Das Ende des Gold-Booms hat einen Namen
Gold unter der Marke von 4000 Dollar je Feinunze – noch Anfang des Jahres schien das völlig undenkbar. Gold kletterte immer weiter nach oben, stieg bis auf 5500 Dollar die Feinunze. Doch gestern (Mittwoch) war es so weit. Beim Goldpreis steht wieder eine Drei an erster Stelle. Seit dem Rekordhoch hat Gold mehr als 27 Prozent verloren.

Investmentbanken streichen ihre Prognosen zusammen. Goldman Sachs senkte für das Schlussquartal die Prognose von 5400 Dollar auf 4900 Dollar. Die Deutsche Bank erwartet nur noch einen Preis von 4800 Dollar, über 17 Prozent weniger als bei der letzten Prognose. Auch die Schätzungen für die anderen Edelmetalle nahm die Bank nach unten.

Die Ursache für das Ende des Gold-Rauschs hat einen Namen: Kevin Warsh. Seit seiner Nominierung fällt Gold – und der Dollar steigt. „Wie Warsh den Debasement Trade versenkte“, titelte der Finanzinformationsdienst Bloomberg in einem Bericht. Zur Erinnerung: Der Debasement Trade war die treibende Kraft hinter dem Goldanstieg vor allem im Jahr 2025. Dahinter stand die Sorge, dass die westlichen Staaten – allen voran die USA – keinen Ausweg aus der steigenden Staatsverschuldung sehen, als mehr Inflation zuzulassen und ihre Währungen zu entwerten. Weiter gefasst war auch der Bedeutungsverlust des US-Dollars als Weltleitwährung Teil des Debasement Trades. Dass US-Präsident Donald Trump vom neuen Fed-Chef Zinssenkungen verlangte und lange Zeit sein Gefolgsmann Kevin Hassett als Favorit galt, befeuerte die Sorge.

Doch dann fiel die Wahl auf Warsh und seitdem redet – auch bedingt durch die Folgen des Iran-Krieges – fast niemand mehr von Zinssenkungen. Warsh hat relativ deutlich gemacht, dass Preisstabilität für ihn Priorität hat. Sollte die Fed sogar die Zinsen erhöhen – was im Moment vom Markt durchaus für möglich gehalten wird –, würde das den Goldpreis noch weiter belasten. In ihrem Negativ-Szenario gibt die Deutsche Bank 3800 Dollar als Prognose aus.
Anders als noch in den vergangenen Jahren reagiert Gold nun wieder wesentlich stärker auf die Zinsentwicklung. Gold hatte sich zuvor entkoppelt. Der Preis stieg trotz höherer Renditen entgegen einer negativen Korrelation, die sich in der Vergangenheit beobachten ließ. Eigentlich gelten höhere Zinsen als schlecht für Gold, weil die Opportunitätskosten steigen. Mit dieser Anomalie ist es nun vorbei.

Notenbanken kaufen weiter
Eine Käufergruppe hält dem Goldmarkt weiterhin die Treue: die Zentralbanken. Sie erwarben im ersten Quartal Gold im Rekordwert von rund 38,9 Milliarden Dollar. Doch selbst diese massiven Käufe können nach Ansicht der Deutschen Bank die Zurückhaltung vieler Investoren derzeit nicht vollständig auffangen. Dadurch bleibt der Goldpreis anfällig für weitere Rückschläge.
Dennoch sieht die Deutsche Bank keinen Grund, Gold langfristig abzuschreiben. Die Analysten verweisen auf die steigende Staatsverschuldung der USA, die hohe globale Schuldenlast sowie die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken. Diese Faktoren dürften den Goldpreis nach Einschätzung der Experten über die kommenden Jahre stützen und langfristig weiteres Potenzial eröffnen. Und selbst die gesenkten Prognosen der Investmentbanken bieten vom derzeitigen Niveau aus viel Aufwärtspotenzial.