Die große Sektor-Rotation
Wie ist die Lage an den Märkten? Wo ergeben sich Chancen? Darum geht es in den Webinaren bei "Money + Mind". Beim Webinar von 7. Juli habe ich mit Maximilian Gamperling aus dem Expertenteam von "Money + Mind" gesprochen.
Hier die Aufzeichnung des Webinars sehen:
Allgemeine Marktlage und Sektor-Rotation
- Gesunde Verschnaufpause im Tech-Sektor: Obwohl Unternehmen wie Samsung Rekordgewinne verzeichnen, fallen deren Aktienkurse. Maximilian wertet dies nicht als Crash, sondern als normale Gewinnmitnahmen und eine typische Sommerpause nach den rasanten Anstiegen der letzten Monate.
- Rotation statt Kapitalflucht: Die Börsenbreite nimmt zu. Während die großen Tech-Giganten (die „Magnificent Seven“) korrigieren oder seitwärts laufen, fließt das Kapital nicht aus dem Markt ab, sondern rotiert in bisher zurückgebliebene Sektoren wie Small Caps, Industrie, Finanzen, Nahrungsmittel und Healthcare.
Chancen in spezifischen Sektoren
- Gesundheitswesen und Biotech vor dem Ausbruch: Maximilian sieht hier aktuell sehr gute Einstiegschancen für langfristige Investments. Nach einer rund fünfjährigen Seitwärtsphase – belastet durch Post-Pandemie-Effekte und politische Unsicherheiten in den USA – sind diese Unternehmen nun fundamental attraktiv bewertet und beginnen wieder zu steigen. Zudem hilft KI im Biotech-Sektor, Forschungskosten deutlich zu senken.
- Energie und Versorger: Der enorme Strom- und Infrastrukturbedarf der neuen KI-Rechenzentren treibt Industrieunternehmen (z. B. für Klimatechnik oder Verkabelung) und Versorger an. Interessanterweise schwächeln Aktien aus dem Bereich Uran und Nuklearenergie derzeit jedoch leicht, obwohl auch diese eigentlich vom Energiehunger profitieren sollten.
- Europäische Banken: Nach jahrzehntelanger Stagnation verzeichnen Banken in Europa aktuell eine sehr starke Performance und können teilweise sogar mit den Renditen von Tech-Werten mithalten.
Die KI-Infrastruktur und der Software-Sektor
- Differenzierung bei Software-Aktien: Der Markt unterscheidet stark zwischen verschiedenen Software-Anbietern. Klassische Software-Unternehmen (wie Adobe oder Intuit) werden abgestraft, da Unsicherheit herrscht, inwiefern KI deren Geschäftsmodelle ersetzen könnte. Spezialisierte Nischen-Software (z. B. für die Halbleiterentwicklung oder das Gesundheitswesen) läuft hingegen weiterhin gut.
- Parallelen zur Dotcom-Blase: Maximilian vergleicht den massiven Kapitalbedarf der Hyperscaler (wie Microsoft, Alphabet, Amazon) für den Bau von Rechenzentren mit dem Leitungsbau der späten 90er Jahre. Es werden Milliarden investiert, bevor völlig klar ist, wie sich diese Ausgaben monetarisieren lassen. Da die USA die KI-Entwicklung dominieren, fließt weltweit viel Kapital dorthin, was den US-Dollar gegenüber dem Euro stärkt.
Marktausblick
- Maximilian rechnet (auch historisch bedingt durch das Zwischenwahljahr in den USA) für den späten Sommer und Frühherbst mit einer typischen, erhöhten Volatilität.
- Sein Basisszenario bleibt jedoch positiv: Sobald im Oktober mehr Klarheit über die US-Wahlen herrscht, geht er von einer Jahresendrallye aus.
- Aktuell empfiehlt er langfristige Investments eher in den Nachzügler-Branchen (wie Healthcare), während sich der hoch bewertete Tech-Sektor derzeit eher für kurz- bis mittelfristiges Trading eigne.