Kein Crash, sondern eine Rotation

Kein Crash, sondern eine Rotation

Erneut gab es am Mittwoch einen heftigen Abverkauf bei Tech-Aktien. Die Investoren sind gerade gnadenlos. Die Aktien von AMD fielen zum Beispiel um 17 Prozent, nachdem der Chiphersteller bekannt geben musste, dass er seine Umsatzprognose verfehlt hat. Zu den großen Verlierern gehörten auch Palantir und Micron Technology (Singular im Firmennamen). Am Ende schloss der Nasdaq mit einem Verlust von 1,7 Prozent. Damit ist er auf Sicht von sieben Tagen bereits gut 3,3 Prozent im Minus.

Heftig sind vor allem die Verluste bei Software-Aktien. Der Sektor hat seit Jahresbeginn fast 17 Prozent verloren. Der Grund: Viel Aufmerksamkeit wurde bisher den schwindelerregenden Summen gewidmet, die in der KI-Branche im Umlauf sind, sowie den hohen Bewertungen der dort ansässigen Unternehmen. Weniger Beachtung fand hingegen die Frage, welche Firmen ihre Geschäftsmodelle durch KI bedroht sehen könnten – teils deshalb, weil es sich um eine so neue und sich rasant entwickelnde Technologie handelt, bei der noch kaum absehbar ist, wer letztlich zu den Gewinnern und wer zu den Verlierern gehören wird.

Was aber jetzt wichtig zu verstehen ist: Wir sehen keinen Markt-Crash. Die Verluste in den breiten Indizes sind überschaubar. So verlor der S&P 500 am Mittwoch nur knapp 0,5 Prozent. Es setzt sich vielmehr fort – vielleicht etwas heftiger –, was ich schon vor einigen Tagen in einem Post beschrieben habe: Wir sehen gerade eine Rotation in vielen Segmenten und eben auch hier: weg von Growth-Aktien hin zu Value-Titeln. Die hohe Bewertung vieler Tech-Titel macht Investments zunehmend unattraktiv. Dazu kommt: Einfach nur Milliarden in neue Rechenzentren zu stecken, reicht nicht mehr für Kursgewinne und Lob von der Börse. Die Investoren wollen bei den KI-Aktien jetzt auch Ergebnisse sehen.

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Ich empfehle zur Vertiefung auch folgendes Video mit Thierry Borgeat aus dem "Money + Mind"-Expertenteam: "Die Zeit der Magnificent Seven endet - hier warten auf Anleger neue Chancen"

Anschaulich wird die Rotation von Growth zu Value, wenn man zum Beispiel die Performance des S&P 500 – wo die Titel nach ihrem Börsenwert gewichtet sind und entsprechend das Tech-Segment nach dem Boom der letzten Jahre dominiert – mit dem S&P 500 Equal Weight vergleicht. Hier haben alle Aktien die gleiche Gewichtung. Seit Jahresanfang hat der Equal Weight deutlich besser performt (siehe Grafik). Deutlich zu sehen, wie die Turbulenzen der letzten Tage an ihm abprallten und er sogar zulegen konnte. Die Trendumkehr startete aber bereits im vergangenen Jahr.

Auch dieser Vergleich für den Russell 2000 zeigt, wie sich die Vorlieben der Investoren gerade ändern.

Value läuft seit einigen Monaten besser als Growth

Das Gesicht dieser neuen Marktphase ist Walmart. Die Supermarkt-Kette ist mit der Bewertung nun auch in die Billionen-Liga.

Es gibt also keinen Grund, jetzt in Panik zu verfallen. Das ist nicht der Absturz, vor dem seit Jahren gewarnt wird. Das Umfeld wandelt sich nur. Aber: In einem solchen Umfeld, in dem die Risiken höher und Ergebnisse schwerer vorhersehbar sind, ist eine Diversifikation über Sektoren und Regionen wichtiger denn je. Sie ist der Schlüssel zum Management von Marktrisiken und zur Steigerung langfristiger Renditen.

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