Im Iran-Krieg geht es jetzt um drei M: Munitionen, Märkte, Midterms
Was als moderate Reaktion an den Börsen begann, hat sich inzwischen zu einer Panik ausgeweitet. Die Kurse fallen massiv. Die Hoffnung ist verschwunden, dass der Iran-Krieg schnell endet. Stattdessen werden die schlimmsten Befürchtungen war: Die Straße von Hormus ist unpassierbar, der Ölpreis schießt in die Höhe. Mittlerweile hat er sogar die Marke von 100 Dollar je Barrel passiert.
Auslöser für den Kursrutsch sind nicht nur die Sorgen um die Konjunktur. Der Markt preist zunehmend weniger Zinssenkungen und eine anhaltend hohe Inflation ein. Zinsen von Staatsanleihen – eigentlich ein sicherer Hafen in Krisenzeiten – sind zuletzt gestiegen, und auch Gold leidet unter der Befürchtung steigender Zinsen und eines starken Dollars.

Wie es weitergeht, hängt jetzt massiv von drei Faktoren ab – den „3M“: Munition, Märkte und Mid-Terms. Diese setzen vor allem US-Präsident Trump unter Zugzwang, der den Konflikt letztlich beenden könnte und auch müsste.
Munition (Raketen & Drohnen): Die Abwehr der iranischen asymmetrischen Kriegsführung ist extrem teuer. Der Engpass liegt weniger bei den USA selbst, sondern bei den Beständen der regionalen Alliierten. Sollten die USA Vorräte aus Asien oder Europa in den Nahen Osten verlegen, riskieren sie, ihre Flanken gegenüber Russland oder China zu entblößen. Die Zeit arbeitet hier für den Iran.
Märkte: Bis letzten Freitag war die Reaktion besonnen, doch mit Ölpreisen jenseits der 100-Dollar-Marke ändert sich das rasant. Zinsmärkte preisen Fed-Zinssenkungen aus, langfristige Zinsen steigen und auch Aktien geraten massiv unter Druck.
Mid-Terms (US-Wahlen): Trumps Umfragewerte sind bereits am Boden. Die steigenden Energiekosten belasten die US-Haushalte enorm. Auch in den USA sind die Benzinpreise in die Höhe geschossen (siehe Grafik). Ohne ein rasches Ende des Konflikts und sinkende Preise droht der GOP bei den Mid-Terms und der Präsidentschaftswahl 2028 ein regelrechter „Blue Sweep“.

Zusammengenommen diktieren die 3M eine baldige Deeskalation – idealerweise innerhalb von Tagen. Da Trump seine Ziele im Nahen Osten nie hochgradig präzise definiert hat, könnte er flexibel einen Sieg ausrufen und dem Iran einen Deal (einen „TACO“) anbieten. Das iranische Regime könnte jedoch vorerst weiter Stärke demonstrieren wollen, um eine glaubhafte Abschreckung aufrechtzuerhalten.

Die entscheidende Frage für Aktienanleger bleibt daher: Erzwingen die 3M eine Lösung, bevor die hohen Ölpreise strukturelle Schäden in der Wirtschaft anrichten oder die Ölinfrastruktur der Region ernsthaft zerstört wird?
Auch wenn es gerade an der Börse turbulent ist: Panik ist jetzt ein schlechter Ratgeber. Ich denke nicht überhaupt nicht ans Verkaufen, sondern sondiere den Markt nach Kaufgelegenheiten. Gerade Finanzwerte können spannend sein, da sie wenig unter den Folgen eines hohes Ölpreises leiden und steigende Zinsen tendenziell gut fürs Ergebnis sind.