Seltene Erden machen diese Aktie stark
China dominiert den Markt für Seltene Erden. Da Peking seine Vormachtstellung jedoch immer häufiger als Druckmittel einsetzt, wachsen die Bemühungen weltweit, nach Alternativen zu suchen. Profitieren könnte davon diese Firma.
Lynas Rare Earths (ISIN AU000000LYC6) ist ein australisches Unternehmen mit Sitz in Perth. Nach eigenen Angaben ist Lynas der weltweit einzige „bedeutende Produzent von separierten Seltenerdmaterialien außerhalb Chinas“. Der Abbau der Seltenen Erden findet in Mt. Weld in Westaustralien statt. Anschließend bringt Lynas die Rohstoffe entweder in ein Werk in Kalgoorlie (ebenfalls Australien) oder eines in Malaysia, wo sie weiterverarbeitet werden.
Lynas expandiert bei Seltenen Erden
In seinen Anfängen war Lynas noch ein auf den Goldabbau ausgerichtetes Unternehmen, schwenkte aber im neuen Jahrtausend um. Zuerst hatte es Malaysia als Standort für eine Verarbeitungsanlage ausgewählt, mehrere Jahre später folgte die Anlage in Kalgoorlie. Die Produktion von schweren Seltenen Erden begann erst im ersten Halbjahr 2025.
Aktuell stehen die Zeichen bei Lynas auf Wachstum. Im jüngsten Halbjahresbericht meldete das Unternehmen einen Nettogewinn nach Steuern von 80,2 Millionen US-Dollar. „Die Gesamtproduktion von Seltenerdmetallen erhöhte sich von 5339 Tonnen im Vorjahreszeitraum auf 6375 Tonnen“. Absatzmenge und Umsatz wuchsen ebenfalls.
Lynas ist dabei, seine Produkte zu diversifizieren, und kann sowohl Dysprosiumoxid als auch Terbium und Samariumoxid verarbeiten – letzteres erst seit März 2026. Weitere Expansionspläne stehen schon fest: 180 Millionen US-Dollar sollen nach Kuantan, Malaysia, fließen, um den Output Seltener Erden zu steigern. Das Unternehmen hat Handelsabkommen mit Japan und den USA geschlossen.

Internationaler Bedarf wächst
Was für Lynas spricht: China hat innerhalb der letzten Jahre klar gemacht, dass es seine Vormachtstellung bei der Produktion von Seltenen Erden als Waffe gegen den Westen einsetzen kann. Wiederholte Exportrestriktionen haben Seltene Erden im Westen drastisch verteuert, sodass Käufer teils extreme Aufpreise zahlen, um an Material zu kommen. Andernfalls würde die Produktion stillstehen.
Kein Wunder, dass westliche Regierungen sich verstärkt nach Handelspartnern umsehen. Wer nicht mehr so stark von China abhängig ist, kann schwerer erpresst werden. Deutschland hat zum Beispiel mit Kanada und Australien entsprechende Abkommen geschlossen. Auf europäischer Ebene sorgt der Critical Raw Materials Act für ein Rahmenwerk, das den Westen in Sachen Seltenerdversorgung von China lösen soll. Japan war etwas früher dran: Weil das Land schon vor vielen Jahren einmal Opfer dieser chinesischen Strategie war, hatte es viele Millionen in den australischen Seltenerd-Sektor gepumpt.
Aus den USA wiederum war im Herbst 2025 zu hören, dass die Trump-Regierung einen Preis-Unterboden für Seltene Erden in Erwägung zieht. Das soll chinesisches Dumping vermeiden.
Risiken bei Seltenen Erden
All das sorgt für größeres Vertrauen der Börse in Rohstoffunternehmen wie Lynas. Verglichen mit Mai 2025 steht Lynas mit 141 Prozent im Plus, die Aktie kostet 11,52 Euro. Das für 2026 erwartete Kosten-Gewinn-Verhältnis steht bei 73,08, der Umsatzerlös lag bei 556,5 Millionen Australische Dollar (341,6 Millionen Euro).
Wichtig für Anleger: Wie stark Lynas und ähnliche Rohstoffunternehmen werden, hängt davon ab, wie ernst es dem Westen damit ist, sich von China als Seltenerd-Lieferant zu lösen. Sollte China seine Exportrestriktionen schlagartig (und langfristig) lösen, könnte das dazu führen, dass einzelne Länder sich wieder nach China umschauen.
Allerdings würde das das Problem der Abhängigkeit nicht lösen – im Gegenteil.
Darüber hinaus besteht das Risiko, dass China seine Schleusen wieder weit öffnet, sobald es dem Westen gelungen ist, eigene Produktionen für Seltene Erden aufzubauen. Chinesische Dumping-Preise könnten die so frisch erstarkten Unternehmen gleich wieder schwächen. Darum müsste auch Europa eine Preis-Untergrenze in Betracht ziehen.