Ein ETF für die Renaissance der Kernenergie

Ein ETF für die Renaissance der Kernenergie
Quelle: Getty

Die aktuelle Lage im Nahen Osten – insbesondere der Konflikt im Iran und die Blockade der Straße von Hormus – hat die Märkte erschüttert. Die Krise hat die Verwundbarkeit durch Importabhängigkeiten bei fossilen Brennstoffen verdeutlicht. Atomkraft wird daher wieder verstärkt als Mittel zur nationalen Energiesouveränität diskutiert.

Aber auch schon vor hatte das Interesse an Kernenergie stark zugenommen. KI-Rechenzentren benötigen eine absolut stabile Grundlast rund um die Uhr, die allein durch Sonne und Wind (ohne gigantische Speicherlösungen) oft nicht gedeckt werden kann. Unternehmen wie Google, Oracle und OpenAI investieren daher Milliarden in Energie-Infrastruktur und sehen Kernkraft als unverzichtbare Komponente für eine CO2-freie Stromversorgung ihrer Rechenzentren.

Zugleich wird Kernkraft oft als notwendiger Partner für erneuerbare Energien gesehen, um Schwankungen im Netz auszugleichen und eine stabile Stromversorgung zu garantieren.

Spannend sind dabei insbesondere Small Modular Reactors (SMR). Diese Technologie befindet sich noch in der Entwicklungsphase, gewinnt jedoch an Aufmerksamkeit. SMRs werden in Fabriken produziert und können vielfach repliziert werden, wodurch die Kosten beim Bau gesenkt werden.

Wer von den Chancen des Atomkraft-Comebacks profitieren möchte, hat seit kurzem die Möglichkeit, in einen neuen Themen-ETF zu investieren.

Der Nuclear Renaissance-ETF (ISIN IE0006WPPA00) bietet Anlegern Zugang zu Unternehmen entlang der nuklearen Wertschöpfungskette. Der Fonds konzentriert sich auf den Wandel der globalen Energielandschaft und sieht die Kernenergie als zentralen Baustein zukünftiger Stromsysteme.

Der ETF investiert aktuell in 46 Unternehmen und ist breit über mehrere Branchen diversifiziert. Den größten Anteil stellt der Industriesektor mit 45,4 Prozent, gefolgt von Versorgern mit 32,7 Prozent und dem Materialsektor mit 15,3 Prozent. Kleinere Positionen entfallen auf Technologie (2,4 Prozent) und Energie (2,1 Prozent). Die Kosten liegen bei 0,85 Prozent (TER)

In welche Unternehmen investiert der ETF?

Zu den größten Unternehmen im Nuclear Renaissance-ETF zählen unter anderem:

  • Cameco Corp (9,75 % Gewichtung): Das kanadische Unternehmen ist mit Abstand die größte Position in dem ETF. Es ist einer der weltweit größten börsennotierten Uranproduzenten. Cameco baut Uran ab und verarbeitet es zu fertigem Brennstoff, der von Kernkraftwerken weltweit benötigt wird.
  • GE Vernova (3,86 % Gewichtung): Dies ist die ehemalige, inzwischen eigenständige Energiesparte des US-Konzerns General Electric. Das Unternehmen ist ein führender Entwickler von Kraftwerkstechnik und forscht intensiv an fortschrittlichen Reaktoren, insbesondere an den sogenannten „Small Modular Reactors“ (SMRs), die als Zukunft der Kernkraft gelten.
  • Endesa SA (3,05 % Gewichtung): Einer der größten Energieversorger in Spanien. Endesa ist stark in der Stromproduktion engagiert und betreibt in Spanien mehrere große, kommerzielle Kernkraftwerke, die zur Grundlastversorgung des Landes beitragen.
  • Talen Energy (3,01 % Gewichtung): Ein unabhängiger US-amerikanischer Stromproduzent. Das Kernstück des Unternehmens ist das Kernkraftwerk Susquehanna in Pennsylvania. Talen Energy ist besonders interessant, da es seinen emissionsfreien Atomstrom in jüngster Zeit direkt an riesige, stromhungrige Rechenzentren (unter anderem von Amazon) verkauft, die für Künstliche Intelligenz genutzt werden.
  • Fortum OYJ (2,83 % Gewichtung): Ein großer Energiekonzern aus Finnland. Fortum ist ein wichtiger Betreiber von Kernkraftwerken in Skandinavien (wie dem Kraftwerk Loviisa) und entwickelt aktiv neue Strategien, um die Kernenergie für den steigenden Strombedarf in der Region auszubauen.

Welche Ziele verfolgt der ETF?

Der Nuclear Renaissance-ETF verfolgt drei große Ziele:

  1. Er setzt darauf, dass Kernenergie weltweit wieder an Bedeutung gewinnt – vor allem als CO₂-arme und zuverlässige Energiequelle im Zuge der Energiewende.
  2. Investiert wird nicht nur in Kraftwerksbetreiber, sondern in Unternehmen entlang der gesamten nuklearen Wertschöpfungskette.
  3. Der ETF profitiert von globalen Trends wie künstliche Intelligenz (hoher Energiebedarf), Elektrifizierung (z. B. E-Mobilität) und dem Bestreben nach Unabhängigkeit in bei der Energieversorgung.

Einordnung

Themen-ETFs wie auch der Nuclear Renaissance-ETF sind grundsätzlich immer ein etwas schwieriges Thema. Das Narrativ dahinter wirkt stets überzeugend, allerdings ist meist am Anfang eines neues Trends nicht ganz klar, ob es sich nicht bloß um ein Hype-Thema handelt und ob die im Themen-ETF abgebildeten Unternehmen tatsächlich die großen Gewinner sein werden. Oftmals kommen Themen-ETF auch erst auf den Markt, wenn die Euphorie wieder nachlässt. Bei vielen dieser Anlageprodukte ist die längerfristige Performance daher durchwachsen.

Wer allerdings Themen-ETFs als Beimischung sieht, um von aktuellen Trends zu profitieren, hat die Chance auf attraktive Renditen. Statt sich die besten Einzelaktien herauszusuchen, kauft er einfach den gesamten Sektor. Allerdings muss man die Performance enger verfolgen und auch bereit sein, zu verkaufen, wenn die Stimmung kippt.

Da der Nuclear Renaissance-ETF erst seit kurzem auf dem Markt ist, ist die bisherige Performance wenig aussagekräftig. Die Einzelaktien des ETFs haben allerdings schon stark zugelegt, Cameo zum Beispiel um über 150 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten, GE Vernova sogar mehr als 180 Prozent. Vieles ist also schon eingepreist.

Ich glaube aber, dass die strukturellen Veränderungen bei der Energieversorgung durch den Iran-Krieg das Interesse an Atomkraft noch einmal verstärken dürften und es daher noch Chancen gibt. Insbesondere SMRs bieten großes Potenzial, es dürfte aber noch eine Weile dauern, bis sie tatsächlich kommerziell genutzt werden können. Ich sehe daher den ETF als interessante Beimischung.

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