Investieren in Rohstoffe? Denk lieber noch mal nach!

Investieren in Rohstoffe? Denk lieber noch mal nach!

Der Ölpreis hat seit Jahresanfang fast 15 Prozent zugelegt und rangiert jetzt bei knapp 70 Dollar. Auch die Aktienkurse der großen Öl-Konzerne gingen in dieser Zeit deutlich nach oben.

  • Exxon: +21 Prozent
  • Chevron: +18,2 Prozent
  • TotalEnergies: +20,1 Prozent
  • Shell: +8,9 Prozent

Ist jetzt die Gelegenheit zum Einstieg gekommen oder um die Positionen aufzustocken?

Über diese Frage diskutierten Maximilian Gamperling aus dem „Money + Mind“-Expertenteam und ich im Money-Call am Mittwoch. Max hatte dabei einige ganz interessante Argumente, warum Anleger bei Investitionen in Rohstoffen eher vorsichtig sein sollten.

Neues von der "wichtigste Aktie der Welt": Nvidia gab am Mittwoch seine Geschäftszahlen bekannt. Was CEO Jensen Huang vermeldete und wie die Märkte darauf reagierten, kannst Du hier lesen.

Er sieht Öl- und andere Rohstoff-Aktien (mit Ausnahme von Edelmetallen wie Gold und Silber) nicht als sinnvolle langfristige Komponente in einem diversifizierten Depot. Hier kannst Du Dir die Passage ansehen.

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Max‘ Skepsis stützt sich auf folgende Hauptargumente:

  • Zyklischer Charakter und Angebotssteuerung: Rohstoffe bewegen sich meist nur innerhalb eines gewissen Preisfensters auf und ab. Sobald die Preise stark steigen, wird es für die Industrie sofort lukrativer, die Fördermengen zu erhöhen, neue Minen aufzubauen oder Recycling zu betreiben. Dieses erhöhte Angebot sorgt dann regelmäßig dafür, dass die Preise wieder deutlich nach unten schwingen.
  • Mangelnde langfristige Rendite und Inflation: Betrachtet man den Ölpreis über die letzten 20 Jahre, stellt man fest, dass er per Saldo kaum vorangekommen ist. Berücksichtigt man zusätzlich die Inflation, bedeuten Investitionen in den reinen Rohstoff langfristig oft eher einen Verlust und gleichen einer "Geldvernichtung".
  • Extreme Volatilität und mentale Belastung: Die Aktien von Öl- und Rohstoffunternehmen sind unheimlich volatil. Auf extreme Anstiege folgen oft lange und ausgeprägte Seitwärts- oder Korrekturphasen, die für Anleger mental schwer auszuhalten sind. Am Beispiel von British Petroleum (BP) verdeutlicht Max, dass die Aktie über mehr als 25 Jahre im Grunde nur seitwärts geschwankt ist. Solche Werte eignen sich laut ihm nicht für Anleger, die mit Blick auf ihr Depot ruhig schlafen möchten.
  • Starker politischer Einfluss: Der Ölpreis ist ein massiver Hebel für die Inflation. Sobald er ein bestimmtes Niveau übersteigt, wird er umgehend zu einem hochpolitischen Thema. Der Markt ist daher sehr elastisch und unterliegt ständigen politischen Eingriffen und Diskussionen.
  • Technische Nachteile bei Fonds-Lösungen: Wenn Anleger versuchen, über Rohstoff- oder Öl-ETFs zu investieren, stoßen sie auf technische Hürden. Diese Produkte bedienen sich sogenannten Futures, wodurch laufende Rollkosten entstehen. Diese Kostenstruktur macht sie für einen langfristigen Anlagehorizont ungeeignet.

Zusammenfassend rät Max davon ab, diese Werte als strategische Dauerinvestments zu betrachten. Sie eignen sich aus seiner Sicht höchstens als taktischer, vorübergehender Trade in zyklischen Phasen oder für Anleger, die extrem starke Nerven haben und sich rein auf das Kassieren der Dividende konzentrieren, während sie den Aktienkurs komplett ignorieren.

Allerdings stellte Max im Call eine Aktie aus dem Öl-Segment vor, die er durchaus interessant findet. Denn sie verfolgt ein etwas anderes Geschäftsmodell und blickt auf eine beeindruckende Kursentwicklung zurück.