Und jetzt 8900 Dollar die Feinunze?

Und jetzt 8900 Dollar die Feinunze?
Quelle: Getty

Ich muss ja gestehen, dass ich der Prognose auch nicht so ganz getraut habe: Im Jahr 2020 sagten Ronald-Peter Stöferle und sein Team im „In Gold we trust“-Report einen Goldpreis von 4.900 Dollar für 2030 voraus. Unter anderem standen in dem Report folgende Zitate – sie sind gut gealtert, wie man so schön sagt:

„Die Frage lautet nicht, ob der Goldpreis neue Allzeithochs erreichen wird, sondern wie hoch diese ausfallen werden.“

„Aufkeimende Inflationsrisiken werden aufgrund der Überschuldung nicht mit merklichen Zinserhöhungen bekämpft werden können.“

„In der neuen währungspolitischen Weltordnung wird Gold als staatenlose Reservewährung wieder eine bedeutende Rolle spielen.“

Doch Stöferle und sein Team haben sich geirrt: Gold hat das Kursziel bereits gut vier Jahre früher erreicht. Sogar die Marke von 5.000 Dollar ist inzwischen gefallen.

Wie geht es weiter?

Der „In Gold we trust“-Report formulierte vor sechs Jahren neben dem Basisszenario noch eine zweite Prognose für 2030: In einem „inflationären Szenario“ könnte demnach der Goldpreis bis auf 8.900 Dollar steigen. Das würde einer jährlichen Rendite von 12,2 Prozent entsprechen. Mit Blick auf den Wertzuwachs der vergangenen Jahre klingt das durchaus machbar. Inzwischen ist Gold auf den Pfad dieses Szenarios eingebogen (siehe Grafik).

Mark Valek, einer der Mitautoren des „In Gold we trust“-Reports, schrieb kürzlich in einem Post auf LinkedIn sogar:

„Sollte es über das inflationäre Szenario hinaus zu einer tiefergehenden Neuordnung des Währungssystems kommen und Gold wieder zunehmend monetären Stellenwert gewinnen – etwa als Reserve- oder Settlement-Asset in einem fragmentierten System –, sind noch deutlich höhere Kursniveaus plausibel.“

Der Bitcoin schaut nur zu

Was mich allerdings irritiert: Der Bitcoin profitiert momentan überhaupt nicht von dieser Stimmung – im Gegenteil. Nach einem kurzen Zwischenhoch steht er sogar wieder unter der Marke von 90.000 Dollar. Theoretisch müssten viele der Gründe, die gerade für Gold sprechen – vor allem die Angst vor Inflation – auch ein Argument für Bitcoin sein. Dass die Kryptowährung davon nicht profitieren kann, heißt entweder, dass Bitcoin noch nicht als ein wirksamer Schutz gesehen wird oder dass wir bei Gold eine spekulative Übertreibung sehen.

Ich tendiere eher zu Letzterem und wäre jetzt vorsichtig mit größeren Käufen. Man unterschätzt oft die Anpassungsreaktionen auf eine Entwicklung. Es wäre doch verwunderlich, wenn der gestiegene Goldpreis keine Folgen hätte. Ich denke da zum Beispiel an die Schmucknachfrage, auf die ungefähr 40 bis 50 Prozent der Produktion entfallen, oder an die Notenbanken, die vielleicht auch nicht bereit sind, zu jedem Preis zu kaufen.

Die Schmucknachfrage reagiert empfindlich auf den Goldpreis

Wichtig ist, besonnen zu bleiben und nicht euphorisch zu werden. Auch Gold ist nicht vor Korrekturen geschützt.

Das solltest Du auch noch wissen

Noch ein paar andere Beobachtungen vom Start in die neue Börsenwoche: Der Dollar wertet weiter ab und steht im Moment bei fast 1,19 Dollar je Euro. Die Entspannungen in der Grönland-Krise haben hier zu keiner Beruhigung geführt. Die Commerzbank schrieb dazu in einem Kommentar: „Mit Blick auf die unberechenbare Politik dieser US-Regierung besteht die Gefahr, dass aus Sicht des Marktes eine Grenze überschritten wird, an der es kein Zurück mehr gibt – ein Kipppunkt. [...] Die Folge wäre eine nachhaltige deutliche Abwertung der US-Währung.“

Der Yen steht ebenfalls im Blickpunkt der Märkte: Auch er hat in den letzten Tagen gegenüber dem Dollar aufgewertet. Der Grund ist hier, dass die Investoren eine Intervention der japanischen Notenbank befürchten.

In nur wenigen Tagen fiel der Preis für einen Dollar von 158 Yen auf 154 Yen (minus 2,5 Prozent). Schon in der Vergangenheit erwies sich die Marke von 160 Yen als kritische Schwelle.

Womöglich könnte der Markteingriff sogar in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Notenbank passieren. Der Effekt wäre dadurch natürlich umso stärker. Denn die Fed ist nicht auf begrenzte Dollarreserven limitiert.

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