Will Trump überhaupt einen schnellen Frieden?

Will Trump überhaupt einen schnellen Frieden?

Erneut hat US-Präsident Trump einen Vorschlag Teherans zur Beendigung des Krieges abgelehnt. Der Vorschlag für Friedensgespräche zur Beendigung des Krieges sei „völlig inakzeptabel“, erklärte Trump am Sonntagabend auf seiner Plattform Truth Social. Dem vorausgegangen war ein US-Vorschlag, die Kämpfe einzustellen, bevor über strittigere Themen wie das iranische Atomprogramm verhandelt wird.

Die Reaktion an den Märkten folgte prompt: Der Ölpreis stieg wieder deutlich über die Marke von 100 Dollar. Ende vergangener Woche hatte er in Erwartung einer baldigen Lösung fast zehn Dollar tiefer notiert.

Langsam glaube ich, dass Trump gar kein Interesse an einer schnellen Lösung des Konflikts hat. Natürlich leiden die USA auch unter dem gestiegenen Ölpreis. Tanken ist so teuer wie seit Jahren nicht. Aber Trumps Kalkül könnte sein, dass die USA weniger leiden als die anderen Länder. Sprich: Sie können länger durchhalten. Der KI-Boom treibt die Wirtschaft an und dank der heimischen Ölproduktion müssen die Vereinigten Staaten keine echte Knappheit fürchten. Sie können momentan sogar noch in Rekordhöhe Öl exportieren.

Die US-Ölproduktexporte sind zuletzt auf ein Rekordhoch gestiegen, allerdings nehmen die Lagerbestände deutlich ab

Für den Rest der Welt wird die Lage dagegen zunehmend kritischer. Es können echte Versorgungsengpässe drohen. „Bis Ende Juni dürften die globalen Lagerbestände auf ein Minimum reduziert worden sein, und der Preis muss deutlich steigen, damit die Nachfrage entsprechend reagiert, also sinkt“, warnt Kerstin Hottner, Leiterin Rohstoffe beim Investmenthaus Vontobel. „Auch wenn die Straße von Hormus morgen öffnen würde, dürften in den nächsten fünf bis sechs Wochen keine neuen Lieferungen aus dem Golf in Europa ankommen.“

Natasha Kaneva von JPMorgan schätzt, dass die Lagerbestände in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bereits Anfang nächsten Monats „operative Belastungsgrenzen“ erreichen könnten, sollte die Meerenge nicht wieder geöffnet werden – und bis September schließlich „operative Mindestbestände“. Dies ist der Punkt, an dem weltweit die absoluten Mindestmengen an Öl erreicht werden, die für den ordnungsgemäßen Betrieb von Pipelines, Lagertanks und Exportterminals erforderlich sind.

Die Öl-Lagerbestände weltweit fallen in Rekordgeschwindigkeit

Sehr deutliche Worte findet auch Amin Nasser, Chef von Saudi Aramco. Durch den Konflikt würden der Welt bereits eine Milliarde Barrel an Öl fehlen. „Je länger die Unterbrechung andauert, desto katastrophaler wären die Folgen für den weltweiten Ölmarkt und desto drastischer die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft“, sagte Nasser bei der Präsentation der jüngsten Geschäftszahlen. „Zwar waren wir auch in der Vergangenheit mit Unterbrechungen konfrontiert, doch dies ist bei Weitem die schwerste Krise, die die Öl- und Gasindustrie der Region je erlebt hat.“

Durch die Straße von Hormus geht fast nichts mehr. Stattdessen nutzt Saudi-Arabien verstärkt den Hafen von Yanbu am Roten Meer. So kann Saudi-Arabien immerhin ein Niveau von 60 Prozent seiner Exporte halten

Weiter sagte er: „Sollten die Handelsströme durch die Straße von Hormus noch heute oder mit sofortiger Wirkung wieder aufgenommen werden, wird es einige Monate dauern, bis der Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht findet. Sollten Handel und Schifffahrt jedoch ab heute länger als einige Wochen eingeschränkt bleiben, gehen wir davon aus, dass die Versorgungsunterbrechung fortbesteht und sich der Markt erst 2027 normalisieren wird.“

Die große Frage ist: Wo liegt der Schmerzpunkt für Trump? Wie weit ist er bereit zu gehen? Wirtschaftlich scheinen die USA erst einmal wenig befürchten zu müssen. Die echte Gefahr für Trump ist die wachsende Unbeliebtheit, die sich in einer Niederlage bei den Zwischenwahlen im November äußern könnte. Doch bis dahin dauert es noch einige Monate.

Doch auch eine Niederlage könnte einkalkuliert sein. In Foren wie Reddit wird diskutiert, dass Trump die Wahlen mit Absicht verlieren will, um dann die Demokraten zum Sündenbock machen zu können. Denn langfristig sind die USA auch nicht immun gegen die Folgen der hohen Ölpreise. Es drohen höhere Inflation und steigende Anleiherenditen. Mit den Demokraten als Sündenbock könnte Trump die Republikaner in eine bessere Ausgangslage für die nächsten Präsidentschaftswahlen bringen....

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