Nicht aufregen! Drei Schutzschilder für mehr Gelassenheit
Grübeln, Zweifeln, Wut – leider kommt es immer wieder vor, dass uns Gespräche mit Kollegen oder sogar mit Freunden und Familie aus der Fassung bringen. Sie kosten uns wertvolle Energie. Manchmal sind es auch Vorkommnisse, die uns aufregen, den Tag über beschäftigen und in uns arbeiten. Auch hier geht Energie verloren, die wir für bessere Dinge einsetzen könnten.
Ich möchte dir hier drei Schutzschilder vorstellen, die dir helfen, im Alltag und in Diskussionen entspannter zu sein. Allen drei Schutzschildern ist gemeinsam: Sie halten dir unnötige Aufregung und Stress vom Hals und können sinnlose Diskussionen schnell beenden.
1. Hanlons Schutzschild (Mein Favorit)
„Schreibe niemals der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärt werden kann.“
Der Satz soll auf Robert J. Hanlon zurückgehen. Wer dieser Robert J. Hanlon genau war, ist leider unklar. Man findet kaum Informationen über ihn oder darüber, in welchem Zusammenhang der Satz entstanden ist. Das macht diese Strategie aber nicht weniger hilfreich. Der Grundgedanke ist: Wir neigen dazu, sofort zu glauben, dass andere uns absichtlich schaden wollen, wenn etwas schiefläuft. Hanlons Schutzschild sagt: Meistens steckt dahinter kein böser Plan, sondern einfach Unfähigkeit, Unaufmerksamkeit oder ein Versehen.
Ein Beispiel: Der Chef antwortet nicht auf eine wichtige E-Mail. Man könnte ihm jetzt Boshaftigkeit unterstellen: „Er ignoriert mich absichtlich, um mir zu zeigen, wie unwichtig ich bin.“ Oder aber man versucht es mit Hanlons Schutzschild: „Er hat 200 andere Mails im Posteingang und hat meine schlicht vergessen oder übersehen.“
Warum ist Hanlons Schutzschild so wertvoll?
- Stressreduktion: Wenn du davon ausgehst, dass jemand einen Fehler gemacht hat, statt dich anzugreifen, bleibst du ruhiger. Wut auf ein Versehen verraucht schneller als Wut auf einen persönlichen Angriff.
- Bessere Kommunikation: Anstatt jemanden direkt zu beschuldigen („Was hast du gegen mich?“), fragst du eher nach („Hast du meine Nachricht vielleicht übersehen?“). Das verhindert unnötige Konflikte.
- Realismus: Echte „Bösewichte“, die den ganzen Tag Pläne schmieden, um dir zu schaden, sind extrem selten. Menschen, die Fehler machen, Dinge vergessen oder ungeschickt kommunizieren, gibt es hingegen überall.
Man sollte die Regel aber nicht naiv anwenden. Wenn jemand dich wiederholt und systematisch benachteiligt, nachdem du ihn darauf hingewiesen hast, wird aus „Dummheit“ irgendwann doch Absicht oder zumindest Gleichgültigkeit.
2. Hitchens’ Schutzschild
„Was ohne Belege behauptet werden kann, kann auch ohne Belege verworfen werden.“
Hitchens’ Schutzschild ist ein extrem hilfreich für Diskussionen und Debatten. Es wurde nach dem britisch-amerikanischen Autor und Journalisten Christopher Hitchens benannt.
Bei diesem Schutzschuld geht es um die Beweislast (Burden of Proof). In einer rationalen Diskussion liegt diese immer bei der Person, die eine Behauptung aufstellt. Stellt jemand eine Behauptung ohne Begründung auf, hilft Hitchens’ Schutzschild, sich unnötige Diskussionen zu ersparen: Ignoriere die Behauptung einfach. Was ich in solchen Fällen auch gerne mache: Ich kontere mit einer ebenso unbewiesenen Behauptung. Wenn mein Gesprächspartner keine Beweise liefert, brauche ich es auch nicht.
Warum ist dieser Schutzschild so nützlich?
- Zeitersparnis: Es verhindert, dass man Stunden damit verbringt, völlig haltlose Theorien oder Gerüchte zu widerlegen. Wenn die Grundlage fehlt, muss man gar nicht erst anfangen zu diskutieren.
- Schutz vor „Bullshit“: In Zeiten von Fake News und Verschwörungsmythen hilft es, den Fokus auf Fakten zu lenken. Wer behauptet, muss liefern.
- Klarheit: Es trennt Behauptungen (Meinungen ohne Fundament) von Argumenten (begründete Aussagen).
Die drei Schutzschilder im Vergleich

3. Ockhams Schutzschild
„Bei mehreren möglichen Erklärungen für denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.“
Das Prinzip geht auf Wilhelm von Ockham (ca. 1285–1347) zurück, einen englischen Franziskanermönch, Philosophen und Theologen. Er gilt als einer der Wegbereiter des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit. Der Gedanke hinter dem Prinzip: Ockham wollte Dinge einfach halten und nicht verkomplizieren.
Übertragen auf ein konkretes Beispiel heißt das: Wenn du Hufgeklapper hörst, solltest du an Pferde denken, nicht an Zebras oder Einhörner – solange es keinen Grund für eine kompliziertere Erklärung gibt.
Ockhams Schutzschild ist der größte Feind von Verschwörungstheorien. Diese benötigen meist hunderte von Zusatzannahmen (tausende Mitwisser, die alle schweigen; perfekte Organisation ohne Fehler etc.). Die einfachere Erklärung ist meistens: Inkompetenz, Zufall oder Einzeltäter – womit sich der Kreis zu Hanlons Schutzschild schließt.