sondern dass ich mein Geld nicht zur Verfügung habe, wenn ich es brauche. Deshalb sind Aktien auch nur etwas für Langfristanleger. Wenn ich das begriffen habe, ist Volatilität sogar etwas Gutes. Denn dann kann ich von der Nervosität der anderen Anleger profitieren und erhalte für meine Investments mehr Aktienanteile.