Der KI-Boom verdrängt alle Iran-Sorgen

Der KI-Boom verdrängt alle Iran-Sorgen

An der Wall Street steht die wichtigste Woche der Berichtssaison bevor. Rund die Hälfte der S&P-500-Unternehmen sowie fünf der „Glorreichen Sieben“ legen in dieser Woche ihre Zahlen vor. Anleger hoffen, dass die Zahlen weiterhin hohe Investitionen in KI-Datenzentren zeigen und damit die starken Kursgewinne bei KI-Aktien in den vergangenen Wochen rechtfertigen. Der Philadelphia Stock Exchange Semiconductors Index (SOX) hat in den vergangenen 18 Tagen fast 50 Prozent zugelegt.

Auch die Gewinnerwartungen sind in die Höhe geschossen:

Die bisherige Berichtssaison fällt durchaus positiv aus – zumindest für US-Unternehmen. Sie liegen insgesamt bislang häufiger über den Erwartungen als die europäischen. Die Anleger hoffen, dass die US-Wirtschaft hohe Energiepreise und Lieferkettenprobleme besser verkraftet als die europäische.

Wichtige Frühindikatoren sprechen hier eine klare Sprache: Im Ifo-Index gab es zuletzt einen deutlichen Rücksetzer. Das Geschäftsklima fiel um 1,9 Punkte auf 84,4 Punkte. Dies ist der niedrigste Wert seit Mai 2020. Die Vorabschätzungen der Einkaufsmanagerindizes für die US-Wirtschaft signalisierten weiterhin einen robusten konjunkturellen Ausblick: Im Verarbeitenden Gewerbe erhöhte sich der Index auf 54,0 Punkte und erreichte damit ein 47-Monatshoch, während sich der Dienstleistungs-PMI von 49,8 auf 51,3 Punkte verbesserte und damit wieder in den Expansionsbereich zurückkehrte.

Spannend finde ich in diesem Zusammenhang diese Grafik: Während in Europa Angst vor Kerosinmangel herrscht, exportieren die USA so viel wie seit Jahren nicht. Das Beispiel zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich die Belastungen verteilt sind.

Die Nettoexporte von Kerosin der USA sind so hoch wie lange nicht

Was die Geschäftszahlen betrifft, könnte es vor allem rund um den Donnerstag, wenn Microsoft, Alphabet, Meta und Amazon Zahlen vorlegen, noch einmal etwas unruhig werden. Die Anleger wollen wissen, ob die Investitionen einen ersten Beitrag zum Ergebnis leisten. Gleichzeitig geht es um die weiteren Investitionspläne. Insgesamt haben sich die Kurse wieder etwas erholt. Vor allem Amazon überrascht, nachdem es für das Unternehmen im vergangenen Jahr gar nicht gut lief.

Die Schwankungen bei Aktien sind insgesamt aber bereits wieder deutlich gesunken. Die Volatilität im DAX liegt auf dem Niveau des ersten Kriegstags, während sie im S&P-500-Index bereits deutlich darunter liegt. Dass die US-Volatilität unter das Niveau zu Kriegsbeginn gefallen ist und die Kurse höher stehen, zeigt: Viele Anleger sind bereit, die Belastungen des Irankriegs zunehmend auszublenden. Niemand rechnet mehr damit, dass der Irankrieg von Neuem beginnt und die USA den Iran wieder angreifen. Das Thema Irankrieg ist für die meisten Anleger erledigt – jetzt geht es nur noch darum, wann die Straße von Hormus wieder geöffnet werden kann.

Zu der optimistischen Stimmung passt, dass der Iran offenbar nach Informationen des Nachrichtenportals Axios einen neuen Vorschlag vorgelegt hat. Wie das Portal unter Berufung auf einen US-Beamten und weitere informierte Personen berichtet, sieht der Plan vor, den derzeitigen Waffenstillstand zu verlängern, um den Weg für ein dauerhaftes Ende der Kämpfe freizumachen. Atomverhandlungen würden demnach erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden – nämlich dann, wenn die US-Blockade gegen iranische Häfen aufgehoben ist.

Ins insgesamt optimistische Bild passt allerdings nicht, dass der Ölpreis weiterhin deutlich über der Marke von 100 Dollar notiert. Aktienkurse oben und Ölpreis hoch – richtig passt das für mich nicht zusammen.

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