Sehr kluge Gedanken einer Börsenlegende zu KI

Sehr kluge Gedanken einer Börsenlegende zu KI

Die Diskussion um die Frage "KI-Blase ja oder nein?" bestimmt gerade die Börse. Wir sehen, dass das Investoren genauer hinschauen und zwischen "winnern" und "losern" unterscheiden. Es gilt nicht mehr "Everybody wins" wie noch vor einigen Monaten, als sämtliche KI-Aktie stiegen.

Ein paar sehr kluge Gedanken dazu hat sich aus meiner Sicht Howard Marks, CEO der Investmentgesellschaft Oaktree Capital (verwaltetes Vermögen 21,8 Milliarden Dollar), in einem seiner Memos gemacht. So führte er unter anderem aus, dass Blasen auch etwas Gutes haben können. Das Memo ist sehr lang. Das sind die Schlüsselpassagen:

„Jeder fragt: ,Gibt es eine KI-Blase?‘ Ich denke, schon in der Frage selbst steckt eine gewisse Unschärfe. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man über zwei unterschiedliche, aber miteinander verknüpfte mögliche Blasen nachdenken muss: eine im Verhalten der Unternehmen innerhalb der Branche und eine weitere im Verhalten der Investoren gegenüber dieser Branche.“

Howard Marks, Quelle: Imago

„Wird KI Gewinne erzeugen – und wenn ja, für wen? Zwei Dinge, über die wir bislang wenig oder gar nichts wissen, sind zum einen die Gewinne, die KI für die Anbieter generieren wird, und zum anderen ihre Auswirkungen auf Nicht-KI-Unternehmen, also vor allem auf jene, die KI einsetzen.

Wird KI zu einem Monopol oder Duopol führen, in dem ein oder zwei führende Unternehmen ihre Fähigkeiten teuer verkaufen können? Oder wird es zu einem hochkompetitiven freien Wettbewerb kommen, in dem zahlreiche Anbieter über den Preis um die Ausgaben der Nutzer für KI-Dienste konkurrieren und KI damit zur Commodity wird? … Werden die führenden Tech-Konzerne, die Erfolge in Winner-takes-all-Märkten gewohnt sind, bereit sein, über Jahre hinweg Verluste in ihren KI-Geschäften hinzunehmen, um Marktanteile zu gewinnen? Hunderte Milliarden Dollar werden in den Wettlauf um die KI-Führerschaft investiert. Wer wird gewinnen – und mit welchem Ergebnis?

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Ebenso offen ist die Frage, welche Auswirkungen KI auf die Unternehmen haben wird, die sie einsetzen. Klar ist: KI wird ein mächtiges Werkzeug zur Steigerung der Produktivität sein, unter anderem indem menschliche Arbeit durch computerbasierte Arbeit und Intelligenz ersetzt wird. Doch wird diese Möglichkeit zur Kostensenkung die Gewinnmargen der Unternehmen erhöhen, die KI nutzen? Oder wird sie lediglich Preiskämpfe zwischen diesen Unternehmen anheizen, während sie um Kunden konkurrieren? In diesem Fall könnten die Einsparungen eher an die Kunden weitergegeben werden, statt bei den Unternehmen zu verbleiben. Anders gesagt: Ist es möglich, dass KI die Effizienz von Unternehmen steigert, ohne ihre Profitabilität zu erhöhen?“

„Blasen, die auf technologischem Fortschritt beruhen, sind gut, weil sie Investoren dazu begeistern, Geld hineinzupumpen – von dem ein erheblicher Teil verloren geht –, um ein neues Chancenfeld mit Kapital zu überziehen und seine Erschließung sprunghaft zu beschleunigen.

Die entscheidende Erkenntnis scheint zu sein: Würden die Menschen geduldig, umsichtig, analytisch und strikt auf Wert bedacht bleiben, würden sich neue Technologien über viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte hinweg entwickeln. Stattdessen führt die Hysterie einer Blase dazu, dass dieser Prozess extrem komprimiert wird – in sehr kurzer Zeit. Ein Teil des Geldes fließt dabei in bahnbrechende Investitionen bei den Gewinnern, ein großer Teil wird jedoch schlicht verbrannt.“

Und das ist das Fazit von Marks:

  • "Es gibt eine lange Geschichte davon, dass bahnbrechende Technologien übermäßige Begeisterung und Investitionen auslösen. Das führt zu mehr Infrastruktur, als tatsächlich benötigt wird, und zu Vermögenspreisen, die sich im Nachhinein als zu hoch erweisen. Diese Exzesse beschleunigen die Verbreitung der Technologie auf eine Weise, die ohne sie nicht stattfinden würde. Der gängige Begriff für solche Übertreibungen ist „Blasen“.
  • Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, eine der größten transformativen Technologien aller Zeiten zu werden.
  • Wie ich oben geschrieben habe, ist KI derzeit Gegenstand enormer Begeisterung. Sollte diese Begeisterung ausnahmsweise keine Blase hervorbringen, die dem historischen Muster entspricht, wäre das ein Novum.
  • Blasen, die auf diese Weise entstehen, enden in der Regel mit Verlusten für jene, die sie antreiben.
  • Diese Verluste resultieren vor allem daraus, dass die Neuartigkeit der Technologie Ausmaß und Zeitpunkt ihrer Auswirkungen unvorhersehbar macht. Das wiederum erleichtert es, Unternehmen im Überschwang der Euphorie zu positiv zu bewerten, und erschwert es, im Nachhinein zu erkennen, welche Firmen als Gewinner hervorgehen werden, wenn sich der Staub gelegt hat.
  • Es gibt keine Möglichkeit, vollständig an den potenziellen Vorteilen einer neuen Technologie teilzuhaben, ohne gleichzeitig dem Risiko der Verluste ausgesetzt zu sein, die entstehen, falls sich die Begeisterung – und damit das Verhalten der Investoren – als überzogen erweist.

Da niemand mit Sicherheit sagen kann, ob wir es tatsächlich mit einer Blase zu tun haben, würde ich davon abraten, „all in“ zu gehen, ohne sich bewusst zu machen, dass im Falle eines ungünstigen Verlaufs das Risiko eines Totalverlusts besteht. Umgekehrt sollte aber auch niemand komplett außen vorbleiben und riskieren, einen der größten technologischen Fortschritte zu verpassen. Eine moderate Position, umgesetzt mit Auswahl und Umsicht, erscheint mir daher als der beste Ansatz.“

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