Der Iran-Krieg ist ein Kompaktkurs für wichtige Börsenlektionen
Ist sie offen oder nicht? Das Gezerre um die Straße von Hormus kann einen zur Verzweiflung bringen. Am Freitag erst die große Erleichterung. Jetzt wieder die Enttäuschung aller Hoffnungen. Es dürften doch keine Schiffe passieren. Ich habe gerade das Gefühl, im Iran-Krieg verdichten sich Lektionen, die man sonst über viele Börsenjahre lernt, auf wenige Wochen, vielleicht sogar nur Tage.
Eine der wichtigsten: Nichtstun ist oft an der Börse die beste Strategie. Wer seit Beginn des Iran-Kriegs versucht hat, mit seinen Anlageentscheidungen dem Nachrichtenverlauf zu folgen, ist wahrscheinlich inzwischen durchgedreht. Von der totalen Eskalation bis zum Friedensabkommen in greifbarer Nähe war alles dabei. Wer frühzeitig verkauft hat, ist wahrscheinlich genauso unglücklich wie diejenigen, die voreilig gekauft haben.
An der Börse ist es eben nicht wie im Sport. Wer viel macht, schneidet nicht unbedingt besser ab. Im Gegenteil: Die Gefahr ist groß, am Ende schlechter dazustehen. Der Psychologe Valentin Haas sagte kürzlich in einem Interview treffend: „Geldanlage ist oft für Menschen schwer, die es gewohnt sind, Probleme zu lösen und dabei sehr erfolgreich sind. Diesen Menschen wird ihr Talent zum Verhängnis. Wer immer alles im Griff hat, wird an der Börse eher verzweifeln als jemand, der weiß, dass er in vielen Fällen nichts weiß.“
Das Ziel nicht aus den Augen verlieren
Die Börse belohnt die Nichtstuer. Damit meine ich diejenigen, die sich von dem ganzen Lärm nicht aus der Ruhe bringen lassen. Sie bleiben ihrer Strategie treu und fragen sich nicht, wo die Kurse in einer Woche oder in einem Monat stehen. Ihnen ist wichtig, wo die Märkte in zehn Jahren notieren (mit sehr großer Wahrscheinlichkeit deutlich höher).
Die Nichtstuer wissen auch: Kurse lassen sich kurzfristig nicht prognostizieren. Und wenn es doch mal gelingt, ist es reines Glück und nicht reproduzierbar. Deswegen macht es auch keinen Sinn, sich über verpasste Chancen zu ärgern. Viel schöner ist es doch, sich darüber zu freuen, dass der Rest des Depots bei guten Nachrichten anzieht. Wir können den Markt nicht kontrollieren, wohl aber unsere Emotionen.
Eine weitere wichtige Lektion ist: Versuche nicht schlauer zu sein als der Markt, wenn die Kurse steigen. Ohne Probleme lässt sich eine ganze Reihe von Gründen finden, warum die Kurse aktuell eigentlich viel zu hoch stehen. Ein möglicher Inflationsschock, ein Abkühlen der Weltkonjunktur, gestörte Lieferketten, neue Angriffe des Iran auf die Öl-Infrastruktur der Nachbarländer – die Liste ließe sich fortsetzen. Allein: Den Märkten ist es egal; der S&P 500 notiert auf einem Rekordhoch.
Opfer ihres Egos
Geht es aufwärts, ist es gut, seinen Kopf auszuschalten und einfach die Kursgewinne mitzunehmen, ohne dabei gierig oder euphorisch zu werden. Ich habe schon einige Fondsmanager erlebt, die in solchen Phasen lieber abseits standen und auf eine Korrektur gewartet haben, die letztendlich niemals kam. Es heißt dann: „Noch ein letzter Anstieg, dann ist es vorbei.“ Wenn der große Einbruch kommt, können sich diese Fondsmanager feiern lassen und stehen als Gurus da. Allein: In den allermeisten Fällen bleibt der Absturz aus. Wie schon Peter Lynch sagte: Es wurde mehr Geld beim Warten auf den Crash verloren als im Crash selbst.