Der Markt ist am Kipp-Punkt
Vielleicht wird man eines Tages sagen: Das war der Moment, der den Iran-Krieg in ein Vorher und Nachher unterteilt hat. Ich spreche von der Attacke auf das iranische Gasfeld South Pars. Der Krieg hat mit dem Angriff eine neue Eskalationsstufe erreicht. Schon kurze Zeit später drohte Teheran damit, die Öl- und Gasinfrastruktur in den Nachbarländern ins Visier zu nehmen. Genannt wurden sogar konkrete Ziele: die saudische Samref-Raffinerie, den petrochemischen Komplex in al-Dschubail, das Al-Hasan-Gasfeld in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie petrochemische Anlagen und eine Raffinerie in Katar. Es dauerte nicht lange, bis LNG-Anlagen in der Industriestadt Ras Laffan in Katar in Flammen standen.
Jeder Angriff auf kritische Energieinfrastruktur nimmt dem Markt die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zu alten Produktionsniveaus, sollte der Krieg einmal enden. Wie ich gestern schrieb, geht die Börse bisher von einer schnellen Lösung aus. Wird jetzt die Energieinfrastruktur zum Ziel von Drohnen und Raketen, sinkt die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario deutlich. Die Grafik zeigt gut, wie sich die Ein-Monats-Erwartungen und vor allem auch die Drei-Monats-Erwartungen an den Ölpreis geändert haben.