Der Iran-Krieg ist nicht das einzige Risiko für die Märkte
Im Schatten des Iran-Kriegs bahnt sich eine weitere Krise an, die deutlich weitreichendere Konsequenzen haben könnte. Es häufen sich die Meldungen über Probleme im Bereich Private Credit. Es vergeht kaum ein Tag, an dem Investoren nicht versuchen, an ihr Geld zu kommen. So meldete Bloomberg am Mittwoch, dass Morgan Stanley und Cliffwater mit Abflüssen aus ihren Private-Credit-Fonds zu kämpfen haben.
Sehr beeindruckend ist auch diese Zusammenstellung des X-Nutzers:
We're watching a financial crisis unfold in real time.
— George Noble (@gnoble79) March 10, 2026
The last time funds started blocking investors from getting their money back, Bear Stearns collapsed six months later.
In 2007, BNP Paribas froze €1.6 billion in funds.
Bear Stearns declared 2 funds "essentially… pic.twitter.com/Cu1tuex7UV
Um was geht es? Unter Private Credit (oft auch Private Debt genannt) versteht man die Kreditvergabe an Unternehmen durch Nicht-Banken. Während Firmen früher klassisch zur Hausbank gingen oder Anleihen am öffentlichen Kapitalmarkt ausgaben, treten hier private Institutionen als Geldgeber auf.
Volumen von 1,6 Billionen Dollar
Das globale Marktvolumen für Private Credit wird derzeit auf etwa 1,6 bis 1,7 Billionen Dollar geschätzt. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 lag das Volumen noch bei lediglich rund 300 Milliarden Dollar. Der Markt hat sich also in etwas mehr als einem Jahrzehnt mehr als verfünffacht.
Das Geschäft findet hauptsächlich außerhalb des Bankensektors statt. Wegen der strengeren Regulierung hatten sich Banken aus diesem Segment zurückgezogen. In die Lücke sind Asset Manager wie Blackstone, Apollo oder Ares gestoßen. In den vergangenen Jahren haben aber auch traditionelle Banken diesen Markt wieder zunehmend für sich entdeckt. Große Investmentbanken wollen das Feld nicht kampflos den spezialisierten Fonds überlassen. Sie haben daher eigene Abteilungen gegründet, die Gelder von externen Investoren einsammeln, um diese als Private Credit zu verleihen. Manche Banken haben Private-Credit-Fonds zudem Kreditlinien bewilligt. Das bedeutet: Der Fonds leiht sich günstig Geld bei einer Bank, um es dann zu einem höheren Zinssatz als Private Credit an ein Unternehmen weiterzuverleihen.
Private Credit ist damit kein reiner „Schattenbanken-Markt“ mehr. Es ist zu einem hybriden System geworden, in dem Banken als Vermittler, Finanzierer und teilweise auch als direkte Konkurrenten auftreten. Das macht die Probleme bei Private Credit so gefährlich. Kritiker warnen, dass die Risiken nun schwerer zu überblicken sind, weil sie über viele Akteure verteilt wurden. Außerdem wurden viele Kredite ohne sorgfältige Prüfung an Unternehmen mit zweifelhafter Bonität vergeben.
Im Video: "Money + Mind"-Experte Thierry Borgeat mit seiner Einschätzung zu Private Credit
Der Iran-Krieg könnte hier zu einer gefährlichen Kettenreaktion führen. Oft sind bei Krediten variable Zinsen vereinbart. Bleibt der Ölpreis hoch und müssen die Notenbanken die Zinsen wegen der wachsenden Inflationsgefahr anheben, können manche Unternehmen die Zinslast nicht mehr tragen. Es drohen damit Kreditausfälle. Ein weiteres Risiko: Schwächt sich die Konjunktur im Zuge steigender Energiepreise ab, fehlen den Unternehmen die Einnahmen, um ihre Schulden zu bedienen. Erneut drohen Kreditausfälle.
Alles in allem sehen wir hier einen gefährlichen Cocktail, der das Potenzial für massive Marktverwerfungen hat. Erinnerungen an die Finanzkrise sind durchaus berechtigt.