Und wenn der Iran die Straße von Hormus nicht wieder öffnet?

Und wenn der Iran die Straße von Hormus nicht wieder öffnet?
Die Straße von Hormus

US-Präsident Donald Trump ist ein Zocker. Er droht und provoziert, um an sein Ziel zu kommen. Er schreckt auch vor harten, konkreten Maßnahmen nicht zurück. Doch Trump weiß eigentlich immer, wenn er zu weit geht. An den Börsen hat sich dafür das Akronym TACO etabliert. Es steht für „Trump always chickens out“. Man könnte den Spruch übersetzen mit: „Wenn es ernst wird, macht Trump einen Rückzieher.“

Meine vorsichtig optimistische Haltung im Iran-Krieg stützt sich auch darauf. Trump kann kein Interesse an einem langen Krieg haben. Er ist unpopulär bei seinen Wählern und über steigende Benzinpreise freut sich auch in den USA niemand. In den letzten Tagen gab es erste Anzeichen für einen TACO. Trump sprach davon, dass der Krieg schon bald vorbei sei. Die Börsen stürzten sich auf die gute Nachricht, die Kurse steigen wieder. In den USA liegt der Nasdaq-Index quasi auf dem Niveau vor Ausbruch des Iran-Kriegs, der Ölpreis ist wieder ein ganzes Stück von seinem Hoch gefallen.

Doch was ist, wenn der Iran den TACO nicht essen will?

Eine große Fehlannahme könnte sein, dass alles sofort wieder beim Alten ist, wenn die Bomber nicht mehr fliegen. Vereinfacht ausgedrückt: Trump erklärt den Krieg für beendet und am nächsten Tag fahren wieder die Tanker durch die Straße von Hormus. Nur: Will der Iran das?

Die letzten Tage haben dem Regime gezeigt, wie machtvoll die Blockade ist. Theoretisch war die Gefahr immer klar, nun haben wir auch den harten Beweis. In einer Art Live-Experiment kann Teheran verfolgen, wie nach und nach alles zusammenbricht. Die ausbleibenden Lieferungen arbeiten sich sukzessive durch das globale Wirtschaftssystem.

"Der Ölmarkt ist der erste Dominostein"

Es geht nicht nur um steigende Benzinpreise. Das fundamentale Problem: Raffinerien sind auf einen kontinuierlichen Zufluss angewiesen, da ein Herunterfahren und Neustarten der chemischen Prozesse extrem kostspielig und langwierig ist. Viele Anlagen reagieren auf die Unsicherheit bereits jetzt mit vorbeugenden Produktionskürzungen. Die oft zitierten Überschusskapazitäten der OPEC verpuffen derweil wirkungslos – sie liegen auf der falschen Seite der blockierten Wasserstraße und erreichen den Weltmarkt nicht.

Neben Öl ist die Meerenge auch für Gas wichtig: Rund 20 Prozent des globalen LNG-Angebots müssen durch die Straße von Hormus verschifft werden – Pipeline-Alternativen existieren hier nicht. Für den asiatischen Raum als großen Energieimporteur ist das eine massive Bedrohung. „Der Ölmarkt ist nur der erste Dominostein. Der Markt scheint die Zweitrundeneffekte derzeit zu unterschätzen“, schreibt Stephen Kemper von der BNP Paribas in einer Analyse.

Was also wäre, wenn Trump den Krieg für beendet erklärt, das Regime aber die Straße von Hormus nicht wieder öffnet, sondern Forderungen stellt? Es steht mit dem Rücken zur Wand und hat nichts zu verlieren. Es kann aber viel gewinnen. Bisher haben die USA kein wirksames Mittel gegen die Blockade gefunden. Die Eskorte von Tankern wäre aufwendig und würde ihre eigenen Schiffe bedrohen. Auf der anderen Seite ist es für das Regime ohne viel Aufwand möglich, die Blockade aufrechtzuerhalten. Die Warnung vor Angriffen reicht, um jeden Reeder abzuschrecken. Billige Kamikaze-Drohnen in unbekannter Anzahl sorgen für die Glaubwürdigkeit der Drohung.

Am Ende könnte das Regime nicht geschwächt aus dem Krieg hervorgehen, sondern gestärkt.

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