EZB vor Zinserhöhung: Die falsche Antwort auf den Iran-Schock
Von der großen Hoffnung auf den Wirtschaftsaufschwung ist nichts geblieben. Angeschoben durch Milliarden aus den Sondervermögen sollte die deutsche Konjunktur in diesem Jahr endlich wieder anziehen.
Doch nun werden die Prognosen reihenweise gesenkt. Der Energiepreis-Schock durch den Iran-Krieg hat alles geändert. So halbierte das DIW am Mittwoch seine Wachstumserwartungen für dieses Jahr auf 0,5 Prozent. Fürs zweite und dritte Quartal gehen die Experten sogar von einem Minus aus. Damit wäre Deutschland in der Rezession.
Wirtschaft in der Krise
In der Eurozone sieht die Lage nicht viel besser aus. Im ersten Quartal schrumpfte die Wirtschaft gegenüber dem Vorquartal. Fürs Gesamtjahr haben sich die Erwartungen ebenfalls deutlich verschlechtert. Die Deutsche Bank etwa reduzierte ihre Prognose aus dem November von 1,1 auf nur noch 0,5 Prozent.
In dieser kritischen Wirtschaftslage will die EZB bei ihrer heutigen Sitzung die Zinsen von 2 auf 2,25 Prozent erhöhen (Einlagenzins) bzw. 2,15 auf 2,3 Prozent (Hauptrefinanzierungssatz). Die Signale dafür waren im Vorfeld eindeutig.
Der Iran-Krieg drückt die Wirtschaftsaussichten nach unten. Bei der Inflation bewirkt er das Gegenteil. Der gestiegene Ölpreis treibt die Teuerung. In der Eurozone lag das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei 3,2 Prozent. In Deutschland waren es 2,6 Prozent. Der staatliche Tankrabatt verhinderte einen stärkeren Anstieg.
Mit der Zinserhöhung will die EZB verhindern, dass die Inflation weiter steigt. Allein: Die Chancen dafür sind gering und die Folgen für die Wirtschaft schwerwiegend.
Höhere Zinsen wirken auf die Inflation, indem sie Kredite verteuern und Sparen attraktiver machen. Es wird weniger investiert, mehr Geld fließt aufs Konto und nicht in den Konsum. Die Nachfrage sinkt. Preiserhöhungen werden damit für Unternehmen schwieriger. Die Inflation geht zurück.
Übertriebene Angst
Nur: Im aktuellen Umfeld ist die Nachfrage ohnehin schon schwach, wie die Konjunkturdaten zeigen. Die Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern ist im Keller (siehe Grafik). Preiserhöhungen, um Zusatzkosten weiterzugeben, sind damit schwierig und auch höhere Löhne lassen sich für die Beschäftigten kaum durchsetzen. Das Risiko für ausgeprägte Zweitrundeneffekte ist daher nicht allzu ausgeprägt. Die schwache Nachfrage wird die mittelfristigen Inflationsgefahren auch ohne höhere Zinsen hinreichend eingrenzen. In diesem Umfeld die Zinsen zu erhöhen, belastet noch das letzte bisschen Wirtschaftskraft, was da ist.

Das Fatale: Im Gegenzug können wir noch nicht einmal auf einen Rückgang der Inflation hoffen. Denn den Ölpreis als Haupttreiber kann die EZB mit ihrer Geldpolitik nicht beeinflussen. Er wird in der Straße von Hormus entschieden. Was in Frankfurt geschieht, ist nebensächlich.
Es bleibt daher der Eindruck, dass die EZB vor allem die Zinsen erhöht, um zu zeigen, dass sie handlungsbereit ist. Für ihr Zögern beim letzten Energiepreisschock nach Ausbruch des Ukraine-Krieges wurde sie stark kritisiert. Nun will sie Tatkraft zeigen, um ihre Glaubwürdigkeit nicht weiter zu gefährden. Allein: Ein neuer Fehler macht einen alten nicht ungeschehen.