Von 87 Prozent auf null
Der Satz „Dieses Mal ist es anders“ hat sich schon viele Male als sehr teurer Irrtum für Anleger erwiesen. Doch seit einigen Jahren ist tatsächlich etwas anders: Die Märkte brechen nach einer Erholung nicht noch einmal ein. Im Jahr 2020 stellte Longview Economics in einer Studie noch fest:
„Bei fast allen Rücksetzern testen die Aktienindizes ihre Tiefststände aus der ersten Verkaufswelle erneut ... Die Historie der Börsenrücksetzer hält hierzu eine klare Botschaft bereit: Seit 1978 gab es innerhalb von Bullenmärkten 15 Korrekturen des S&P 500, bei denen der anfängliche Rücksetzer 10 % oder mehr betrug. In 13 dieser Fälle (also in 87 % der Zeit) testete der Index sein Tief erneut.“
Doch in den letzten Jahren galt dieser Zusammenhang nicht mehr. Seit der Veröffentlichung der Studie gab es fünf solcher Abverkäufe mit anschließender Erholung, und kein einziges Mal kam es zu einem Retest der Tiefststände. Die Pandemie hat die Retest-Quote gewissermaßen von 87 auf null Prozent gedrückt. Dabei gab es in dieser Zeit einige Krisen an den Märkten: die Pandemie selbst, die Krise der Silicon Valley Bank, die Auflösung der Carry Trades im Jahr 2024 und den Liberation Day. Und doch hat der Markt kein einziges Mal sein Urteil infrage gestellt, sobald die Trader erst einmal entschieden hatten, dass die Risikobereitschaft zurückgekehrt ist.