Eine Billion weg: Was ist bei Nvidia los?

Eine Billion weg: Was ist bei Nvidia los?

Was ist bei Nvidia los? Seit dem historischen Höchststand Ende Oktober hat der Technologiekonzern fast 19 Prozent seines Marktwertes eingebüßt, knapp eine Billion Dollar wurde vernichtet (siehe Titelgrafik). Inzwischen notiert die Aktie wieder dort, wo sie im August war. Auch die hervorragenden Quartalszahlen konnten dem Kurs nicht wirklich Auftrieb verleihen. Ende Oktober hatte Nvidia angesichts der KI-Euphorie noch einen Rekord aufgestellt und als erster Konzern weltweit einen Börsenwert von fünf Billionen Dollar erreicht.

Jay Goldberg, Senior Analyst von Seaport Research Partners gibt inzwischen als Kursziel für die Aktie 100 Dollar aus – und damit fast 50 Prozent unter der jüngsten Notierung. Er ist allerdings bisher der einzige von derzeit 80 Analysten, der laut einer Auswertung der Finanzagentur Bloomberg einen Verkauf für klüger hält. Nvidia sei zwar ein „sehr gut geführter Konzern“, doch mittlerweile gebe „es viel mehr Dinge, die schiefgehen können, als andersherum“, so Goldberg. Die Aktie sei bereits für Perfektion bepreist.

Allein am Dienstag verlor die Nvidia-Aktie an der New Yorker Wall Street zeitweise mehr als sechs Prozent an Wert. Der Grund: Das Technologieportal "The Information" hatte berichtet, Meta könne möglicherweise Google-Chips in seinen Rechenzentren verwenden.

Vergangene Woche hatte Google sein neues KI-Modell Gemini 3 vorgestellt. Es wird allgemein als das bislang leistungsfähigste KI-Modell angesehen, aber besonders bemerkenswert ist, wie es entwickelt wurde. Google hat das Modell vollständig auf seinen eigenen Tensor Processing Units (TPUs) trainiert und nicht auf Nvidia-GPUs.

Es könnte ein echter Gamechanger werden, wenn Alphabet diese Chips jetzt auch anderen Konzernen anbietet. Dies scheint der Medienbericht zu bestätigen. Danach prüft Meta, Googles TPU-Hochleistungschips für Cloud-Dienste und KI-Entwicklungen einzusetzen. Es ist ein Signal, dass die Konzerne nicht länger bereit sind, praktisch jeden Preis für Nvidia-Chips zu zahlen und sich nach Alternativen umschauen – sei es durch eigene Entwicklung oder bei der Konkurrenz. So verkündeten zum Beispiel AMD und OpenAI Anfang Oktober eine strategische Allianz.

Natürlich ist es noch zu früh, jetzt an Cisco zu erinnern, der Konzern, der zu Zeiten der Dotcom-Blase zu immer neuen Höhen aufstieg. Nvidia ist wesentlich stärker aufgestellt. Aber es ist gut, im Kopf zu behalten, dass keine Aktie ohne Risiko ist.

Interessant: Während die Nvidia-Aktie verliert, legt Alphabet seit Monaten zu und ließ sowohl Nvidia als auch die anderen Magnificent 7-Aktien hinter sich (siehe Grafik). Dabei galt die Google-Mutter als potenzieller Verlierer, als der Chatbot ChatGPT aufkam. Die Überlegung: Wer würde künftig noch die Google-Suchmaschine nutzen, um hilfreiche Webseiten zu finden, wenn ChatGPT in Sekundenschnelle ohne Umweg die Antwort liefern kann? Es mag sein, dass die Google-Suche tatsächlich eines Tages überholt wird. Doch noch ist es nicht so weit – auch weil Google mit eigenen KI-Zusammenfassungen reagierte.

Zudem treibt der Konzern das Wachstum in anderen Konzernbereichen voran. Der Umsatz im Cloudgeschäft stieg um mehr als 30 Prozent. Damit wächst Alphabet in diesem Bereich schneller als Amazon mit seiner Cloud-Tochter.

Warren Buffett scheint mal wieder alles richtig gemacht zu haben: Mitte November bekannt gab er bekannt, eine mehr als vier Milliarden Dollar schwere Position bei Alphabet aufgebaut zu haben.

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