Wehe, die Straße von Hormus wird zum Vorbild...
Das anhaltende Zittern im Irankonflikt findet seinen Ausdruck in einem Ölpreis, der den vierten Tag in Folge steigt und sich über 100 Dollar etabliert. Was wir gerade sehen, ist, dass sich Anleger auf einen längeren Weg zum Frieden einstellen, und das kann auch noch mit weiteren Kursverlusten bei Aktien einhergehen.
Die Schließung der Straße von Hormus war unerwartet. Die Rückkehr zum Normalzustand wird nicht einfach zu erreichen sein. Der Ölpreis könnte zunächst weiter steigen, bevor er wieder fällt. Und wenn er fällt, wird Öl wohl für Jahre teurer bleiben, als hätte es den Irankrieg nicht gegeben.
Merke Dir bitte folgende Tage vor, wenn Du bei den Webinaren mit Max, Thierry und Alan dabei sein willst:
6.5., 18 Uhr: Maximilian Gamperling
11.5., 18 Uhr: Thierry Borgeat
18.5., 17 Uhr: Alan Galecki
Die Einwahllinks werde ich rechtzeitig herumschicken.
Die OPEC‑Staaten werden mehr Einnahmen für ihre Aufrüstung benötigen und nicht an einem tiefen Ölpreis nach dem Irankonflikt interessiert sein. Es wird Jahre benötigen, um die entstandenen Kriegsschäden zu beheben. Außerdem war schon vor dem Irankonflikt absehbar, dass das Ölförderwachstum außerhalb der OPEC‑Staaten nur begrenzt sein wird. All das führt zu einer fundamentalen Verschiebung am Ölmarkt, die sich über mehrere Jahre auswirken könnte.
Was die Entwicklung auch noch gefährlich macht: Sie könnte Nachahmer finden. Sollte sich die Blockade von Schifffahrtsstraßen als neues Mittel zur Erreichung geopolitischer Ziele etablieren, könnten die Folgen für die Weltwirtschaft verheerend sein. Man darf nicht vergessen: Es ist inzwischen nicht nur der Iran, der die Straße von Hormus blockiert. Auch die USA – (einst) die wichtigste Führungsmacht des Westens - beteiligen sich daran. Glaubt man den Aussagen aus Teheran, könnten die Schiffe schon längst wieder fahren, wenn die USA hier nachgeben würden.
Es gibt viele kritische Verkehrswege ähnlich der Straße von Hormus:
1. Die Straße von Malakka
Sie ist das wichtigste Nadelöhr im asiatischen Raum und verbindet den Indischen Ozean mit dem Pazifik.
- Bedeutung: Es ist der kürzeste Seeweg zwischen den Erdölproduzenten im Nahen Osten und den riesigen Märkten in China, Japan und Südkorea.
- Volumen: Etwa ein Viertel des weltweiten Seehandels und rund 16 Millionen Barrel Öl pro Tag passieren diese nur etwa 2,8 Kilometer breite Stelle (an der engsten Stelle).
- Risiko: Neben geopolitischen Spannungen ist hier vor allem die Piraterie ein dauerhaftes Thema.
2. Der Suezkanal
Diese künstliche Wasserstraße in Ägypten verbindet das Mittelmeer mit dem Roten Meer.
- Bedeutung: Er erspart Schiffen den langen Umweg um die Südspitze Afrikas (Kap der Guten Hoffnung). Das spart etwa 7.000 bis 10.000 Kilometer Wegstrecke.
- Volumen: Etwa zwölf Prozent des Welthandels fließen hier hindurch. Die Blockade durch die "Ever Given" im Jahr 2021 hat gezeigt, wie empfindlich dieses System ist.
- Waren: Vor allem Konsumgüter, Getreide und Energieträger für Europa.
3. Der Panamakanal
Das Gegenstück zum Suezkanal in der westlichen Hemisphäre, das den Atlantik mit dem Pazifik verbindet.
- Bedeutung: Er ist die Lebensader für den Handel zwischen der US-Ostküste und Asien sowie zwischen Europa und der Westküste Amerikas.
- Besonderheit: Im Gegensatz zum Sueskanal arbeitet der Panamakanal mit einem Schleusensystem. Aktuell ist er besonders anfällig für den Klimawandel, da niedrige Wasserstände im Gatúnsee die Anzahl der täglichen Durchfahrten einschränken können.
4. Bab al-Mandab
Die "Pforte der Tränen" verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden (Indischer Ozean).
- Bedeutung: Wer zum Suezkanal will (oder von dort kommt), muss hier durch. Es ist die strategische Verbindung zwischen dem Indischen Ozean und dem Mittelmeer.
- Sicherheit: Aufgrund der geografischen Nähe zu Jemen und Somalia ist dies eine der politisch instabilsten Passagen der Welt.
5. Die Türkischen Meerengen (Bosporus und Dardanellen)
Sie teilen Istanbul und verbinden das Schwarze Meer mit der Ägäis (Mittelmeer).
- Bedeutung: Dies ist der einzige Seeweg für die Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres (u. a. Russland, Ukraine, Rumänien, Bulgarien).
- Waren: Sie sind absolut kritisch für den weltweiten Export von Getreide und russischem Öl.
6. Die Taiwanstraße (Formosastraße)
Sie verbindet das Südchinesische Meer mit dem Ostchinesischen Meer.
- Bedeutung: Sie ist die Hauptschlagader für den Handel mit China, Japan und Südkorea. Etwa die Hälfte aller Containerschiffe weltweit passiert diese Meerenge.
- Risiko: Sie ist einer der geopolitisch brisantesten Orte der Welt. Eine Blockade hier würde die Elektronik- und Chip-Lieferketten (TSMC in Taiwan) sofort zum Erliegen bringen.
7. Die Straße von Gibraltar: Das Tor zum Atlantik
Sie verbindet den Atlantischen Ozean mit dem Mittelmeer und trennt Europa (Spanien/Gibraltar) von Afrika (Marokko).
- Bedeutung: Sie ist die einzige natürliche Verbindung des Mittelmeers zum Rest der Weltmeere. Für alle Schiffe, die vom Suezkanal kommen und Richtung Amerika oder Nordeuropa wollen (und umgekehrt), ist sie absolut unverzichtbar.
- Geografische Enge: An der schmalsten Stelle ist sie nur etwa 14 Kilometer breit. Das führt zu einer extremen Verdichtung des Schiffsverkehrs.
- Volumen: Jährlich passieren etwa 100.000 Schiffe diese Meerenge. Das bedeutet, dass etwa alle 5 Minuten ein großes Handelsschiff den "Felsen von Gibraltar" passiert.
In Zeiten von Luft- und See-Drohnen braucht es nicht viel, um solche wichtigen Meerengen unpassierbar zu machen und die Schifffahrt dort zu kontrollieren. Nicht überall ist das Risiko gleichgroß. Es ist aber an der Zeit, dass sich Länder und Firmen auch auf bisher unwahrscheinlich erscheinende Ereignisse vorbereiten.