Trump macht Friedensangebot - aber nimmt es der Iran an?

Trump macht Friedensangebot - aber nimmt es der Iran an?

Das ist mal eine Wendung: US-Präsident Donald Trump hat noch nicht einmal das Ende seines Ultimatums abgewartet. Stattdessen erklärte er, dass basierend auf „sehr guten und konstruktiven Gesprächen für eine Beendigung der Feindseligkeiten im Mittleren Osten“ zwischen den USA und dem Iran in den nächsten fünf Tagen keine Angriffe auf Kraftwerke und die Energieinfrastruktur des Iran erfolgen werden.

Offenbar war der Druck auf Trump jetzt doch zu hoch, wie der "Pressure Index" der Deutschen Bank anzeigt. Der Index bildet gleichgewichtet die monatliche Veränderung der Zustimmungsraten, die Inflationserwartungen auf Sicht von einem Jahr, die Wertentwicklung des S&P 500 sowie die US-Anleiherenditen ab.

Die Börsen schossen als Reaktion auf die Ankündigung direkt in die Höhe. Hier muss man aber vorsichtig sein:

  1. Es handelt sich bei der Ankündigung nicht um einen kompletten Waffenstillstand, da sich die Order nicht auf die Einstellung von Angriffen auf militärische Ziele erstreckt. Außerdem berichtete Israel kurz nach der Ankündigung, dass Angriffe auf Teheran erfolgt seien.
  2. Die Reaktionen des Iran bestätigen die optimistische Lesart des Marktes nicht. So wird ein Kontakt zu Donald Trump bestritten und betont, dass es keine Rückkehr zum „Pre-War-State“ in der Straße von Hormuz geben wird.
  3. Die Auswirkungen des Konfliktes im Mittleren Osten dürften sich auch über das Ende der Kampfhandlungen hinaus bemerkbar machen. Im Zuge des Iran-Kriegs sind laut Internationaler Energieagentur mehr als 40 Energieanlagen in neun Ländern im Nahen Osten “schwer oder sehr schwer” beschädigt worden. Es werde wegen der Schäden einige Zeit dauern, bis Ölfelder, Raffinerien und Pipelines wieder in Betrieb genommen werden können, so die IEA. Es ist folglich damit zu rechnen, dass Energiepreise auch für den Fall einer Entspannung im Nahen Osten nicht zeitnah auf das Vorkrisenniveau zurückfallen werden.

Ich habe daher meine Zweifel, dass die Märkte direkt wieder in den Rallye-Modus übergehen. Sollte der Iran-Krieg tatsächlich zeitnah enden, werden die Zweitrunden-Effekte aus Inflation, hohen Energiepreisen und die Gefahr einer strafferen Geldpolitik die nächsten Monate prägen und die Börsen beeinflussen. Für die Aktienmärkte würden also genügend Belastungsfaktoren vorhanden bleiben.

Und man sollte nicht vergessen: Die USA mögen zwar ihre Angriffe einstellen – doch gibt Teheran deshalb die Straße von Hormuz wieder frei? Ich würde nicht ausschließen, dass das Regime die Gelegenheit nutzt, um künftig eine „Durchfahrtsgebühr“ zu erheben - mit entsprechenden Folgen für Energiepreise, Wirtschaft und Inflation. Der Krieg hätte die Mullahs dann nicht geschwächt, sondern ihnen eine lukrative, neue Einnahmequelle beschert. Ich wäre daher vorsichtig, jetzt schon meine ganzen Cash-Reserven zu investieren.

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