Berichtssaison startet: An der Börse wird es jetzt ernst

Berichtssaison startet: An der Börse wird es jetzt ernst
Besonders die Erwartungen an die Magnificent Seven sind nach wie vor hoch; Quelle: Bloomberg

Und wieder eine Wende im Iran-Krieg: Sah es in der vergangenen Woche noch nach Entspannung aus, stehen jetzt die Zeichen wieder auf Eskalation. US-Präsident Trump hat eine Blockade der Straße von Hormus angekündigt. Der Ölpreis steigt direkt wieder in den Bereich von 100 Dollar.

Die US-Blockade der wichtigen Meerenge sieht auf den ersten Blick völlig willkürlich aus, folgt aber einer gewissen Logik. Die USA wollen nicht mit ansehen, wie der Iran darüber bestimmt, welches Schiff passieren darf und welches nicht und dann auch noch eine Gebühr in Höhe von angeblich bis zu zwei Millionen Dollar kassiert. Mit der Blockade ihrerseits erhöhen die Vereinigten Staaten nun den Druck auf Teheran. Die Botschaft: Entweder wir bestimmen mit oder niemand kriegt Öl.

Dass dieser Schritt riskant ist, versteht sich. Die Strategie, den Iran durch maximalen Druck und eine Blockade in die Knie zwingen zu wollen, ist ein Spiel mit dem Feuer. Man setzt auf eine Strategie, die bisher nicht funktioniert hat, erhöht aber das Risiko. Zur Durchsetzung müssten US-Schiffe näher an der iranischen Küste und damit in Reichweite des iranischen Militärs operieren. Dies könnte eine Spirale in Gang setzen, die den kompletten Schiffsverkehr im Roten Meer und am Persischen Golf lahmlegt und zu weiteren Angriffen auf die Energieinfrastruktur führt.

Für die Weltwirtschaft bedeutet die erneute Eskalation wiederum: Die Inflationssorgen sind mit Wucht zurück. Wenn die Energiepreise auf diesem Niveau verharren oder weiter steigen, droht ein toxischer Mix aus sinkendem globalem Wachstum und hartnäckiger Teuerung.

Für die Börse bedeutet das: Die Erleichterungsrally ist beendet. Druck auf die Kurse könnte zusätzlich von der Berichtssaison kommen, die heute in den USA startet. Aus dem S&P 500 berichten in dieser Woche 28 Unternehmen, darunter Bank of America, Citigroup, JPMorgan Chase, Morgan Stanley, Blackrock, Abbott Laboratories, Netflix, PepsiCo und Johnson & Johnson. Bis Ende April werden rund zwei Drittel der Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Quartalszahlen vorlegen.

Die Erwartungen sind hoch: Die Umsätze dürften im Jahresvergleich um etwa neun Prozent steigen, während beim Gewinn sogar ein Plus von rund 13 Prozent prognostiziert wird. Es wäre das sechste Quartal in Folge mit zweistelligen Zuwächsen. Klarer Treiber ist der Technologiesektor, der laut Prognosen rund 46 Prozent zum Gesamtwachstum beitragen wird. Auch Unternehmen aus dem Rohstoff- und Grundstoffbereich sowie Finanzinstitute dürften positive Impulse liefern.

Besonders im Fokus steht jedoch weniger die reine Zahlenlage als vielmehr der Umgang der Unternehmen mit den aktuellen Rahmenbedingungen. Der gestiegene Ölpreis könnte viele Ergebnisse überlagern und stellt die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Höhere Energiepreise bedeuten Gegenwind für die Gewinnentwicklung der meisten Unternehmen. Wie stark der Gegenwind ist, und welche Unternehmen ihn vielleicht kaum verspüren, wird prägend sein für die Kursentwicklung der Einzelaktien der kommenden Wochen.

Investoren werden daher genau darauf achten, wie die Konzerne die weiteren Geschäftsaussichten bewerten. Die Gewinnschätzungen der Börse wurden bisher kaum angepasst. Sollte sich das wegen schwacher Ausblicke auf die nächsten Monate ändern, dürfte das nicht ohne Folgen für die Kurse bleiben.

Ich bleibe deswegen weiter vorsichtig mit punktuellen Nachkäufen und warte lieber noch etwas ab. Die Abwärtsrisiken sind aus meiner Sicht aktuell höher als die Aufwärtschancen. Die Sparpläne laufen natürlich weiter.

Jetzt kostenlos testen