Was Geld für Dich tun kann – und was nicht
Hier eine kleine Geschichte aus Mexiko:
Ein amerikanischer Geschäftsmann besucht Mexiko und trifft einen einheimischen Fischer. Der Amerikaner ist schockiert, als er erfährt, dass der Fischer nur wenige Stunden am Tag arbeitet.
„Was machst du mit dem Rest deiner Zeit?“, fragt der Amerikaner.
„Ich schlafe lange, verbringe Zeit mit meiner Familie, lese, mache ein Nickerchen und spiele mit meinen Freunden Gitarre“, antwortet der Fischer.
„Du machst das alles falsch. Ich habe eine Idee“, sagt der Amerikaner. „Du solltest den ganzen Tag arbeiten. Leih dir Geld und kauf dir ein weiteres Boot. Stell mehr Fischer ein, die für dich arbeiten.
Du könntest so viel Geld verdienen, dass du in zehn Jahren in Rente gehen könntest.“
„Was würde ich in Rente machen?“, fragt der Fischer.
„Du könntest ausschlafen, Zeit mit deiner Familie verbringen, lesen, ein Nickerchen machen und mit deinen Freunden Gitarre spielen“, sagt der Amerikaner.
Als ich die Geschichte das erste Mal las, hat sie mich zum Schmunzeln und zum Nachdenken gebracht. Die eine Lektion liegt natürlich auf der Hand: Bevor es um ein „Immer mehr“ geht, sollte man erst einmal schauen, was man eigentlich schon hat.
Aber es gibt noch eine zweite Lektion. Zwar kommt der Amerikaner natürlich sehr dumm weg. Aber immerhin erkennt er, dass es nicht nur darum geht, Geld um des Geldes wegen zu verdienen. Er möchte dieses große Geschäft aufbauen, um am Ende mehr Zeit zu haben. Und, was auch wichtig ist: Der Amerikaner macht dem mexikanischen Fischer keine falschen Versprechungen. Er sagt nicht: Mit dem Geld wirst Du beliebter und gewinnst mehr Respekt.
Die zweite Lektion aus der Geschichte lautet also: Bei allem Streben nach mehr Geld sollte man nie vergessen, warum man mehr möchte. Und vor allem unterscheiden zwischen „Was kann Geld?“ und „Was kann es nicht?“ Geld kann Dir ein schönes Haus kaufen, aber keine Freunde, mit denen Du dort feiern kannst. Wenn Du einen Freundeskreis hast, kann Dir ein größeres Haus mehr Möglichkeiten für gemeinsame Treffen und Feiern bieten. Zwar kann Geldausgaben glücklich machen, aber, wie das Beispiel mit dem Haus zeigt, aus meistens eher indirekten Gründen. Das größere Haus macht nicht glücklicher, die gute Zeit darin schon.