Abstieg der Gewinn-Garanten: Was ist noch von den „Magnificent Seven“ zu erwarten?

Abstieg der Gewinn-Garanten: Was ist noch von den „Magnificent Seven“ zu erwarten?

Lange Zeit reichte es, einfach in die „Magnificent Seven“ zu investieren, um den Markt zu schlagen. Doch im vergangenen Jahre enttäuschte die Performance weitestgehend. Insgesamt konnten in 2025 nur zwei Aktien der "Magnificent Seven" den S&P 500 schlagen: Nvidia und Alphabet (siehe Grafik) Im „Money-Call“ mit Thierry Borgeat sprach ich ausführlich über die Gründe. Hier kannst Du es nachhören (frei verfügbar)

Auch für 2026 sind Analysten skeptisch: Die Gewinne sollen voraussichtlich um etwa 18 Prozent steigen – das langsamste Tempo seit 2022 und kaum besser als der für die übrigen 493 Unternehmen im S&P 500 prognostizierte Anstieg von 13 Prozent, wie aus von Bloomberg Intelligence zusammengestellten Daten hervorgeht. Es zeichnet sich also eine breitere Streuung des Gewinnwachstums ab. Technologie ist nicht das einzige Spiel in der Stadt.

Nur Nvidia und Alphabet performten in 2025 besser als der S&P 500; Quelle: Bloomberg

Schauen wir uns die Werte einmal im Einzelnen an. Da sie auch in den großen Indizes wie dem MSCI World ein hohes Gewicht haben, wird die Entwicklung auch für Anleger wichtig sein, die nicht direkt in die „Magnificent Seven“ investiert sind.

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Was kommt nach dem „Magnificent Seven“? Auch das war ein Thema bei dem Webinar mit Thierry. Hier kannst Du Dir seine Prognose anhören, welche Sektoren und Unternehmen wichtig werden.

 

Nvidia

Der marktbeherrschende Hersteller von KI-Chips steht unter Druck durch wachsenden Wettbewerb und Sorgen über die Nachhaltigkeit der Ausgaben seiner größten Kunden. Die Aktie ist seit Ende 2022 um 1165 Prozent gestiegen, hat jedoch seit ihrem Rekordhoch vom 29. Oktober elf Prozent verloren.

Der Konkurrent AMD hat Aufträge für Rechenzentren von OpenAI und Oracle Corp. gewonnen, und Nvidia-Kunden wie Alphabet setzen zunehmend eigene, maßgeschneiderte Prozessoren ein. Dennoch wachsen die Umsätze weiter rasant, da die Nachfrage nach Chips das Angebot übersteigt.

Die Wall Street zeigt sich optimistisch: 76 der 82 Analysten, die den Chiphersteller beobachten, vergeben Kaufempfehlungen. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten deutet auf ein Plus von rund 39 Prozent in den nächsten zwölf Monaten hin – der höchste Wert innerhalb der Gruppe.

Microsoft

Für Microsoft war 2025 bereits das zweite Jahr in Folge, in dem die Aktie hinter dem S&P 500 zurückblieb. Als einer der größten Investoren in KI wird erwartet, dass das Unternehmen in seinem laufenden Geschäftsjahr, das im Juni endet, nahezu 100 Milliarden US-Dollar an Investitionsausgaben tätigt. Dieser Betrag soll im darauffolgenden Jahr laut dem Durchschnitt der Analystenschätzungen auf 116 Milliarden US-Dollar steigen.

Der Ausbau von Rechenzentren befeuert eine Wiederbelebung des Umsatzwachstums in Microsofts Cloud-Computing-Geschäft, doch dem Unternehmen ist es bislang weniger gut gelungen, Kunden dazu zu bewegen, für die in seine Softwareprodukte integrierten KI-Dienste zu bezahlen. Aber genau das wollen die Investoren jetzt sehen.  Sie wünschen sich eine klarere Vorstellung davon, wie Profitabilität im Zusammenhang mit KI tatsächlich aussieht.

Apple

Apple war bei seinen KI-Ambitionen deutlich zurückhaltender als der Rest der „Magnificent Seven“. Die Aktie wurde dafür im vergangenen Jahr bestraft und fiel bis Anfang August um fast 20 Prozent

Dann entwickelte sie sich jedoch zu einer Art „Anti-KI“-Investition und stieg bis zum Jahresende um 34 Prozent, da Anleger das geringe KI-Ausgabenrisiko belohnten. Gleichzeitig beruhigten starke iPhone-Verkäufe die Investoren, dass das wichtigste Produkt des Unternehmens weiterhin stark nachgefragt wird.

Für die Apple-Aktie wird in diesem Jahr beschleunigtes Wachstum entscheidend sein. Es wird erwartet, dass der Umsatz im Geschäftsjahr 2026, das im September endet, um neun Prozent wächst – das schnellste Tempo seit 2021. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 31, dem zweithöchsten unter den „Magnificent Seven“ nach Tesla, wird Apple diesen Schub benötigen, um die Rallye fortzusetzen.

Alphabet

Vor einem Jahr galt OpenAI als führend im KI-Rennen, und Investoren befürchteten, dass Alphabet zurückbleiben würde. Heute ist die Google-Muttergesellschaft ein Konsensfavorit, mit dominanten Positionen im gesamten KI-Bereich. Alphabets neuestes Gemini-KI-Modell erhielt begeisterte Kritiken. Außerdem gelten seine Tensor-Processing-Unit-Chips als potenziell wichtiger Treiber für zukünftiges Umsatzwachstum, der Nvidia einen Teil seines dominanten Marktanteils im KI-Halbleitermarkt streitig machen könnte.

Nach dem rasanten Anstieg in 2025 wird die Aktie nun mit rund dem 28-fachen des geschätzten Gewinns gehandelt – deutlich über dem Fünfjahresdurchschnitt von 20. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten prognostiziert in diesem Jahr nur einen Anstieg von 3,9 Prozent.

Amazon

Der E-Commerce- und Cloud-Computing-Riese war 2025 die schwächste Aktie der „Magnificent Seven“ – das siebte Jahr in Folge auf diesem Platz. Der Kurs stieg nur um 5,2 Prozent. Doch Amazon legte Anfang 2026 einen starken Start hin und führt nun das Feld an.

Ein großer Teil des Optimismus rund um das Unternehmen basiert auf Amazon Web Services (AWS), das in den jüngsten Geschäftszahlen das schnellste Wachstum seit Jahren verzeichnete. Sorgen, dass AWS hinter seine Konkurrenten zurückfällt, haben die Aktie unter Druck gesetzt – ebenso wie die aggressiven KI-Ausgaben des Unternehmens, die unter anderem darauf abzielen, die Effizienz in den Lagern mithilfe von Robotik zu steigern. Anleger erwarten, dass sich diese Effizienzmaßnahmen bald auszahlen werden, was dieses Jahr zu dem Zeitpunkt machen könnte, an dem die Aktie vom Nachzügler zum Spitzenreiter wird.

Meta

Vielleicht zeigt keine Aktie in der Gruppe so sehr, wie skeptisch Anleger gegenüber üppigen KI-Ausgaben geworden sind, wie Meta. CEO Mark Zuckerberg hat teure Übernahmen und Einstellungen von Talenten vorangetrieben, um seine KI-Ambitionen zu verfolgen, darunter eine 14-Milliarden-Dollar-Investition in Scale AI, bei der Meta zudem den CEO des Start-ups, Alexandr Wang, als Chief AI Officer einstellte.

Diese Strategie war bei den Aktionären in Ordnung – bis sie es nicht mehr war. Die Aktie stürzte Ende Oktober ab, nachdem Meta seine Investitionsprognose für 2025 auf 72 Milliarden US-Dollar angehoben und für 2026 „deutlich höhere“ Ausgaben angekündigt hatte. Zu zeigen, wie diese Ausgaben die Gewinne steigern, wird für Meta im Jahr 2026 entscheidend sein.

Tesla

Die Tesla-Aktie war in der ersten Hälfte von 2025 die schlechteste unter den „Magnificent Seven“, stieg in der zweiten Jahreshälfte jedoch um mehr als 40 Prozent, nachdem CEO Elon Musk den Fokus von rückläufigen Elektrofahrzeugverkäufen auf selbstfahrende Autos und Robotik verlagert hatte. Die Rallye bringt Teslas Bewertung auf fast das 200-Fache des geschätzten Gewinns, womit die Aktie nach dem Übernahmekandidaten Warner Bros. Discover Inc. die zweitteuerste im S&P 500 ist.

Nach zwei Jahren stagnierender Umsätze wird erwartet, dass Tesla 2026 wieder wächst. Für dieses Jahr wird ein Umsatzanstieg von zwölf Prozent und für das nächste Jahr von 18 Prozent. Dennoch ist die Wall Street in diesem Jahr pessimistisch gegenüber Tesla-Aktien. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten prognostiziert laut Bloomberg-Daten einen Rückgang von 9,1 Prozent in den nächsten zwölf Monaten.

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