So machen Privatanleger den De-Basement-Trade mit – ohne physisches Gold zu kaufen
Knapp 1,17 US-Dollar bekommst du aktuell für einen Euro. Es waren dieses Jahr auch schon einmal ein paar Cent mehr, aber generell ist das das höchste Niveau, das unsere Währung seit etwas mehr als vier Jahren erreicht hat. Doch der Euro ist nicht die einzige Währung und nicht einmal die einzige Anlageform, die gerade an der Börse boomt. Der Goldpreis hat bereits mehrere neue Rekorde in diesem Jahr gesetzt, auch Silber erreicht Spitzenwerte. Dazu steigen Währungen wie die schwedische Krone und der Schweizer Franken stark im Wert.
Dahinter steckt ein Trend, der sich vor allem in den USA bemerkbar macht. Er nennt sich „De-Basement-Trades“. Gemeint ist damit, dass Anleger besorgt sind über die hohen Schulden, die etwa die USA, aber auch viele andere Länder derzeit machen. Die Sorge besteht darin, dass diese Schulden durch eine Erhöhung der Geldmenge gegenfinanziert werden, womit dann der Wert dieser Währung sinkt und die Inflation steigt. Das wiederum kann auf den Konsum und die Wirtschaft eines Landes drücken. Um sich davor zu schützen, verkaufen Anleger in den USA in diesem Jahr also ihre Dollar-Reserven und stecken sie lieber in Anlageformen, die nicht an die Entwicklung des US-Dollar gebunden sind.
Gold, der „sichere Hafen“
Gold gilt dafür seit Jahrhunderten als der bekannte „sichere Hafen“. Es sind nicht nur Privatanleger, die diese Möglichkeit nutzen – auch Zentralbanken kaufen immer mehr Gold. Hielten sie in der vergangenen Dekade im Jahresschnitt meist zwischen 400 und 500 Tonnen physisches Gold, waren es in den vergangenen Jahren rund 1000 Tonnen – also doppelt so viel. Das ist einer der Gründe, warum der Goldpreis in nur fünf Jahren von rund 50.000 Euro pro Kilogramm auf derzeit knapp 120.000 Euro sprang.
Neben Gold florieren auch andere Edelmetalle als Alternative zum US-Dollar. Der Silberpreis etwa schoss allein seit vergangenem Herbst von 1000 Euro pro Kilogramm auf 1600 Euro nach oben – Rekordwert. Platin machte einen ähnlichen Sprung von 30.000 auf rund 47.000 Euro pro Kilogramm. Beim häufiger auch industriell verwendeten Palladium ging es zwar ebenfalls von 29.000 auf rund 40.000 Euro nach oben, allerdings kostete das Edelmetall während der Corona-Krise teils doppelt so viel, weil Lieferkettenprobleme es für die Industrie rar machten.
So machst du beim De-Basement mit
Doch es sind nicht nur Edelmetalle, die vom De-Basement profitieren, sondern auch andere Währungen, in die Anleger flüchten. Der US-Ökonom Robin Brooks hat dafür verglichen, wie stark die Kursanstiege verschiedener Währungen mit denen von Gold und Silber korrelieren. Die stärksten Zusammenhänge gibt es bei der schwedischen Krone und dem Schweizer Franken. Das ist wenig verwunderlich: Die eidgenössische Währung gilt seit jeher als sicherer Hafen für Anleger. Die schwedische Krone hatte lange Zeit genau den gegenteiligen Ruf, doch aktuell ist sie beliebt, weil Schweden nur eine Staatsschuldenquote von 33 Prozent besitzt – eine der niedrigsten unter den entwickelten Ländern.
Mit etwas Abstand steht der australische Dollar auf dem dritten Platz, und dann folgt bereits der Euro, knapp vor der norwegischen Krone. Auch das britische Pfund und der neuseeländische Dollar zeigen eine hohe Korrelation, danach fällt es ab. Der Euro hat damit gegenüber der US-Währung dieses Jahr bereits rund zwölf Prozent an Wert gewonnen. Das ist gut für alle Rechnungen, die du persönlich oder deutsche Unternehmen in Dollar bezahlen musst – denn diese werden dadurch günstiger.
Inflation in den USA hat zugelegt
Auf der anderen Seite sind es vor allem Anleihen, die nicht vom De-Basement profitieren, denn ihr Wert ist an die Staatsschulden und an die jeweilige Landeswährung gekoppelt. Die Inflation in den USA hat von September 2024 auf 2025 von 2,4 auf 3,0 Prozent zugelegt – mit zuletzt weiter steigender Tendenz. Im Oktober wurde wegen des Government Shutdowns keine Zahl gemeldet. Entsprechend müssten die Zinsen für Staatsanleihen steigen, um dies auszugleichen, doch diese stagnierten zuletzt.
Wenn du als Privatanleger auf kurzfristige Gewinne schaust, kannst du diesen De-Basement-Trade mitmachen. Experten raten dann dazu, die bisherige Faustformel von 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen im Depot aufzuweichen. Du solltest nicht sofort alle Anleihen verkaufen, kannst aber einen Teil davon durch Sachwerte wie Gold, Silber oder Immobilien ersetzen. Dazu musst du nicht die physischen Metalle oder Gebäude kaufen – es gibt für alle Kategorien auch passive Fonds, die etwa den Gold- oder Immobilienmarkt abbilden.