Die Märkte folgen dem „Pandemie-Playbook“

Die Märkte folgen dem „Pandemie-Playbook“

Es ist wirklich bemerkenswert, wie gut sich die Börsen angesichts der Unsicherheit des Iran-Kriegs halten. Zu lesen ist von „der schlimmsten Ölkrise der Geschichte“ und die Märkte sind doch relativ entspannt. Die bisherigen Verluste halten sich im Rahmen. Der Nasdaq-Index zum Beispiel hat auf Monatssicht gerade mal 0,5 Prozent verloren. Beim S&P 500 und dem Dax ist das Minus zwar etwas größer. Aber das sind keine Verluste, die völlig aus dem Rahmen fallen. Tatsächlich hat der S&P seit 2009 bereits 32-mal mehr als fünf Prozent verloren. So hoch ist das Minus seit dem Januar-Höchststand.

Der Grund für die relative Ruhe: Die Märkte schauen durch die Unsicherheit hindurch. Wir beobachten derzeit eine Marktreaktion, die stark an die frühen Tage der Pandemie erinnert. Obwohl konkrete Details fehlen – es gibt noch keine Deals und noch keine weiteren Freigaben von strategischen Reserven –, preisen die Aktienmärkte bereits eine Lösung des Iran-Konflikts ein. Diese vorausschauende Natur der Märkte basiert auf der Annahme, dass ein Problem dieser Größenordnung gelöst werden muss.

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Wer will, sieht immer wieder Anzeichen für Hoffnung. Da sind die wiederholten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, dass der Krieg „bald“ bzw. „sehr bald“ vorbei sein werde. Da sind die Meldungen, dass Schiffen immer wieder die Passage durch die Straße von Hormus gelingt. Zuletzt gelang es mit Erlaubnis der iranischen Behörden dem pakistanischen Öltanker „Karachi“. Es sieht danach aus, als wäre der Iran durchaus gesprächsbereit und unterscheidet zwischen Tankern befreundeter Staaten und denen verfeindeter.

Für ein bisschen Entspannung am Ölmarkt sorgt auch, dass sich der Transport auf Ausweichrouten verlagert. Zahlreiche Reeder lassen ihre Schiffe nun zum saudi-arabischen Terminal Yanbu am Roten Meer steuern. Dort endet die Ost-West-Rohölpipeline quer über die Arabische Halbinsel. Saudi Aramco hat die Pipeline im März 2026 auf volle Kapazität hochgefahren, um den Ausfall der östlichen Exportterminals wie Ras Tanura zu kompensieren, die teilweise durch Drohnenangriffe beschädigt wurden. Zwar reicht die Kapazität der Pipeline nicht aus, um die Lieferungen durch die Straße von Hormus zu ersetzen, aber sie federt die Folgen etwas ab.

Entsprechend wurden die Gewinnschätzungen für die Unternehmen bisher kaum angepasst. Die Analysten gehen weiterhin von einem soliden Wachstum aus.

Doch diese Wette ist riskant. Die fortgesetzte Schließung der Straße von Hormus ist der Status quo, und mit jedem weiteren Tag erhöhen sich die Risiken von negativen Effekten auf die Wirtschaft. Wenn die Zeit verstreicht und die zwingend notwendige Lösung entweder gar nicht kommt oder geopolitische Kompromisse erfordert, die dem Markt missfallen, ist ein böses Erwachen unausweichlich.

Man darf nicht vergessen: Die Märkte sind nach wie vor sehr hoch bewertet. Mit einem KGV von 26 liegt der S&P 500 knapp 40 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt. Entsprechend groß ist das Rückschlagpotenzial, wenn sich die Stimmung ändert.

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