Sechs Thesen für das Börsenjahr 2026

Sechs Thesen für das Börsenjahr 2026

Es beginnt die Zeit der Prognosen für 2026. Manche Banken machen große Tabellen mit ihren Annahmen für Gold, S&P 500 und den Wechselkurs. Sie geben eine ganz gute Orientierung, wie so die Stimmung ist. Interessanter fand ich aber die Thesen, die Union Investment für 2026 veröffentlicht hat. Deswegen möchte ich sie Dir hier einmal weitergeben.

Erstens: Politische Risiken prägen das Kapitalmarktjahr

Die politischen Risiken sind zahlreich und werden im kommenden Jahr im On-Off-Modus immer wieder zum Tragen kommen. Für Investoren gilt es, diese zu berücksichtigen und die daraus resultierenden Hürden bestmöglich zu überwinden. Der Großmachtwettbewerb zwischen den Machtblöcken China und USA setzt sich weiter fort. Ausmaß, Intensität und Zeitpunkte des Konflikts sind kaum zu antizipieren, weil ungeachtet des generellen Trends zur Entkopplung mit Blick auf den Konflikt um KI-Chips und Seltene Erden noch punktuell Anreize zur Kooperation bestehen. Beim Thema Zölle hingegen dürfte sich die US-Regierung den meisten Handelspartnern gegenüber kaum kompromissbereit zeigen – das macht die Kosten kalkulierbarer, die Unsicherheit ist also teilweise überwunden.

Zweitens: Robustes Wachstum überlagert erhöhte Inflation

In den USA bleibt eine erhöhte Inflation 2026 ein Thema. Schätzungen gehen von einer Teuerungsrate von 2,9 Prozent aus – zu hoch aus der Sicht der Notenbank. Allerdings erwarten wir eine leicht rückläufige Tendenz in der zweiten Jahreshälfte. Das bringt dann Entlastung für den für die US-Wirtschaft so wichtigen Konsum. Zudem überlagert das robuste Wachstum in den USA die Inflation. Wir erwarten eine Zunahme der konjunkturellen Dynamik um 2,1 Prozent. In Europa hingegen hat sich die Inflation im von der Europäischen Zentralbank (EZB) anvisierten Bereich von zwei Prozent eingependelt und dürfte dort auch 2026 verharren. Das Wachstum im Euroraum sollte bei 1,2 Prozent liegen. Deutschland dürfte von den Fiskalstimuli besonders profitieren und ebenfalls ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent erreichen. Damit steht ein Ende der jahrelangen wirtschaftlichen Stagnation bevor.

Drittens: Notenbank Fed gibt dem Druck nach

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) steht unter einem immensen politischen Druck. Die fundamentale Datenlage spricht nicht für eine Änderung des geldpolitischen Kurses. Doch die US-Regierung unter Trump arbeitet an der graduellen Aushöhlung der Notenbank, und das wird Spuren hinterlassen. Wir gehen daher davon aus, dass die Fed unter dem Dauerdruck übersteuern wird und die Leitzinsen senkt. Das Zielniveau sehen wir zum Jahresende 2026 bei 3,25 bis 3,5 Prozent. Die EZB dürfte sich hingegen im kommenden Jahr an die Seitenlinie stellen und abwarten. Mit einer Zinserhöhung rechnen wir im Euroraum nicht vor 2027.

Viertens: Gold profitiert vom angeschlagenen Ruf des Dollars

Der Dollar wird aufgrund der Risiken im Zusammenhang mit der schrittweisen Aushöhlung der Fed, der unberechenbaren Politik aus dem Weißen Haus und der hohen Staatsverschuldung der USA auch 2026 weiter unter Druck stehen. Internationale Investoren hinterfragen zunehmend die Unabhängigkeit der staatlichen Institutionen in den USA. Unterdessen suchen Notenbanken und institutionelle Anleger nach alternativen sicheren Häfen, um den US-Dollar zu meiden. Die dürften sie beispielsweise in Gold und in ausgewählten Kryptoassets finden, auch wenn beim Gold die Bewertung fundamental aktuell nicht gerechtfertigt ist.

Fünftens: KI bleibt ein starker Faktor an den globalen Aktienmärkten

Für die Aktienmärkte bietet die Aussicht auf weiteres Gewinnwachstum beidseits des Atlantiks eine wichtige Unterstützung. Aufgrund des hohen Gewichts von KI-bezogenen Aktien bleibt das Thema – und die damit verbundenen Investitions- und Gewinnerwartungen – ein wichtiger Treiber. Bislang ist – entgegen vielen Befürchtungen – kein Abbruch der Investitionen in mit KI-Rechenleistung verbundene Infrastruktur und in KI-Kapazitäten sichtbar geworden. Allerdings werden die Investoren künftig genauer hinschauen, welche Finanzierungen sich auszahlen und welche nicht, daher ist die Titelselektion entscheidend. Teile der Softwarebranche werden etwa durch KI aufgemischt, während andererseits KI-Anwendungen in der Breite auch für Sektoren, die bisher nicht im Fokus der Investoren standen, neue Chancen bieten, etwa im Bereich Automatisierung. Auch der durch KI steigende Energiebedarf bleibt ein interessantes Anlagethema.

Sechstens: Aktienmarktdynamik gewinnt an Breite

Die Gewinner am Aktienmarkt werden 2026 nicht mehr allein im Segment KI zu finden sein. Da sich durch die Konjunkturbelebung die Schere zwischen dem hohen Gewinnwachstum von KI-nahen Unternehmen und der breiten Wirtschaft langsam schließt, ist eine Diversifikation in zyklische Unternehmen wie etwa ausgesuchte Industrie-, Logistik- und Dienstleistungstitel sinnvoll. In Europa stehen zudem aufgrund der Fiskalpakete IT-Dienstleister und Bau- und Infrastrukturanbieter hoch im Kurs.

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