Trumps Iran-Krieg trifft jetzt Chinas Achillesferse

Trumps Iran-Krieg trifft jetzt Chinas Achillesferse
Vor der Straße von Hormus stauen sich die Tanker; Quelle: Vesselfinder.com

Die USA sind im Krieg mit Iran. Doch die Begründungen aus Washington wirken bislang erstaunlich schwammig. Donald Trump, der lediglich zwei Videostatements und eine Handvoll Interviews zum Iran-Angriff gab, nannte mehrere Ziele: Irans Raketenprogramme zerstören, die Marine schwächen, Teherans Unterstützung regionaler Milizen stoppen und verhindern, dass das Land eine Atombombe entwickelt.

So weit, so Trump. Außenminister Marco Rubio ergänzte später ein weiteres Argument: Israel habe ohnehin kurz vor einem Angriff gestanden. Ein amerikanischer Einstieg sei notwendig gewesen, um höhere Verluste für US-Truppen zu vermeiden.

Doch diese Begründungen überzeugen viele Beobachter nicht. Selbst im US-Kongress wächst die Skepsis über Strategie, Dauer und Endziel der Operation „Epic Fury“, zu Deutsch etwa: Operation „Epische Wut“. Eine neue These macht die Runde – und rückt China in den Fokus.

Machtfaktor Öl: Energie als geopolitisches Schwert

Um den Konflikt zu verstehen, lohnt ein Blick auf eine weniger sichtbare Ebene, auf das, was nicht gesagt wird: die geopolitische Kontrolle über Energieflüsse.

Öl bleibt trotz Energiewende der wichtigste Einzelrohstoff der Weltwirtschaft. Rund 34 Prozent der globalen Energieversorgung basieren weiterhin auf Erdöl, wie aus dem Statistical Review of World Energy 2025 des „Energy Institute“ hervorgeht. Gleichzeitig passieren etwa 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls die Straße von Hormus, die derzeit blockiert ist.

Der Iran verfügt über die drittgrößten Öl- und Gasreserven

Besonders abhängig von diesen Lieferströmen ist Asien: Mehr als 55 Prozent des globalen Ölverbrauchs entfallen inzwischen auf asiatische Volkswirtschaften, allen voran China.

Der Persische Golf: Seit Jahrzehnten ein Kerngebiet der US-Sicherheitspolitik

Wer über Förderländer, Transportwege und Preise Einfluss hat, verfügt demnach über einen enormen strategischen Hebel. Oder anders gesagt: über enorme geopolitische Macht. Genau deshalb ist der Persische Golf seit Jahrzehnten ein Kerngebiet amerikanischer Sicherheitspolitik.

Die Straße von Hormus ist dabei der wichtigste maritime Engpass des globalen Energiesystems. Tanker aus Saudi-Arabien, Irak, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten müssen diese Passage passieren, um ihre Ladung in Richtung Asien und anderswo in der Welt zu transportieren.

Eine militärische Kontrolle dieser Route bedeutet daher mehr als regionale Dominanz. Sie ermöglicht zudem indirekten Einfluss auf den Energiepreis und damit auf die wirtschaftliche Stabilität vieler Staaten.

Angriff auf Iran zeigt Chinas Achillesferse

Die Lage im Nahen Osten ist daher besonders heikel für China, den größten Ölimporteur der Welt. Rund 70 Prozent seines Ölverbrauchs deckt das Land durch Importe, 2025 waren das etwa 11,6 Millionen Barrel pro Tag.

China bezieht sein Öl sowohl von klassischen Produzenten wie Russland, Saudi-Arabien oder Irak als auch aus Staaten unter westlichen Sanktionen. Offizielle Statistiken zeigen jedoch nur einen Teil dieser Lieferungen: Ein erheblicher Anteil iranischen und venezolanischen Öls wird auf See umgeladen und unter anderen Herkunftsländern – etwa Malaysia – deklariert.

Schätzungen zufolge importierte China 2025 mindestens 2,6 Millionen Barrel pro Tag sanktioniertes Rohöl, mehr als 22 Prozent seiner Gesamtimporte.

Gleichzeitig verlaufen viele dieser Lieferwege durch strategische Engstellen wie die Straße von Hormus oder die Straße von Malakka – maritime Nadelöhre, die von der US-Marine oder deren Verbündeten kontrolliert werden. In einer Eskalation könnte Washington damit theoretisch den Energiefluss nach China erheblich unter Druck setzen – ein Schritt, der sich zuletzt bereits in Venezuela andeutete.

Venezuela war der Anfang: Chinas Billig-Öl

Der Blick auf Iran allein greift zu kurz. Auch in Lateinamerika zeigt sich dieses Muster.

Anfang Januar 2026 griffen die USA militärisch in Venezuela ein. In einer Operation mit Luftangriffen auf militärische Infrastruktur wurde Präsident Nicolás Maduro von US-Spezialeinheiten festgesetzt und in die Vereinigten Staaten gebracht, wo ihm in New York der Prozess wegen „Drogenterrorismus“ gemacht werden soll.

In Caracas übernahm daraufhin Vizepräsidentin Delcy Rodríguez kommissarisch die Regierungsgeschäfte. Washington signalisierte rasch Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Im Gegenzug öffnete Caracas den Energiesektor für eine engere Kooperation mit den USA und internationalen Ölkonzernen.

Für China war und ist diese Entwicklung problematisch. Peking entwickelte sich laut der US Energy Information Administration (EIA) in den vergangenen Jahren mit rund 68 Prozent Anteil zum wichtigsten Abnehmer venezolanischer Rohölexporte. Gleichzeitig verfügt Venezuela über die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt.

Hegemonialmacht USA? Warum hohe Ölpreise Washington wenig schaden

Hinzu kommt eine strukturelle Veränderung der letzten 15 Jahre. Durch die Schieferölrevolution sind die USA vom größten Ölimporteur zum größten Ölproduzenten der Welt geworden.

Das verändert die geopolitische Rechnung: Steigende Ölpreise treffen vor allem große Importländer wie China, während die USA dank ihrer eigenen Energieproduktion deutlich weniger verwundbar sind. Gleichzeitig kontrollieren sie weiterhin zentrale Seewege des Welthandels – ein Vorteil gegenüber Rivalen.

Es geht um die Dominanz im 21. Jahrhundert

Gleichzeitig warnen Analysten etwa bei „Bloomberg“ oder der „Financial Times“ vor gegenteiligen Effekten. Ein längerer Konflikt könnte Russland als alternativen Energielieferanten für Asien stärken. Zudem könnte China seine Energieversorgung schneller diversifizieren – etwa durch Pipelines aus Russland oder einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien.

Der Angriff auf Iran ist deshalb mehr als ein militärischer Konflikt im Nahen Osten. Er berührt zentrale Fragen der globalen Machtverteilung.

Gerade deshalb könnte der Krieg weniger mit den offiziell genannten Gründen zu tun haben und mehr mit dem langfristigen Wettbewerb zwischen den Vereinigten Staaten und China um die wirtschaftliche und geopolitische Dominanz im 21. Jahrhundert.

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